Anwohner widersetzen sich neuer Verkehrsführung und kriegen alte zurück

Jahrzehntelang war die Stiftstraße eine Einbahnstraße. Diese Regelung wurde plötzlich geändert. Das führte zu fehlenden Parkplätzen und rasenden Autos. Die Anwohner kämpften gegen die neue Verkehrsführung - mit Erfolg.

Anwohner widersetzen sich neuer Verkehrsführung und kriegen alte zurück

Eigentlich ist die Stiftstraße, verglichen mit Taunus- und Schwalbacher Straße, die sie umgeben, eher unscheinbar und ruhig. In den vergangenen Monaten wurde es jedoch laut in der Wohnstraße. Einerseits, weil dort mehr Autos durchsausten, andererseits, weil die Anwohner sich genau darüber beschwerten. Denn aus der Einbahnstraße wurde eine beidseitig befahrbare Straße. Der Verkehr nahm zu, Parkplätze fielen weg. Die Anwohner protestierten und wollten um keinen Preis aufgeben. Mit Erfolg: Die Stiftstraße wird nun wieder zur Einbahnstraße.

Mehr Verkehr und weniger Parkplätze

Und dafür mussten die Anwohner wirklich kämpfen. Niemand konnte so richtig verstehen, warum die Einbahnstraßenregelung überhaupt aufgehoben wurde. Die Anwohner fühlten sich benachteiligt, Vorteile in der neuen Verkehrsführung sahen sie nicht. Merkurist-Leser Sven sammelte über 500 Unterschriften, um die neue Regelung abzuwenden, doch das half alles nichts.

Auch eine Ortsbegehung, an der die Anwohner, die Ortsvorsteher von Mitte und Nordost sowie Vertreter des Straßenverkehrsamtes und Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) teilnahmen, brachte niemanden wirklich weiter. Am Ende der Ortsbegehung schlug Kowol, der damals hart blieb, jedoch vor, dass die Ortsvorsteher die neue Verkehrssituation einige Wochen lang beobachten. „Sollte sich dabei herausstellen, dass der Begegnungsverkehr tatsächlich zu gefährlichen Situationen führt, werden wir die Verkehrsführung erneut prüfen“, sagte Kowol.

Deutlich höheres Tempo

„Die Stiftstraße hat sich von der Tempo-30-Zone zur Rennstrecke entwickelt.“ - Sven Schlosser, Anwohner

Und genau das ist jetzt passiert. Sehr zur Freude von Anwohner Sven: „Andreas Kowol war in den zuständigen Ortsbeiratssitzungen anwesend, um die Entscheidung der Stadt zu begründen“, erzählt er. Bei diesen Gelegenheiten machten die Anwohner immer wieder auf das Scheitern der neuen Regelung aufmerksam. „Die Stiftstraße hat sich dadurch von der Tempo-30-Zone zur Rennstrecke entwickelt“, sagt Sven. Dass die Straße wegen der weggefallenen Parkplätze breiter wurde als vorher, verleitete viele Autofahrer dazu, deutlich schneller zu fahren.

Weil sie sich nicht anders zu helfen wussten, haben die Anwohner dann ihre Autos einfach wieder im Halteverbot auf der linken Seite geparkt. „Damit wurde praktisch der alte Zustand wieder hergestellt und der Verkehr auf Tempo 30 gedrosselt“, sagt Sven. Daraufhin hätten sich die Ortsbeiräte aufgrund des massiven Drucks der Anwohner in ihren Sitzungen für eine Rücknahme der neuen Regelung ausgesprochen und würden diese nun bei der Stadt beantragen. „Andreas Kowol hat direkt zugesagt, sich diesem Wunsch nicht in den Weg zu stellen“, erzählt Sven.

Werkstattgespräch geplant

„In dem Gespräch soll mit den Anwohnern allgemein die Parksituation im Viertel thematisiert werden.“ - Sprecher Verkehrsdezernat

Doch ein paar offene Fragen bleiben trotzdem: Kommen mit der Einbahnstraße auch die Parkplätze auf der linken Seite zurück? Wenn ja, wie soll dann dafür gesorgt werden, dass Tempo 30 eingehalten wird? Damit sich die Anwohner nicht wieder übergangen werden, hat die Stadt Wiesbadener die Anwohner zu einem Werkstattgespräch eingeladen. „In diesem soll mit den Anwohnern allgemein die Parksituation im Viertel thematisiert werden“, bestätigt ein Sprecher des Verkehrsdezernats.

Sven geht davon aus, dass die Anwohner beim Gespräch am Mittwoch, den 22. Mai um 18:30 Uhr im Rathaus darauf drängen werden, dass eine praktikable Lösung gefunden wird, die einen Wegfall der dringend benötigten Parkplätze verhindert. Autos werden auf der linken Seite der Stiftstraße voraussichtlich jedoch nicht mehr parken: „Auf dieser Seite werden Motorradparkplätze eingerichtet“, sagt der Sprecher des Vekehrsdezernats. (js)

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