Zweite Corona-Welle könnte Gesundheitssystem überlasten

Wiesbadener Experten blicken in die Zukunft

Zweite Corona-Welle könnte Gesundheitssystem überlasten

Bevorstehende Covid-19-Infektionswellen könnten zu einem Zusammenbruch des deutschen Gesundheitssystems führen. Zu diesem Schluss kommen Modelle der Analyse-Experten der Wiesbadener Technologieberatung „Invensity“.

Für die Analyse wurden aktuelle Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) und anderer Quellen ausgewertet. Mittels epidemiologischer Modelle wurden verschiedene Szenarien erstellt. Im ungünstigsten Fall erkranken bereits Mitte Juni mehr Menschen, als das Gesundheitssystem aufnehmen kann.

Im Fokus der aktuellen Untersuchung stand es, die Auswirkungen neuer Infektionswellen vorherzusagen. Die berechneten Szenarien unterscheiden sich vor allem in der Bandbreite der gleichzeitigen Erkrankungen. Im besten Fall wird das Gesundheitssystem bestmöglich ausgenutzt und durch die Politik rechtzeitig gegengesteuert, sobald die Zahl der Erkrankungen sich der oberen Kapazitätsgrenze nähert.

Dramatischer Verlauf nicht ausgeschlossen

Würde dieser Zeitpunkt auch nur um wenige Tausend Erkrankungen verpasst, so könne die Kurve nicht mehr rechtzeitig nach unten gedrückt werden, zeigen sich die Experten überzeugt. In Folge dessen würden Mediziner unter Umständen zur sogenannten Triage gezwungen, also der Entscheidung, welcher Patient Behandlung erhält und welcher nicht. Da es noch keine Erkenntnisse zu möglichen saisonalen Schwankungen der Infektionszahlen gibt, könne auch ein noch dramatischerer Verlauf in Zukunft nicht ausgeschlossen werden.

Frank Lichtenberg, Geschäftsführer von Invensity erklärt: „Wir wollen mit unseren Szenarien keine Panik, sondern Realismus verbreiten. Sie bieten eine Orientierung, um sich auf alle Fälle vorbereiten zu können.“ Unabhängig von der Forschung an Impfstoffen sei es laut Lichtenberg von zentraler Bedeutung, weitere große Investitionen in das Gesundheitssystem zu tätigen und deutlich mehr Personal auszubilden und einzustellen. „Hierzu könnte es nötig werden, die Profitorientierung der Krankenhäuser zurückzunehmen und sie als staatlich verwaltete Grundversorgung zu verstehen“, so Lichtenberg. (ab)

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