Warum die Wiesbadener immer weniger in der Innenstadt shoppen

Laut einer Studie ist der Trend, in der Wiesbadener Innenstadt einkaufen zu gehen, rückläufig. Schuld sollen unter anderem die Masse der vielen Ketten, zu viel Dreck und zu wenige Parkplätze sein.

Warum die Wiesbadener immer weniger in der Innenstadt shoppen

Keine Cafés, austauschbare Geschäfte und zu viele Obdachlose: So sehen die Wiesbadener laut der Studie eines Frankfurter Immobilien-Vermarkters die hessische Landeshauptstadt. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren sollen immer weniger Passanten die Shoppingmeile besuchen. Wo sich im Jahr 2016 noch 8750 Shoppinglustige getummelt haben sollen, findet man aktuell nur noch 7600 Passanten. Im Jahr 2015 sollen sich sogar 13.000 Menschen stündlich durch die Langgasse bewegt haben.

Zu viel Dreck

„Immer mehr Leute bevorzugen Online-Shopping.“ - Luisa de Castro

Einer der Hauptgründe hierfür sei die schmutzige Umgebung. Vor allem rund um den Mauritiusplatz und nahe der in der Innenstadt gelegenen Kneipen und Imbisse findet man viel Dreck: Leere Becher, Zigarettenschachteln und zahlreicher Plastikmüll liegt die Straßen. Doch hindert das einen wirklich beim Einkaufen? „Ich denke nicht, dass es an Wiesbaden liegt, sondern einfach dem Geist unserer Zeit geschuldet ist. Immer mehr Leute bevorzugen Online-Shopping. Da ist es klar, das die Läden weniger besucht sind“, erklärt Passantin Luisa Rauch de Castro. Eine ähnliche Meinung vertritt auch Merkurist-Leser Christian Faust: Neben überteuerten Preisen stören ihn auch die hohen Parkkosten.

Langweiliges Angebot

Wenn man die Kirchgasse entlang läuft, sieht man immer mehr Filialen großer Konzerne: Snipes, H&M, Zara oder auch Douglas reihen sich aneinander. Viel Platz für kleine, ausgefallene Lädchen bleibt da kaum.

„Wir haben viele Stammgäste, auf die wir immer zählen können.“ - Silvia Helmer, Pure Living

Dies weiß auch Silvia Helmer von Pure Living: „Die Debatte in den sozialen Netzwerken ist uns natürlich bekannt, dass wir gar nicht betroffen sind, wäre übertrieben. Aber wir haben viele Stammgäste, auf die wir immer zählen können und die unsere Individualität zu schätzen wissen.“

Unsoziales Publikum?

Ein weiterer Grund scheinen die Passanten selbst zu sein: Mehrere Befragte geben zu, dass sie das Publikum, dass sich durch die Kirchgasse schiebt, nicht immer befürworten: „Die Kirchgasse soll zwar Deutschlands viertmeist besuchte Einkaufsstraße sein, aber ich finde das Angebot grenzwertig. Es gibt kaum schöne Geschäfte und auch das Publikum ist oft sehr unsozial“, sagt eine Mitarbeiterin eines Dessousgeschäfts. Ähnlich sehen dies zwei Verkäuferinnen eines Kosmetikladens: „Die Studie ist uns bekannt und es stimmt tatsächlich, dass weniger Leute die Stadt besuchen. Wir denken, dass das am Publikum liegt, viele Passanten fühlen sich vermutlich einfach nicht mehr sicher.“

Polizeisprecher Andreas Hemmes, kann diese Einschätzung nicht bestätigen: „Es ist immer schwer, das Befinden und die Gefühle einzelner Personen einzuordnen. Von einer unsicheren Innenstadt sind wir aber weit entfernt.“ Im Vergleich zu den vergangenen Jahren habe es keine Steigerung von Straftaten in der Innenstadt gegeben.

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