Kirchgasse: eine der beliebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands

Für eine bundesweite Studie hat eine Immobilienfirma in 170 Einkaufsstädten deutschlandweit Passanten in Fußgängerzonen gezählt. In der Kirchgasse in Wiesbaden war am Tag der Untersuchung der meiste Betrieb.

Kirchgasse: eine der beliebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands

„Die Kirchgasse in Wiesbaden ist die beliebteste Einkaufsstraße Deutschlands“, so oder so ähnlich titelten viele Zeitungen in dieser Woche. Die Meldung basiert auf einer Studie, die seit 1999 jährlich von einem Immobilienunternehmen aus Frankfurt, Jones Lang Lasalle (JLL), durchgeführt wird. Die „Beliebtheit“ von Einkaufsstraßen in ganz Deutschland wird dabei an der Besucherzahl gemessen. In diesem Jahr zählte die Firma am Samstag, dem 16. April, zwischen 13 und 16 Uhr Passanten in 170 Fußgängerzonen deutschlandweit.

8700 Passanten in drei Stunden

Diese Zählungen führt die Firma jährlich im Frühjahr durch. Die Ergebnisse dienen dann vor allem dazu, potenziellen neuen Mietern eine „gute Lage“ schmackhaft zu machen. In Wiesbaden wurden an jenem Samstagmittag 8730 Passanten gezählt. Damit gilt sie als meistbesuchte Einkaufsstraße - aber nur an diesem Tag, in den beobachteten Städten mit 250.000 bis 500.000 Einwohnern.

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Bei der Zählung im vergangenen Jahr, am 21. März 2015, schaffte es Wiesbaden zwar nur auf den vierten Platz im Städtevergleich, jedoch wurden damals 13.110 Passanten in nur einer Stunde gezählt. Wirtschaftsdezernent Detlev Bendel (CDU) äußerte sich nach der Veröffentlichung des Rankings 2015 in einer Pressemitteilung zufrieden über das Ergebnis und sagte: „Die wachsende Einwohnerzahl, eine weit überdurchschnittliche Pro-Kopf-Kaufkraft und die optimale überregionale Verkehrsanbindung liefern, neben dem individuellen Charme der Straßen und Geschäfte, die Grundlage für Umsatzzuwächse im Einzelhandel.“

Über die Einkäufe, die tatsächlich während der dreistündigen Zählung in den 95 Läden der Kirchgasse getätigt wurden, liegen bei der Studie von JLL allerdings keine Zahlen vor. Durch ihre zentrale Lage ist die Kirchgasse zwar immer gut besucht, wird jedoch nicht von Jedem zum gezielten Einkauf genutzt. Seit der Fußgängerzonengestaltung in den 1970er Jahren bildet die Kirchgasse, zusammen mit ihrer nördlichen Erweiterung der Langgasse, eine wichtige Verbindungsstelle zwischen Luisen- und Kranzplatz. Anders als andere Fußgängerzonen in Deutschland - wie zum Beispiel die Bahnhofsstraße in Saarbrücken, die den ersten Platz unter den Städten mit bis zu 250.000 Einwohnern belegt - wird die Kirchgasse deshalb nicht immer gezielt zum Einkaufen besucht, sondern mitunter nur durchquert.

Einkaufen außerhalb

Stattdessen sind in den vergangenen Jahren im Raum Wiesbaden viele Gewerbegebiete und Einkaufsmöglichkeiten außerhalb der Innenstadt entstanden. Die Gewerbefläche in der Biebricher Äppelallee und Hagenauer Straße zum Beispiel überschreitet seit der Eröffnung des Möbelhauses Mann Mobilia (einschließlich Mömax) mit rund 1,63 Quadratkilometern die Fläche des gesamten Stadtteils Mitte mit rund 1,53 Quadratkilometern.

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Laut Statistik des städtischen Einzelhandelkonzepts besuchen aber 9,6 Prozent der Wiesbadener täglich die Innenstadt zum Einkaufen, mindestens einmal in der Woche kommen weitere 36,7 Prozent der Einwohner aus allen Stadtteilen. Der Gesamtumsatz aus allen Sortimenten ist in der Innenstadt weiterhin am höchsten. Dort wird fast ein Drittel des Umsatzes von Wiesbaden gemacht. Platz zwei in diesem Ranking belegt Biebrich mit knapp einem Viertel des Umsatzes.

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Die Mietpreise für die Ladenlokale in der Kirchgasse liegen laut der Fachzeitschrift Wirtschschaftswoche mit rund 140 Euro pro Quadratmeter weit über dem Durchschnitt Deutschlands. Marie-Luise Schacht von der Wirtschaftsförderung Wiesbaden sagt: „Für eine positive Stadtentwicklung ist ein attraktiver und vielfältiger Innenstadthandel notwendig. Das Herz einer jeden Einkaufsstadt ist ihre Fußgängerzone.“

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