Vogelkot in der Adolfsallee: Wird es wieder Böllerschüsse geben?

Ihr Kot verschmutzt Bänke und Spielplätze, zerstört den Lack von Autos: Von vielen sind die Stare in der Innenstadt vor allem wegen ihrer Hinterlassenschaften nicht gern gesehen. Wird die Stadt sie nun vertreiben?

Vogelkot in der Adolfsallee: Wird es wieder Böllerschüsse geben?

Vor allem für Autofahrer sind die Stare in der Adolfsallee ein großes Ärgernis: Zum Schlafen lassen sie sich zu hunderten in den Kastanienbäumen nieder. Unter ihnen hinterlassen sie dicke weiße Flecken aus Vogelkot. Aus Sicht der Stadt ist der Bereich des Spielplatzes besonders problematisch, denn hier geht es nicht nur um optische Verschmutzung, sondern um eine gesundheitliche Gefährdung der Kinder.

„Ein Starenschwarm von etwa 3000 Individuen hat sich vor mindestens fünf Jahren ausgerechnet den großen Kinderspielplatz in der Adolfsallee als Schlafplatz ausgesucht“, so Oliver Weirich, Vogelschutzbeauftragter und Mitglied des Naturschutzbeirates der Stadt Wiesbaden. „In den letzten Jahren kamen die Vögel schon im Juni und blieben bis weit in den Winter.“

Spielplatz war unbespielbar

Das Grünflächenamt musste daher mehrmals wöchentlich den Spielplatz reinigen lassen, was Zusatzkosten in Höhe von 5500 Euro pro Monat verursachte. „Der Kinderspielplatz war trotz des großen Reinigungsaufwands des Grünflächenamtes häufig unbespielbar, da der Kot der Stare nach einer einzigen Nacht bereits reichte, um alle Spielgeräte und Bänke erheblich zu verschmutzen“, so Weirich.

„Der Kot der Stare nach einer einzigen Nacht reichte bereits, um alle Spielgeräte und Bänke erheblich zu verschmutzen“ – Oliver Weirich

Das Problem sei, dass der Kinderspielplatz in der Adolfsallee fast ein Alleinstellungsmerkmal in der Innenstadt habe, eine Wahl hätten die Kinder also nicht, sagt Marco Lange, der Sachgebietsleiter Grünunterhaltung beim Wiesbadener Grünflächenamt ist. „Durch den Vogelkot ist die Nutzung stark eingeschränkt.“

Die Stare bleiben auch über den Winter in Wiesbaden, statt gen Süden zu ziehen. „Das Stadtklima ist angenehm, und durch die mehrgeschossigen Gebäude in der Adolfsallee hält sich die Wärme noch besser.“ Während der Brutzeit verteilen sie sich über das Stadtgebiet, doch danach ziehen und vor allem schlafen sie gemeinsam in großen Kolonien.

Erste Vergrämungen waren wenig erfolgreich

Nach Absprache mit dem Vogelschutzbeauftragten begann die Stadt daher im vergangenen Jahr mit Maßnahmen, die die Vögel von den zwölf Spielplatz-Bäumen vertreiben sollen, um ihn nicht schließen zu müssen. Es gab so genannte „Scary-Eye-Balloons“ mit aufgedruckten Raubvogelaugen sowie einen Vogelstimmenrekorder, der Warnschreie von Staren, Amseln und Fressfeinden abspielte. „Wir wollten erreichen, dass sich die Vögel aus dem sensiblen Bereich des Spielplatzes verlagern. Wenn sie sich stattdessen in die Grünanlagen zurückziehen, ist das weniger ein Problem“, so Lange.

Doch die Vergrämungen waren wenig erfolgreich. Nach einer Weile kehrten sie wieder zurück zu ihren „alten“ Schlafplätzen. Also probierte die Stadt etwas Neues aus. Im Oktober vergangenen Jahres kamen punktuell Knallkörper zum Einsatz. Drei Tage hintereinander waren geplant, sowohl vom Boden als auch in 20 Metern Höhe. Mit involviert waren die Untere Naturschutzbehörde, Polizei und Ordnungsamt und ein professioneller Feuerwerker. Die Anweisung für jeden einzelnen vom Feuerwerker gezündeten Böller habe der Vogelschutzbeauftragte Weirich gegeben. Am ersten Tag „schoss“ er etwa 30 Knaller ab, am zweiten zehn. Das half. Den Staren wurde der Lärm zu kritisch, und sie zogen um, weg vom Spielplatz.

Spielplatz wieder nutzbar

Und dieses Jahr? „Die Verkotung hat nachgelassen, die Tiere haben sich andere Schlafplätze gesucht, etwa in der Luxemburgerstraße“, so Lange. Der Spielplatz sei ohne große Einschränkungen nutzbar. Daher sei es auch nicht notwendig, Knallkörper abzuschießen. Und die Anwohner und ihre Autos? Für die Menschen in der Adolfsallee sei vor allem die Geruchsbelästigung durch die Stare sehr störend, so Weirich. „Der Geruch ist wirklich unangenehm. Doch zu diesem Problem gab es leider keine hilfreichen Ratschläge.“ Um den Lack des Autos zu schützen, würden Planen helfen.

„Man muss sein Auto ja nicht dahin stellen, wo die Vögel sind“, so Lange vom Grünflächenamt. „Auch wenn die Parkplatzsituation angespannt ist, hat man eine Wahl. Kinder haben diese Wahl nicht.“ Aus naturschutzfachlicher Sicht gebe es keine Notwendigkeit, Maßnahmen gegen die einheimischen Stare durchzuführen, so Weirich. Die Vergrämung im vergangenen Jahr sei eine Ausnahmesituation gewesen, weil die Stare auf dem schlechtesten Platz saßen. „Der Starenschwarm wird immer in der Stadt bleiben wollen, weil es in der Stadt wärmer und windgeschützter ist. Wir können sie nicht aus der Stadt vertreiben.“

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