Thema „Citybahn“ dominiert Sitzung des Ortsbeirats in Biebrich

Durch die Rathausstraße oder durch die Stettiner Straße? Noch immer konnte der Biebricher Ortsbeirat keine Empfehlung für eine mögliche Citybahnstrecke aussprechen. Auch die Bewohner des Stadtteils lässt das Thema nicht kalt.

Thema „Citybahn“ dominiert Sitzung des Ortsbeirats in Biebrich

Wenn die Citybahn auf der Tagesordnung steht, könnte man meinen, dass halb Biebrich auf den Beinen ist. So zumindest wirkte es am Dienstagabend, als mögliche Routen für eine Straßenbahn Thema im Ortsbeirat waren. Bis auf die Balkone war der Bürgersaal in der Galatea-Anlage besetzt.

Der Applaus war groß, als Ortsvorsteher Kuno Hahn (SPD) mitteilte, dass die Straße „Am Schlosspark“ keine Durchgangsstraße werden soll, falls die Bahn gebaut gebaut wird. Genau das hatte nämlich Siegfried Huhle, Partner der ESWE-Verkehr, vor Kurzem als eine Variante vorgeschlagen, falls die Gleise in der Rathausstraße verlegt werden. Bei den Anwohnern rund um den Park sorgte diese Idee für großen Protest.

Aufruf durch Flyer

Viele Biebricher folgten einem Flyer, der mit dem Absender „Bürgerinitiative Mitbestimmung Citybahn“ gefolgt. Das Informationsschreiben war in den vergangenen Tagen in vielen Briefkästen rund um die Straße „Am Schlosspark“ aufgetaucht und forderte die Anwohner dazu auf, ihrem Unmut in der Fragestunde der Sitzung Luft zu machen. Und auch wenn der sogenannte „Huhle-Vorschlag“ schon zu Beginn der Sitzung aus dem rennen war, sorgten weitere Vorschläge durch Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) für viel Gesprächsbedarf.

„Da sehe ich im Moment keine bessere Möglichkeit.“ - Ortsvorsteher Kuno Hahn

„Ich verspreche mir von der Anbindung an die Citybahn eine wesentliche Verbesserung für Biebrich. Wir brauchen mehr Transportmöglichkeiten und zwar schadstoffarm, im Sinne des Umweltschutzes. Da sehe ich im Moment keine bessere Möglichkeit“, äußerte der Ortsvorsteher auf Nachfragen seine ganz persönliche Meinung zu dem Projekt. Für den gesamten Ortsbeirat konnte er aber nicht sprechen — Vor allem die CDU ist in Biebrich nach wie vor nicht von der Bahn überzeugt.

Angst vor Durchgangsverkehr

„Biebrich wird geopfert.“ - Anwohner

So besteht in der Fraktion etwa die Befürchtung, dass die Einzelhändler unter wegfallenden Parkplätzen leiden könnten. Während Kowol von „rund 2500 potenziellen Kunden täglich“ spricht, die in der Citybahn an den Geschäften vorbeikommen, fürchten viele Biebricher, der Stadtteil könnte zur Durchgangsstation für Nutzer des ÖPNVs werden. Diese Befürchtung äußerte bei der Sitzung auch ein Anwohner aus der Stettiner Straße. „Biebrich wird geopfert. Für das Ostfeld und Pendler aus dem Rheingau“, fasste er seinen Eindruck von der schnellen Verbindung in die Innenstadt zusammen.

Ein Besucher aus Kastel meinte dazu: „Ihr Biebricher seid immer so wenig selbstbewusst. Wir Kasteler kommen gerne zu Euch und nutzen den Stadtteil eben nicht nur für die Durchreise in die Innenstadt.“ Er schätze den Einzelhandel im Ortskern mit seinen vielen inhabergeführten Geschäften.

Umlegung von Buslinien

„Wie genau die Buslinien verlaufen, hängt davon ab, durch welche Straße die Bahn fährt.“- Martin Pächer, Citybahn GmbH

„Stimmt es, dass die Linie 4 und 14 abgeschafft werden?“, wollte eine Biebricherin wissen, die täglich mit dem Bus zu ihrem Arbeitsplatz in der Albert-Schweitzer-Allee fährt. Denn der Bau einer Straßenbahn könnte sich auch auf die bereits vorhandenen Buslinien auswirken. „Wie genau die Buslinien verlaufen, hängt davon ab, durch welche Straße die Bahn fährt“, erklärte Martin Pächer von der Citybahn GmbH. Die Linien 4, 14, 3 und 9 sollen nach wie vor in die Wohnquartiere fahren, nur an einigen Stellen sollen sich die Routen verändern. „Die Linie 9 könnte zum Beispiel vom Bahnhof Wiesbaden Ost aus über die Kasteler Straße nach Schierstein fahren, die Linie 3 könnte verlängert werden und statt am Rheinufer in der Siedlung ‘Am Parkfeld’ enden“, gab Pächer einige konkrete Beispiele.

Eine Empfehlung, welche Strecke in Biebrich am geeignetsten wäre, konnte der Ortsbeirat am Dienstag nicht mehr aussprechen, stattdessen wolle man auf weitere Informationen und Details zu den Streckenideen warten. Gegen die Rathausstraße waren die Proteste aus dem Publikum jedoch am lautesten. Ein Versprechen gab Kowol den Biebrichern aber: „In der Rheingaustraße wird sich nichts ändern“, nahm er schon einmal die Angst vor Schienen oder mehr Verkehr am Rheinufer. „Diese Straße ist in Biebrich etwas ganz besonderes, ein Ort der Naherholung und wenn ich an das Biebricher Schloss denke, ein Stück weit auch stadtprägend.“ (ts)

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