Immer mehr Menschen entwickeln Allergien

Leiden immer mehr Menschen an einer Pollenallergie oder Heuschnupfen? Wir haben bei Dr. med. Andrea Elmer, Fachärztin für Pneumologie in Wiesbaden, nachgefragt.

Immer mehr Menschen entwickeln Allergien

Juckende Augen, Niesattacken und Husten – während der Frühling für die einen die schönste Jahreszeit ist, wird er für Allergiker schnell zur Qual. Besonders an warmen, trockenen Tagen wünscht sich der ein oder andere den Winter zurück. In Zukunft wird es wohl nicht nur denjenigen so gehen, die schon länger an einer Pollenallergie oder Heuschnupfen leiden. Denn Allergien werden häufiger und der Klimawandel wird vor allem Pollenallergien wohl noch verstärken.

Zahl der Allergiker steigt

„In den letzten Jahrzehnten wurde tatsächlich eine Zunahme der Häufigkeit allergischer Erkrankungen in Deutschland festgestellt“, sagt Dr. med. Andrea Elmer, Fachärztin für Pneumologie und ärztliche Leitung im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) an der DKD Helios Klinik in Wiesbaden. „Bei der Entstehung von allergischen Erkrankungen spielen die genetische Veranlagung, aber auch Umweltfaktoren und Lebensstil eine Rolle.“ Heuschnupfen oder allergisches Asthma werden laut dem Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrums München und des Bundesgesundheitsministeriums zum Beispiel häufig vererbt. Rauchen erhöht außerdem die Wahrscheinlichkeit an Asthma zu erkranken.

Klimawandel hat Einfluss auf Allergien

Auch der Klimawandel trägt zur Verbreitung bei: „Tatsächlich hat der Klimawandel einen Einfluss auf die Entstehung und Ausprägung von allergischen Erkrankungen“, sagt Dr. Andrea Elmer hinzu. „Ein verstärkter Pollenflug entsteht zum Beispiel durch eine verlängerte Blütezeit, wie wir sie bereits jetzt durch den Klimawandel in Deutschland erleben.“ Die verlängerte Blütezeit komme unter anderem durch den Temperaturanstieg und die erhöhte CO2- Konzentration zustande. Außerdem erhöhe das Zusammenspiel aus Pollen und Luftschadstoffen wie Ozon und Feinstaub „die Aggressivität der Pollen“. Wie die Süddeutsche in einem Artikel schreibt, seien beispielsweise in Pollen von Birken, die an stark befahrenen Straßen stehen, höhere Konzentrationen des Allergens Bet v 1 enthalten als im Blütenstaub von Landbäumen. „Die Belastung für Allergiker*innen und insbesondere für Menschen Pollen-allergischem Asthma bronchiale steigen“, sagt Elmer.

„Ein weiterer Anstieg sowie ein zunehmender Schweregrad der Erkrankungen ist zu erwarten.“ - Allergieinformationsdienst

Das bestätigt auch der Allergieinformationsdienst. „Ein weiterer Anstieg sowie ein zunehmender Schweregrad der Erkrankungen ist zu erwarten“, heißt es dort. Hinzu kommt, dass sich in Deutschland bisher nicht heimische Pflanzen ausbreiten, weil sie sich durch die warmen Temperaturen wohlfühlen – und diese können gesundheitsgefährdend sein. Dazu gehört zum Beispiel die Beifuß-Ambrosie, die schwere Allergien, Bindehautentzündungen und sogar Asthma auslösen kann (wir berichteten).

Was tun bei Allergien?

Ganz hilflos ausgeliefert sind die meisten Menschen ihrer Allergie nicht. „Eine allergische Erkrankung, auch eine leichte Form des Heuschnupfens, sollte stets ausreichend medikamentös behandelt werden“, empfiehlt Dr. Andrea Elmer. Dafür gebe es Medikamente wie Augentropfen, Nasensprays und Allergietabletten. Bei allergischem Asthma sollte während der Pollenzeit außerdem regelmäßig ein Asthmaspray eingesetzt werden. Vielen Menschen vor allem mit Pollenallergie kann auch eine Hyposensibilisierung helfen. Bei dieser Behandlung wird das Immunsystem an den Allergieauslöser gewöhnt. „Die Allergien-Immuntherapie in Form von Tabletten oder Spritzen ist bei allergischem Heuschnupfen auch die beste Möglichkeit, die Entstehung eines allergischen Asthmas zu verhindern“, so Elmer.

Ansonsten gelten die üblichen Empfehlungen für Pollenallergiker. Sprich: In der Pollensaison sollte man die Fenster nachts schließen, Pollenfilter anbringen, abends die Haare waschen und getragene Klamotten außerhalb des Schlafzimmers lagern. Und wenn möglich: „Pandemie-bedingt sind wir schon daran gewöhnt: Auch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes kann dem Pollenallergiker helfen“, so Elmer.

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