Serie: Ehemalige Dörfer und Städte in Wiesbaden - Teil 2

Delkenheim, Erbenheim, Dotzheim - viele Wiesbadener Stadtteile waren früher einmal eigenständige Dörfer oder Städte. Wir haben uns wieder auf die Suche gemacht und die Geschichte von einigen weiteren unter die Lupe genommen.

Serie: Ehemalige Dörfer und Städte in Wiesbaden - Teil 2

Im Stadtgebiet der Landeshauptstadt gibt es etliche ehemalige Städte und Dörfer. Im ersten Teil dieser Serie haben wir bereits einige davon vorgestellt. Im zweiten Teil gehen wir wieder auf Spurensuche — und schauen uns die genauer an, die Ihr Euch gewünscht habt.

Merkurist-Leser Thomas beispielsweise hat gefragt, ob es auch etwas über Delkenheim zu berichten gibt. Andere Leser hatten sich auch nach Erbenheim, Mechthildshausen und Dotzheim erkundigt. Diese vier stehen in diesem Teil der Serie im Fokus.

Dotzheim

Die Siedlungsgeschichte von Dotzheim reicht weit zurück, bis in die Zeit der Kelten um etwa 400 vor Christus. Auch die Römer waren in Dotzheim bereits aktiv, aber erst im 7. Jahrhundert nahm die Besiedlung unter der Franken richtig Fahrt auf. Lokalhistoriker Klaus Kopp führt den Namen Dotzheim auf einen königlichen Gefolgsmann namens „Tuozo“ zurück. Aus „Tuozesheim“ habe sich nach und nach der Name Dotzheim entwickelt. Erstmalig urkundlich erwähnt wird „Duzzeheim“ in einer Urkunde von 1128.

Vor allem die Mainzer Geistlichkeit hatte im Mittelalter großen Einfluss in Dotzheim. Bis ins 13. Jahrhundert unterlag es der Gerichtsbarkeit der Grafen von Eppstein, gegen Mitte des 14. Jahrhunderts fiel der Ort dann an die Grafschaft Nassau. Ab 1430 war Dotzheim zwar mit Zäunen und Falltoren gesichert. Trotzdem blieb es rechtlich ein Dorf, Stadtrechte gab es nie.

Im 17. Jahrhundert, zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, wurde Dotzheim praktisch ausgelöscht, wie viele andere Dörfer und Städte im Umland auch. Erst Jahrzehnte später erholte sich das Dorf von den Kriegsfolgen. Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich Dotzheim zunehmend zu einem Wohngebiet der nahen Kurstadt Wiesbaden. 1889 wurde es an die Eisenbahn angeschlossen, kurz nach der Jahrhundertwende folgte der Anschluss an das Wiesbadener Straßenbahnnetz. Außerdem bekamen die Dotzheimer Zugang zu Gas und Strom. Im Zuge der Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges wurde Dotzheim 1928 nach Wiesbaden eingemeindet.

Delkenheim

Es wird vermutet, dass die Gründung Delkenheims, wie die von Dotzheim, in die Zeit der fränkischen Besiedlung fällt. Der erste schriftliche Nachweis des Ortes „Delchilnheim“ ist aber deutlich jünger — er stammt aus einer Lehensurkunde von 1204. Im Jahr 1320 verlieh König Ludwig der Bayer Delkenheim Stadtrechte, eine Stadtbefestigung ist ab dem Ende des 15. Jahrhunderts nachweisbar. Delkenheim hatte außerdem eine Burg, von der man allerdings nicht genau weiß, wo sie sich befand oder wann sie erbaut wurde. Fest steht, dass sie 1372 zerstört wurde. Heute ist von der Burg nichts mehr zu sehen — man geht davon aus, dass die Ruine abgerissen und die Steine als Baumaterial genutzt wurden.

1417 wurde die Stadt in der Fehde zwischen den Eppsteinern und den Grafen von Nassau niedergebrannt, danach aber wieder aufgebaut. Die Stadt wuchs, im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges brach die Bevölkerung allerdings stark ein. Erst gegen Anfang des 18. Jahrhunderts ging es mit der Bewohnerzahl wieder bergauf. 1967 zählte der Ort 3350 Einwohner. Am 1. Januar 1977 wurde Delkenheim im Zuge einer Gebietsreform in die Stadt Wiesbaden eingemeindet.

Erbenheim

Die Siedlung im Wäschbachtal findet erstmals 927 als „Ersinesheim“ Erwähnung, allerdings geht die Besiedlung der Gegend schon bis in die Römerzeit zurück. 1423 verlieh König Sigismuns Erbenheim das Stadtrecht. Damit einher ging auch das Recht, eine Stadtbefestigung anzulegen und am Samstag einen Wochenmarkt abzuhalten.

Aus dem Spätmittelalter ist noch heute die „Erbenheimer Warte“ erhalten. Dieser Aussichts- und Verteidigungsturm wurde 1497 erbaut und war Teil der „Kasteler Landwehr“ — einem Verteidigungsgürtel aus Hecken, Gräben und Türmen, der im 15. Jahrhundert zur Abwehr von Raubrittern aus dem Taunus entstand. Von den ursprünglichen vier Türmen sind nur zwei erhalten: Die Erbenheimer Warte im Original und die Flörsheimer Warte als Rekonstruktion unweit des eigentlichen Standorts.

1906 wurde Erbenheim an die Straßenbahn angeschlossen. Die Eingemeindung nach Wiesbaden erfolgte 1928. Erbenheim besaß ab 1910 eine beliebte Pferderennbahn, die 1929 in einen Flugplatz umfunktioniert wurde. Dieser wurde schon im Ersten und später auch im Zweiten Weltkrieg benutzt und liegt heute auf dem Gelände des US-Militärflughafens. Er entstand 1945, direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Von hier starteten geschichtsträchtige Missionen wie die Berliner Luftbrücke 1948/49 oder der erste Überflug eines U2-Spionageflugzeugs über sowjetischen Luftraum 1956. Am 14. Juni 2o12 wurde der Flugplatz in „Lucius D. Clay-Kaserne“ umbenannt und dort das neue Europa-Hauptquartier der US-Army eingeweiht.

Domäne Mechthildshausen

Die Domäne Mechthildshausen liegt heute direkt außerhalb der Umzäunung des US-Flugplatzes Erbenheim und ist als Bio-Landwirtschaftsbetrieb bekannt. Sie gilt als eines der größten Landgüter Hessens. Ursprünglich geht der Ort auf eine Gerichtsstätte zurück, die dort bereits seit der Merowingerzeit existierte. Mechthildshausen diente als Landgut zur Versorgung des Königs- beziehungsweise Kaiserhofs und war außerdem Standort des Landgerichts — dort wurden also Urteile bis hin zu Todesurteilen gefällt und vollstreckt.

Erstmals schriftlich erwähnt wird „Mechthildehusen“ in einer Urkunde, die auf die Zeit zwischen 1194 und 1197 datiert ist. Ende des 12. Jahrhunderts war es eines der Machtzentren des Hauses Eppstein. Nachdem es zwischenzeitlich dem Kloster Johannisberg gehörte, wurde die Domäne schließlich 1492 von den Eppsteinern an die Landgrafschaft Hessen verkauft. 1982 übernahm das Land Hessen die Domäne und stellte die Produktion um. 1992 erfolgte die Anerkennung als Bio-Betrieb, der Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Obst und Tierfutter anbaut und außerdem Rinder, Schweine, Pferde und verschiedene Geflügelsorten hält.

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