Geisterstadt? Nicht alle Wiesbadener bleiben wegen Corona zu Hause

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sind die Menschen angehaltenen, zu Hause zu bleiben. Viele folgen dem Rat der Experten, doch für manche scheint das Leben normal weiter zu gehen.

Geisterstadt? Nicht alle Wiesbadener bleiben wegen Corona zu Hause

Seit Anfang der Woche scheint der Frühling in Wiesbaden endlich angekommen zu sein. Die Sonne scheint und das Thermometer klettert nah an die 20 Grad Marke. Eigentlich ein ideales Wetter um etwas draußen zu unternehmen. Doch die anhaltende Coronakrise bringt das öffentliche Leben aktuell fast zum Stillstand. Bis auf wichtige Einrichtungen wie Lebensmittelgeschäfte oder Apotheken müssen ab Mittwoch alle Geschäfte deutschlandweit schließen, Veranstaltungen sind seit Freitag weitestgehend untersagt. Doch wie gehen die Wiesbadener mit der Situation um? Wir haben uns die Lage in der Stadt am Mittwoch angeschaut.

Leere Straßen, volle Cafés

„#Stayathome“, bleibt zu Hause — diese Aufforderung wird momentan zum Thema Corona millionenfach geteilt. Wer nicht aus dem Haus muss, soll zur Eindämmung des Virus’ in den eigenen vier Wänden bleiben. Und daran scheinen sich die meisten Wiesbadener zu halten. In der Fußgängerzone laufen sich nur wenige Passanten über den Weg. Falls doch, halten die meisten beim Passieren einen großen Abstand zueinander. Auch an den Bushaltestellen oder auf Sitzbänken scheinen viele den empfohlenen Abstand von zwei Metern einhalten zu wollen.

In der Wellritzstraße, sonst das pulsierende Herzstück des Westends, verirren sich am Mittwochmittag kaum Menschen auf die Gehwege. Bis auf die Restaurants und Lebensmittelgeschäfte halten sich auch hier alle an die Vorschrift, die Geschäfte zu schließen. Nur vereinzelt trifft man auf Männergruppen, die, zum Teil sehr dicht, vor den Kiosken und Cafés sitzen und sich austauschen. Und auch in der Innenstadt scheinen viele das Frühlingswetter bei einer Tasse Kaffee genießen zu wollen und sitzen teilweise dicht gedrängt vor den Cafés. Auch auf dem Wochenmarkt sieht man am Mittwoch deutlich weniger Besucher. Während an den Gemüseständen zur Mittagszeit noch ausreichend Ware vorhanden ist, kann der Nudelverkäufer „Pasta und Süß“ schon früher Feierabend machen.

Bizarre Szenen

Diese Mischung aus Vorsicht auf der einen und Normalität auf der anderen Seite führt zum Teil zu fast bizarren Szenen, wie etwa in einer Bäckerei in der Innenstadt: Während die Verkäuferin mit Handschuhen vorsichtig ihre Ware sortiert, genießt ein Rentnerpaar direkt neben der Theke ihr Frühstück, beide niesen und husten dabei immer wieder in ihre Hände.

In einem Drogeriemarkt in Biebrich packt eine Kundin mehrere Seifen und Hygieneartikel in ihren Einkaufswagen. Sie scheint derzeit besonderen Wert auf Sauberkeit am Körper und in der Wohnung zu legen. Trotzdem trägt sie bei den Kosmetikartikeln mehrere Lippenstifte, die mit „Tester“ gekennzeichnet sind, direkt auf ihre Lippen auf, um zu sehen, welche Farbe ihr am besten steht.

Nur wenige Meter weiter ist ein Spielplatz eigentlich geschlossen. Wo normalerweise um die Mittagszeit viele Schulkinder spielen, sitzt ein Junge alleine auf der Schaukel und behält den Eingangsbereich ganz genau im Blick — scheinbar aus Angst, bei seinem heimlichen Gang erwischt zu werden.

Hintergrund

Viele europäische Länder wie Frankreich oder Belgien haben wegen der Coronakrise seit dieser Woche mehrwöchige Ausgangssperren verhängt. Laut Kanzleramtsminister Helge Braun sei dies für Deutschland jedoch noch kein Thema. Die Regierung setze weiter auf die Mitarbeit und Vernunft der Bürger. Diese scheint, zumindest am Mittwoch, noch nicht bei allen angekommen zu sein. (js)

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