Mahnwachen als Protest gegen die AfD

Mit Mahnwachen an den Stolpersteinen im Rheingauviertel, demonstrierte die Initiative „Moment Mal!“ am Donnerstagabend gegen eine AfD Veranstaltung im Hilde-Müller-Haus.

Mahnwachen als Protest gegen die AfD

Am Donnerstagabend hielt die Alternative für Deutschland einen Themenabend im Hilde-Müller-Haus im Rheingauviertel ab. Bereits im Vorfeld hatte der Veranstaltungsort für Kritik gesorgt (Merkurist berichtete) und auch am Abend selbst gab es mehrere Gegenveranstaltungen. Während auf dem Wallufer Platz etwa 150 Menschen mit einer Lichtinstallation und Sprechchören gegen die Veranstaltung demonstrierten, fanden in den umliegenden Straßen Mahnwachen statt.

Mahnwache an vier Stolpersteinen

An vier Stolpersteinen rund um den Wallufer Platz erinnerten Redner an die Schicksale von Wiesbadenern, die während der Zeit des Nationalsozialismus getötet wurden oder aus Angst vor Deportation Selbstmord begingen. Angestoßen wurden die Mahnwachen von der Initiative „Moment Mal! Aktion für eine offene Gesellschaft“ und von der Martin-Niemöller-Stiftung sowie Vorstandsmitgliedern des Aktiven Museums Spiegelgasse Wiesbaden und Sascha Schmidt, dem Vorsitzenden des DGB-Wiesbaden-Rheingau-Taunus.

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„Das Deutschland, für das ich stehe, für das ich gewisse Gefühle hege, tritt für Humanität und Freiheit ein.“ - Pfarrer Markus Nett, Wiesbadener Bergkirche

Pfarrer Markus Nett von der Wiesbadener Bergkirche, der am Stolperstein in der Erbacher Straße an die Jüdin Jenny Birlenbacher erinnerte, sagte: „Das Deutschland, für das ich stehe, für das ich gewisse Gefühle hege, tritt für Humanität und Freiheit ein. Es ist kein Deutschland, das engstirnig ist und vergisst, dass wir alle Menschen sind.“

Kritik an AfD-Äußerungen zur Erinnerungskultur

Die Initiatoren der Mahnwachen gedachten nicht nur der Wiesbadener Opfer des Nationalsozialismus, sondern kritisierten die Aussagen verschiedener AfD-Mitglieder über den Umgang mit der Erinnerung: „ Am 19. Februar diesen Jahres forderte der baden-würrtembergische Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon ein Ende der Stolperstein-Aktionen und bezeichnete sie als 'Erinnerungs-Diktatur“, so Georg Habs, Vorstandsmitglied des Aktiven Museums Spiegelgasse für Deutsch-Jüdische Geschichte.

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„Die AfD macht stets aufs Neue mit unsäglichen Provokationen von sich reden und spielt anschließend die verfolgte Unschuld.“ - Georg Habs

„Unter 'Diktatur' versteht man landläufig eine Form brutaler Herrschaft, eine existenzielle Gefährdung, die man mit allen Mitteln Bekämpfen kann, soll und muss“, erklärte Habs. Durch seine Wortwahl vergleiche Gedeon etwas, das vielen Menschen wichtig sei, mit gewaltsamer Unterdrückung. „Die AfD macht stets aufs Neue mit unsäglichen Provokationen von sich reden und spielt anschließend die verfolgte Unschuld“, so Habs weiter.

„Die Mitglieder treten zumeist recht harmlos auf “ - Georg Habs

Die AfD Wiesbaden versuche dagegen, einen offenen Bezug auf völkisch-nationalistische Rhetorik zu vermeiden und gebe sich als biedere rechts-konservative Partei. „Die Mitglieder treten zumeist recht harmlos auf und kritisieren einzelne Positionen ihrer Mutterpartei im persönlichen Gespräch, auf offizielle Distanzierung wartet man aber vergebens“, erklärt Habs. „Das ist Kalkül, Teil einer Arbeitsteilung, bei der mit unterschiedlichen Instrumenten der Propaganda im Trüben gefischt wird.“

Die neu gegründeten Initiative Moment Mal!, einer Gruppe Wiesbadener, die sich für eine offene Gesellschaft einsetzen will, gab am Abend außerdem bekannt, dass die Mahnwache wohl nicht die letzte Aktion der Gruppe sein werde. „Wir planen weitere, friedliche Aktionen, um uns die Bürgerhäuser und den öffentlichen Diskurs zurückzuholen“, erklärte Claudia Sievers. Weitere Informationen zu Moment Mal gibt es auf der Website der Initiative.

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