Wie die Citybahn das Wiesbadener Stadtbild verändern soll

Neben einer besseren Mobilität soll die geplante Citybahn auch das Bild der Stadt Wiesbaden aufwerten. Durch weniger Autospuren könnten etwa neue Stadtplätze entstehen.

Wie die Citybahn das Wiesbadener Stadtbild verändern soll

Als einen „drastischen Eingriff“ in das Wiesbadener Stadtbild bezeichnen die Gegner des Verkehrsprojekts die geplante Citybahn in Wiesbaden. Die vielen Strommasten, zu dominante Gleise und das Entfernen von Bäumen würden das einzigartige Bild der Stadt zerstören. In einer neuen Studie hat sich jetzt das Stadtplanungsamt mit der Frage beschäftigt, wie sich eine Straßenbahn wirklich auf das Erscheinungsbild Wiesbadens auswirken wird. Sie kommt zu einem anderen Ergebnis als die Gegner.

Steigende Einwohnerzahlen

Die wichtigsten Themen, mit denen sich Großstädte aktuell beschäftigen müssen, seien neuer Wohnraum, Umwelt und Verkehr, so Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD). Dies seien aber Probleme, die man nicht getrennt von einander, sondern gemeinsam angehen müsse. So werden in Wiesbaden immer mehr neue Wohngebiete erschlossen, um den steigenden Bedarf (32.00 neue Wohnungen bis ins Jahr 2040) gerecht zu werden. Mehr Einwohner bedeute aber zugleich auch mehr Verkehr, erklärt Andrej Müller vom Stadtplanungsamt. Um zusätzlichen Autoverkehr, auch von Pendlern aus dem Umland, aus der Wiesbadener Innenstadt herauszuhalten, sei die Citybahn entscheidend.

Neben der Reduzierung des Autoverkehrs soll der Bau der Bahn aber auch an mehreren Plätzen für deutliche Aufwertung sorgen. Besonders untersucht wurden dabei sieben Straßen und Plätze in Wiesbaden, an denen die Citybahn vorbei fahren soll. Diese sind die Wiesbadener Straße in Kastel, der Rathenauplatz in Biebrich, die Biebricher Allee in Höhe Henkell, der Knotenpunkt Fischerstraße/Biebricher Allee, die Rheinstraße/Luisenplatz, der Bereich Ringkirche sowie die Ecke Dotzheimer/Klarenthaler Straße.

Mehr öffentlicher Raum

„Die Ringkirche ist heute eigentlich nicht mehr als eine große Verkehrsinsel“, erklärt Müller beispielhaft. Hier hätte die Straßenbahn sehr große Auswirkungen auf die Straßenführung. Während sich heute der Verkehr auf je zwei Spuren um die Kirche schlängelt, soll der Bereich nach Bau der Bahn für den Autoverkehr komplett tabu sein. Nach dem neusten Modell, das in dieser Woche vorgestellt wurde, soll die Bahn auf zwei Spuren nördlich, also von der Rheinstraße aus gesehen rechts an der Kirche vorbei fahren. Auf der anderen Seite könnte dann ein öffentlicher Platz entstehen, auf dem etwa Feste oder Märkte stattfinden können.

„Wir wollen die Straßen gerechter Aufteilen, um so Flächen für das urbane Leben zurückzugewinnen“, sagt Müller. Als Beispiel nennt er die Rheinstraße auf Höhe des Luisenplatzes, wo eine Haltestelle der Citybahn gebaut werden soll. Hier wird der Mittelstreifen zwischen den Bäumen kaum genutzt. Durch die Bahn, die auf den Flächen der jetzigen Parkplätze fahren soll, soll diese deutlich aufgewertet werden.

„Die Citybahn bietet die Chance, Reparaturen am Stadtbild vorzunehmen, welches durch Planung der autogerechten Stadt geprägt ist“, so Müller. Als Beispiel nennt er die Kreuzung Klarenthaler und Dotzheimer Straße, welche durch den Autoverkehr stark geprägt sei, für die vielen Anwohner aber keinen direkten Nutzen habe. Durch die Reduzierung des Autoverkehrs auf zwei Fahrspuren in der Klarenthaler Straße könnte hier ein neuer Stadtplatz entstehen, auf dem etwa ein neues Café gebaut werden könne. (js)

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