„Für eine Sekunde Film brauche ich mindestens zwölf Bilder“

Statt Schauspieler stehen bei Cornelius Koch Puppen vor der Kamera. Der 27-Jährige arbeitet an einem Stop-Motion-Animationsfilm, den er zum Trickfilmfestival in Biebrich einreichen will.

„Für eine Sekunde Film brauche ich mindestens zwölf Bilder“

Die Vorbereitungen für das Trickfilmfestival in Biebrich laufen auf Hochtouren. Einmal im Jahr reichen Filmemacher aus ganz Deutschland dort ihre bewegten Werke ein. Neben der Anerkennung vom Publikum winkt den besten Filmen auch ein Preisgeld. Zwar flimmern viele Animationen nur einige Minuten über die Leinwand, doch die Vorbereitungen laufen oft schon Jahre im Voraus. So ist es auch bei Cornelius Koch. Der 27-Jährige Filmemacher arbeitet derzeit an seinem Werk „Der Tod des Filmemachers“, das er nach der Fertigstellung beim Festival in der Schlosskulisse einreichen will.

Seit Oktober 2014 verbringt der Student rund 40 Stunden die Woche an seinem Set. Das besteht aus mehreren puppenhausähnlichen Elementen, die mit Lichteffekten und vielen kleinen selbst gebastelten Requisiten ausgestattet ist. Diese stellt der Filmemacher selbst in einer eigenen Werkstatt aus Fundstücken vom Sperrmüll und Bastelmaterialien her. So entstand ein Superschurkenquartier im Miniatur-Format mit Klinkenbuchsen als Überwachungskameras, einer Atombombe aus einem Feuerlöscher und Lampen aus Spraydosendeckeln.

Die Story

Fred wacht eines Tages in der Produktionswerkstatt eines toten Filmemachers auf. Dabei stellt er fest, dass er eine Animationspuppe ist, und in einem unvollendeten Film den Bösewicht „Fredelius“ darstellt. Nun versucht Fred mithilfe des Drehbuchs herauszufinden, wer er eigentlich ist. So kommt es zu einer Film-in-Film-Geschichte, die mal in der „realen Menschenwelt“, und mal in der „Fantasiewelt des Films“ spielt.

Die Technik

„Durch längere Belichtungszeiten kann ich Effekte wie Nebel entstehen lassen.“ - Cornelius Koch

„An Animationsfilmen fasziniert mich, dass toten Gegenständen Leben eingehaucht wird“, sagt Cornelius. „Stop-Motion ist dabei die anachronistischste Weise einen Film zu gestalten, die es gibt.“ Statt mit einer Filmkamera arbeitet Cornelius mit Fotos, die dann in schneller Abfolge hintereinander gezeigt werden. „Für eine Sekunde Film brauche ich mindestens zwölf Bilder. Wenn die Kamera in Bewegung ist, dann brauche ich mehr. Das können bis zu 24 werden“, erklärt er. Durch die Fotografie sei er als Filmemacher flexibler als mit einer Filmkamera. „Durch längere Belichtungszeiten kann ich Effekte wie Nebel entstehen lassen“, nennt er ein Beispiel.

Um seine Geschichte zu erzählen benutzt Cornelius Puppen. Damit diese nicht nur Arme und Beine durch Gelenke bewegen können, sind Münder und Augen austauschbar. „Schauspieler haben mir ihre Stimme geliehen. Ich habe eine Art Hörbuch zu Film. So kann ich die Fotos dem Text entsprechend aufnehmen und darauf achten, dass die Münder der Puppen zur Tonspur passen.“

Der Zeitplan

Fotografiert werden die Szenen in einer Reihenfolge, die vor allem die Kulissen vorgeben. Um Anschlussfehler zu vermeiden, dürfen diese nicht zu oft neu aufgebaut oder umgestellt werden, erklärt Cornelius. Sieben Minuten seien schon im Kasten. Etwa 20 sollen es werden. Wenn der Film als solcher fertig ist, müssen nur noch kleinere Korrekturen vorgenommen werden. „Mein Ziel ist es, alle Effekte bereits in den Originalfotos einzubauen, statt sie später künstlich einzusetzen“, so Cornelius. Auch mit Musik soll der Film dann noch versehen werden. Im Sommer 2017 soll der Tod des Filmemachers dann fertig sein.

Merkurist