Wo man in Wiesbaden kostenlos Obst von Bäumen pflücken darf

Einfach so Äpfel von vermeintlich wilden Bäumen ernten? Keine gute Idee. Oft stehen die Bäume auf Privatgrundstücken, die gar nicht erst betreten dürfen werden. Obstfans sollten sich deshalb vorher informieren — denn es gibt auch Ausnahmen.

Wo man in Wiesbaden kostenlos Obst von Bäumen pflücken darf

Bei einem Spaziergang über Wiesbadens Felder ein paar Mirabellen pflücken und in einen Apfel direkt vom Baum beißen — für viele Naturliebhaber ist das wohl die Traumvorstellung von einem Tag im Freien. So einfach ist es allerdings nicht immer. Denn oft darf man Äpfel, Birnen, Pflaumen und Co. gar nicht einfach so von Bäumen pflücken. In vielen Fällen fällt das sogar unter Diebstahl — es gibt aber auch Ausnahmen.

Unerlaubt auf Privatgrundstücken

Streuobstwiesen sind meist im Besitz einer Organisation, der Stadt oder von Privatpersonen und stehen unter besonderem Schutz, weil sie viele Tierarten beheimaten und für eine reinere Luft in der Stadt sorgen. Sind die Wiesen in Privatbesitz, dann dürfen sie weder betreten, noch darf von den Bäumen gepflückt werden. Tut man es doch, kann der Grundstücksbesitzer einen Strafantrag stellen.

Laut R+V Versicherung muss der Dieb dann mit einer Geldstrafe oder einem Strafbefehl nach Tagessätzen rechnen. Wenn er dafür über einen Zaun geklettert ist, kann der Eigentümer ihn außerdem wegen Hausfriedensbruch anzeigen. Zudem muss er dem Besitzer den entstandenen Schaden ersetzen. Wer im großen Stil klaut und das Obst sogar weiterverkauft, kann bis zu drei Monate lang ins Gefängnis kommen. Die Ausrede, die Fläche sei nicht als Privatgrundstück gekennzeichnet oder umzäunt gewesen, gilt übrigens nicht. Das muss sie nämlich gar nicht.

Ausnahmen auf öffentlichen Flächen

Doch es gibt auch Bäume, deren Früchte man mitnehmen darf. Oft können Spaziergänger Äpfel, Nüsse und andere Früchte, die auf öffentlichen Flächen oder in Parks gewachsen sind, in kleinen Mengen und für den persönlichen Bedarf mitnehmen. Wildwachsende Früchte wie Beeren, Pilze und Kräuter dürfen ebenfalls gepflückt werden — zumindest dann, wenn sie auf öffentlichen Plätzen wachsen und die Fläche betreten werden darf. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann beim Umweltamt nachfragen. Übrigens machen auch manche Landwirte eine Ausnahme und erlauben, liegengebliebenes Obst und Gemüse mitzunehmen.

Freie Bäume auf Onlinekarte einsehbar

Eine große Streuobstwiese hat die Stadt Wiesbaden in Kooperation mit der Onlineplattform „Mundraub.org“ öffentlich zum Ernten freigegeben. In Klarenthal, direkt neben der Carl-von-Ossietzky-Schule, stehen auf einer Fläche von 3900 Quadratmetern 20 Apfelbäume, sechs Birnbäume, vier Pflaumenbäume, eine Mirabelle und zwei Süßkirschen, von denen gepflückt werden darf. Die Fläche finden Interessierte auf einer Onlinekarte. Dort können Nutzer frei zugängliche Obstbäume und Sträucher eintragen, sodass andere sie finden und davon pflücken können.

„Es gibt wenige Fälle, in denen im Nachhinein Fundorte, die Privateigentum sind, gemeldet werden.“ - Andrea Pinkwart, Mundraub.org

Wer einen Baum einträgt, muss vorher sicher gegangen sein, dass er auch tatsächlich niemandem gehört. Das scheint auch zu klappen. „Es gibt wenige Fälle, in denen im Nachhinein Fundorte, die Privateigentum sind, gemeldet werden — hierfür gibt es auch eine spezielle Funktion an jedem Fundort“, erklärt Andrea Pinkwart von der Plattform. „Entsprechende Fundorte werden sofort gelöscht.“

In einigen Fällen, so beispielsweise bei einer Esskastanie in Sonnenberg und einem Mispelbaum an der Erich-Ollenhauer-Straße, sind es sogar die Besitzer selbst, die ihre Bäume zum Ernten anbieten. Über die Kommentarfunktion können Interessierte mit ihnen in Kontakt treten — dann können sich Obstfans ganz sicher sein, dass sie die Früchte tatsächlich ernten dürfen und keine Straftat begehen, oder einen geschützten Raum betreten. (ts)

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