Fünf Mythen über die Citybahn - und was wirklich dran ist

Die Planungen rund um die Citybahn werfen immer wieder Fragen bei den Wiesbadenern auf. Wir stellen Euch fünf wichtige Fakten zum Großprojekt vor.

Fünf Mythen über die Citybahn - und was wirklich dran ist

Mögliche Strecken, geeignete Haltepunkte, realistische Bauzeiten: Das Thema Citybahn beschäftigt Wiesbaden in vielerlei Hinsicht. Einige Fragen tauchen dabei immer wieder in den Kommentarspalten der Merkurist-Beiträge auf und führen zu Diskussionen und Unsicherheiten. Eine Auswahl dieser Fragen wollen wir heute beantworten.

Müssen auf der Biebricher Allee alle Bäume gefällt werden?

Anwohner auf der Biebricher Allee fürchten, die Straße könnte ihren besonderen Charakter verlieren, wenn Bäume für den Straßenbahnbau gefällt werden müssen. Bis zu 400 Bäume waren zu Beginn der Planungen im Gespräch, doch eine Prüfung im Herbst 2018 gab bereits Aufschluss darüber, dass die meisten von ihnen stehen bleiben können. „Anders als prognostiziert, müssen nur 44 der 430 Bäume auf der Biebricher Allee weichen, am Hauptbahnhof sind es rund 20“, so das Ergebnis der Prüfung der ESWE-Verkehr. Dabei kündigt die Citybahn GmbH bereits an, für Ersatzpflanzungen zu sorgen.

Müssen Anwohner mit jahrelangen Baustellen rechnen?

Viele Wiesbadener fürchten mit dem Bau eine jahrelange Baustelle — also Lärm und Dreck — vor der eigenen Haustür, Händler und Lokale rechnen mit weiniger Laufkundschaft. Die Citybahn GmbH gibt an, die Baustellenbelastung so gering wie möglich halten zu wollen. Dafür soll die Strecke abschnittsweise entstehen. Los gehen sollen die Arbeiten auf der Theodor-Heuss-Brücke. Von dort aus soll die Linie in beide Richtungen ausgedehnt werden. Sobald Haltestellen stehen und verbunden sind, könne die Bahn den Teilabschnitt befahren, die Linie wächst also nach und nach zusammen. Andere Arbeiten, etwa Fahrbahnsanierungen oder Kanalerneuerungen auf der Strecke, sollen mit dem Gleisbau zusammengelegt werden.

Fallen Buslinien und Haltestellen weg?

Damit die Vision der Citybahn GmbH, dass Citybahn und Busse sich ergänzen, Wirklichkeit wird, müssen beide Verkehrsmittel aufeinander abgestimmt werden. Nur so, das erklären die Planer, sind Umstiege möglich und doppelte Routen können ausgeschlossen werden. Aber: „Ob und welche Buslinien gegebenenfalls anzupassen sind, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“, heißt es von der Citybahn GmbH. Buslinien, die außerhalb der Citybahn verlaufen, sollen in der jetzigen Form bestehen bleiben. Was mit den anderen passiert, könne erst endgültig geklärt werden, wenn die Linienführung definitiv feststeht.

Ist eine Fahrt mit der Citybahn wirklich schneller als die jetzigen Busverbindungen?

Je nach Uhrzeit und Verbindung schaffen es Regionalbahnen und S-Bahnen in neun bis dreizehn Minuten vom Wiesbadener Hauptbahnhof nach Mainz. Die Linie 6 braucht 30 Minuten. Wer von Innenstadt zu Innenstadt will, muss bei den derzeitigen Verbindungen mit Umstiegen und Wartezeiten an Haltestellen rechnen. Die Citybahn verspricht in der Kosten-Nutzen-Untersuchung (NKU) eine Direktverbindung zwischen beiden Innenstädten in weniger als einer halben Stunde.

Könnte das Geld für die Citybahn für sinnvollere Projekte eingesetzt werden?

3,4 Millionen Euro hat die Stadt vor rund drei Jahren für die Vorplanungen zur Citybahn freigegeben. Zusammen mit Fördergeldern vom Land kam ein Budget von fast 3,9 Millionen zusammen — ohne dass auch nur eine Schiene verlegt wird. Das Geld floss bisher vor allem in die Werbung und Informationsveranstaltungen für Bürger sowie an Architekten und Planer, die verschiedene Lösungen miteinander vergleichen. Wenn es zum Bau kommt, übernimmt der Bund rund 60 Prozent der Kosten. Weitere Fördermittel kommen vom Land Hessen, für die Strecken auf der Mainzer Rheinseite greifen Rheinland-Pfalz und seine Hauptstadt in die Tasche. Am Ende würde Wiesbaden weniger als 19 Millionen Euro zur Strecke mit dem Gesamtpreis von 149 Millionen Euro zwischen Hochschule und Uni investieren. Die 130 Millionen Euro Differenz können jedoch nicht in andere Projekte gesteckt werden, sie werden nur für das Projekt Citybahn bereitgestellt. (nl)

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