Wie diese Wiesbadener gegen den Nationalsozialismus kämpften

Das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 ging in die Geschichte ein. Zwei Wiesbadener nahmen dabei wichtige Rollen ein. Ein Vortrag und eine Buchvorstellung beschäftigen sich anlässlich des 75. Jubiläums mit Wiesbadener NS-Gegnern.

Wie diese Wiesbadener gegen den Nationalsozialismus kämpften

Es war der bedeutendste Umsturzversuch in der Zeit des Nationalsozialismus: Am 20. Juli 1944 ging eine Explosion im Führerhauptquartier Wolfsschanze hoch, die Adolf Hitler töten und einen Machtwechsel anzetteln sollte. Das Attentat ging zwar schief, besonders Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der die Sprengladung im Quartier hinterließ, ging damit aber in die Geschichte ein.

Dass hinter dem Umsturzversuch ein riesiges Netzwerk steht, das auch maßgeblich von Wiesbadener Regime-Gegnern beeinflusst wurde, ist aber weniger bekannt. Die beiden Wiesbadener nahmen dabei sogar hohe Positionen ein.

Ludwig Beck

Nachdem Stauffenberg das Sprengstoffattentat auf Hitler verübt hatte, übernahm er kurze Zeit später mit dem gebürtigen Biebricher Generaloberst Ludwig Beck das Kommando der Umsturzaktion. In verschiedenen Putschplänen war Beck sogar als neues Staatsoberhaupt vorgesehen. Nach dem missglückten Attentat schaffte die Widerstandsgruppe den Staatsstreich allerdings nicht mehr. Ludwig Beck wurde in Berlin von Einheiten der Wehrmacht festgenommen. Er wurde gezwungen, sich selbst umzubringen, wurde aber schließlich von einem Feldwebel der Wehrmacht erschossen. In Biebrich steht noch die Villa Beck, in der Ludwig Beck, seine Eltern und seine zwei Brüder ab 1898 wohnten. Eine Gedenktafel an der Villa erinnert an den Widerstandskämpfer.

Hermann Kaiser

Auch Hauptmann Hermann Kaiser, der als Studienrat in der Wiesbadener Oranienschule gearbeitet hatte, war führend an den Vorbereitungen des Attentats beteiligt. Er wurde als Hauptmann der Reserve 1939 nach Berlin eingezogen und führte dort das Kriegstagebuch. Zu dieser Zeit schloss er sich dem Widerstand an und nutzte seine unauffällige Stellung, um Kontakte zwischen den Widerstandskämpfern zu knüpfen und den Umsturz zu planen. Das Attentat vom 20. Juli 1944 erlebte er in Kassel. Dort wurde er nur einen Tag später verhaftet und nach Wiesbaden gebracht. Am 23. Januar 1945 wurde er dann mit anderen wichtigen Akteuren im Gefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet. In Wiesbaden erinnern heute zwei Gedenktafeln vor und in der Oranienschule sowie eine Plakette am Sockel des Oranierndenkmals auf dem Luisenplatz an den Widerstandskämpfer.

Vortrag und Buchvorstellung

Doch neben Ludwig Beck und Hermann Kaiser gab es noch mehr Menschen aus Wiesbaden, die sich aktiv gegen das NS-Regime eingesetzt haben. Ein Vortrag im Rathaus und eine Buchvorstellung im Stadtarchiv beschäftigen sich anlässlich des 75. Jahrestages des Umsturzversuchs mit den Hintergründen des Widerstandes und den Wiesbadener NS-Gegnern rund um Beck und Kaiser.

Am Dienstag, den 16. Juli, um 19 Uhr, referieren Dr. Rolf Faber, Jurist und Vorsitzender des Nassauischen Altertumsvereins und Dr. Axel Ulrich, Politologe und ehemaliger Mitarbeiter des Stadtarchivs, im Rathaus, über die Wiesbadener NS-Gegner und den Umsturzversuch. Am Donnerstag, den 18. Juli, um 19 Uhr, stellt Dr. Ludger Fittkau, Landeskorrespondent für Hessen beim Deutschlandfunk, das Buch „Die Konspirateure“ im Stadtarchiv vor. Im Gespräch mit Dr. Axel Ulrich beleuchtet Fittkau die Hintergründe des Widerstandes und seine Netzwerke. (ts)

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