Wiesbadener Vereine fordern Reaktion von Partnerstadt Breslau auf LSBTI-feindliche Aktionen

Mehrere Vereine beobachten kritisch die Entwicklung der „LSBTI-freien Zonen“ in Polen. Sie wollen die Zustände in Wiesbadens Partnerstadt Breslau verhindern und fordern eine klare Stellungnahme der Stadt.

Wiesbadener Vereine fordern Reaktion von Partnerstadt Breslau auf LSBTI-feindliche Aktionen

In immer mehr polnischen Städten entstehen derzeit sogenannte LSBTI-freie-Zonen, in denen Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transpersonen unterdrückt werden. Mehrere Wiesbadener Vereine wollen das in Wiesbadens Partnerstadt Breslau jetzt verhindern.

„In den letzten Monaten haben sich 16 Regierungsbezirke sowie 37 Landkreise und 55 Gemeinden ein LSBTI-feindliches Label gegeben und rühmen sich offen damit, eine sogenannte ‘LSBTI-ideologiefreie Zone’ oder ‘Pro Family-Zone’ zu sein“, fasst der Lesben- und Schwulenverband die Lage in Polen zusammen. Der Wiesbadener Verein Warmes Wiesbaden erklärt das genaue Vorgehen in den Städten so: „Durch Schilder und Veröffentlichungen versuchen kommunale Politiker in ‘ihrem’ Gebiet gebe es keine Menschen die lesbisch, schwul, bisexuell oder Trans* seien.“

Unterdrückung und Verfolgung

Das könne schwere Folgen für einige Bewohner haben. „Somit unterdrücken sie die freie Entfaltungsmöglichkeit einer ganzen Bevölkerungsgruppe, die natürlich auch dort vorhanden ist“, heißt es vom Wiesbadener Verein. Dass es in manchen polnischen Städten sogar schon zu strafrechtlichen Verfolgungen von Personen kam, die die Zonen kritisiert haben, ist für Warmes Wiesbaden dabei unverständlich. Der Verein bezeichnet die Situation als „klaren Verstoß gegen grundlegende Rechte und Werte der europäischen Union.“

Um dem entgegen zu steuern, sehen die Mitglieder von Warmes Wiesbaden - und auch von anderen Vereinen - die Städtepartnerschaft zwischen Wiesbaden und Breslau als Chance. Sie fordern deshalb die Stadt auf, sich an die Partnerstadt zu wenden und deutlich zu machen, „dass so etwas wie LSBTI-freie Zonen nicht geben kann und darf.“ Die Partnerschaft mit Breslau sei man schließlich eingegangen, weil sie als weltoffen und vielfältig gilt.

„Wenn Politiker von einem LSBT-freien Raum sprechen, haben einzelne es noch schwerer.“ - Holger Venino, Warmes Wiesbaden

Die erste Vorsitzende Stefanie Schäfer erklärt, dass der Verein stark von den Netzwerken zwischen den Partnerstädten profitiere. „Wir bauen gerade Kontakte zu queeren Organisationen in verschiedenen Partnerstädten auf“, erklärt sie. Um so wichtiger sei es, für die Szene in Breslau einzustehen. Der zweite Vorsitzende Holger Venino denkt dabei an jeden einzelnen Betroffenen. „Wenn Politiker von einem LSBT-freien Raum sprechen, haben einzelne es noch schwerer, sich zu outen und werden noch mehr als Sonderlinge angesehen“, sagt er. (ms)

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