Was hinter der Corona-Kontrolle im „Wohnzimmer“ steckt

Samstagabend ist für viele Partyzeit. Doch aufgrund der Corona-Pandemie ist dies derzeit nicht so einfach möglich. Im „Wohnzimmer“ gibt es ein besonderes Konzept - und trotzdem musste die Stadtpolizei eingreifen.

Was hinter der Corona-Kontrolle im „Wohnzimmer“ steckt

Am vergangenen Wochenende war im „Wohnzimmer“ auf der Schwalbacher Straße einiges los. Zu viel? Einige Merkurist-Leser beschreiben ein überfülltes Lokal und keine Konsequenzen. Die benachbarte Stadtpolizei habe lediglich mündlich verwarnt. Aber stimmt das?

Patrick vom „Wohnzimmer“ freut es, dass die Gäste trotz anspruchsvoller Hygieneauflagen wieder den Weg in das „Wohnzimmer“ finden. Erst seit Anfang Juli hat das Lokal wieder geöffnet. „Seitdem dürfen – kombiniert im Innen- und Außenbereich – nur noch 150 Gäste gleichzeitig bei uns sein“, sagt er. Hinzu kommen mehrere Stationen an denen sich die Gäste ihre Hände desinfizieren können, aufgeklebte Abstandshalter für die Wartenden vor dem Einlass und das Personal trägt Masken.

Kontrolle im „Wohnzimmer“

Dass die Wiesbadener Stadtpolizei ihn – aus nachbarschaftlicher Güte – aber mit Kontrollen verschont, „stimmt nicht“, sagt Patrick. Im Gegenteil: Am vergangenen Samstag wurde das „Wohnzimmer“ kontrolliert und muss nun ein Bußgeld befürchten. Das bestätigt auch eine Mitarbeiterin der Stadt: „Ja, die Kontrolle hat stattgefunden.“

Was war passiert? Zunächst habe ein Mitarbeiter der Stadtpolizei das Team auf den mangelnden Sicherheitsabstand der Wartenden vor dem Laden aufmerksam gemacht. „Wir weisen die Wartenden immer wieder darauf hin. Aber es ist natürlich schwierig, zumal manche auch schon etwas getrunken haben, das durchzusetzen“, sagt Patrick. Man könne die Wartenden ja nicht physisch trennen und nach verbalen Aufforderungen dauere es oft nicht lange, bis sich die Abstände wieder verringern. Die auf dem Boden angebrachten Abstandsmarkierungen werden dann nicht immer beachtet. „Und Hausrecht haben wir nur im Laden selbst, daher können wir die Besucher draußen nicht zwingen, zu gehen.“

„Sowohl vor dem Lokal aus auch im Lokal wurden die Abstandsregelungen nicht eingehalten.“ - Sprecherin der Stadt Wiesbaden

Als die Stadtpolizei dann ein zweites Mal die Abstände vor dem „Wohnzimmer“ bemängelte, entschlossen sich die Einsatzkräfte, auch in dem Lokal selbst nach der Umsetzung der Hygienemaßnahmen zu schauen – und hatten dort etwas zu beanstanden. „Sowohl vor dem Lokal aus auch im Lokal wurden die Abstandsregelungen nicht eingehalten“, so die Sprecherin der Stadt.

„Samstagnacht hat plötzlich starker Regen eingesetzt“, beschreibt Patrick. Die 45 Personen, die sich zu diesem Zeitpunkt legal auf der Terrasse des Wohnzimmers aufhielten, seien daraufhin ins Innere geflüchtet. „Es ist aber so, dass Theken- und Stehplätze bei uns verboten sind“, sagt der Gastronom. Die Gäste müssen auf einem der Sitzmöbel unterkommen, Ausnahmen gibt es keine.

Dass die Terrassengäste trotzdem im Innenraum waren, sei falsch gewesen, räumt Patrick ein. Der plötzliche Regen habe es unmöglich gemacht, eine geordnete Lösung zu finden. „Wir können dann ja auch nicht alle Gäste zeitgleich abkassieren.“

Lektion gelernt

„Es war nicht okay von uns.“ - Patrick, ‘Wohnzimmer’

„Wir haben das auch den Mitarbeitern der Stadtpolizei erklärt, die uns zwar verstehen können, aber es war trotzdem nicht okay“, sagt der Gastronom. Ärger habe es an dem Abend keinen gegeben. Im Gegenteil: Man habe im Anschluss sogar noch einmal das Gespräch mit den Beamten gesucht und über mögliche Änderungen gesprochen. Künftig will das „Wohnzimmer“-Team noch strenger auf die Einhaltung aller Auflagen achten. Ein Bußgeld wird wohl trotzdem fällig, „was wir natürlich zähneknirschend akzeptieren“, sagt Patrick.

„Für unsere generellen Maßnahmen hat auch die Stadtpolizei uns gelobt.“ - Patrick

Wie hoch dieses ausfallen wird steht noch nicht fest: „Derzeit laufen die Prüfungen. Somit steht die Höhe noch nicht fest“, heißt es dazu von der Stadtpolizei. Grundsätzlich findet auch er die Maßnahmen sinnvoll. „Wir sind in Deutschland bislang noch glimpflich davongekommen. Das liegt ja nicht zuletzt auch an den vielen Maßnahmen.“ Und auch wenn er die Wahrscheinlichkeit, sich im „Wohnzimmer“ anzustecken relativ gering sieht, wird das Team weiterhin alles für die Gesundheit seiner Gäste tun. „Und für unsere generellen Maßnahmen hat auch die Stadtpolizei uns gelobt.“ (ms)

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