Was sich in der Wiesbadener Innenstadt ändern muss

Was muss sich in der Innenstadt ändern, damit sie wieder attraktiver wird? Diese Frage stellte ein Forscherteam Passanten und Händlern. Das Ergebnis: Wiesbaden steht vor großen Herausforderungen.

Was sich in der Wiesbadener Innenstadt ändern muss

Nicht erst während der Pandemie war die Entwicklung der Wiesbadener Innenstadt ein Dauerthema. Immer mehr Traditionsgeschäfte und inhabergeführte Läden verschwanden aus der Fußgängerzone und machten Platz für Ketten und Läden, die sich kaum voneinander unterscheiden. Studenten der Uni Mainz haben im Rahmen eines Forschungsprojekts „Wiesbadener Innenstadt im Wandel“ im vergangenen Jahr mit dutzenden Passanten, Gastronomen und Einzelhändlern gesprochen, um herauszufinden, was ihnen in der Innenstadt fehlt. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) stellte am heutigen Dienstag die Ergebnisse vor.

Kaum spannende Konzepte, zu hohe Mieten

Viele Besucher der Innenstadt sind demnach unzufrieden mit dem relativ einseitigen Branchenmix mit einem Trend zu großen Ketten. Insgesamt gebe es kaum Individualität im Stadtbild. Bei mehr als der Hälfte der Einzelhändler ist der Umsatz in der Pandemie um mindestens 25 Prozent zurückgegangen. Für die Händler sind das größte Problem die hohen Ladenmieten. 94 Prozent empfinden die Mietkosten als gewisse oder große Belastung. Diese würden auch innovativen und alternativen Geschäfts- und Ladenkonzepten im Weg stehen. Entsprechend deutlich ist der Wunsch nach niedrigeren Mieten. Außerdem wünschen sie sich mehr Sauberkeit, ein höheres Sicherheitsgefühl und mehr Werbemöglichkeiten im Außenbereich. Auch eine bessere Erreichbarkeit und flexiblere Öffnungszeiten sind Themen, die die Händler beschäftigen.

„Auch wenn die Wiesbadener Innenstadt weiter ein Ort des Einkaufens und Konsumierens bleiben wird und soll, wollen wir einer zunehmenden Monotonie entschieden entgegentreten“, sagte Mende zu den Ergebnissen. Dass Wiesbaden, wie andere Städte auch, vor großen Herausforderungen steht, sei nicht neu, aber: „Corona hat uns vielerorts gezeigt, wie Innenstädte aussehen können, wenn der Strukturwandel weiter voran schreitet und nicht aktiv gegengesteuert wird“. Eine pro-aktive Innenstadtentwicklung und ein kreativer Umgang mit unvermeidbaren Leerständen werde für Wiesbaden in den kommenden Jahren von großer Bedeutung sein.

An Restart-City-Programm anknüpfen

Ein erster Schritt in die richtige Richtung sei mit dem „Masterplan Innenstadt“ bereits getan worden. Über das „Restart City-Programm“, hätten 2021 bereits Einzelaktionen dafür gesorgt, die Innenstadt zu beleben. So wurde beispielsweise das kostenfreie Busfahren an zwei Adventssamstagen aus den Mitteln des Programms finanziert. Auch die Parktickets und Bahnkarten, die Einzelhändler kostenfrei an ihre Kunden weitergeben konnten und das neue Kaffee-Festival auf dem Dern’schen Gelände, waren Teil des Restart-City-Programms. „Es freut mich sehr, dass im Dezember 2021 die Zahl der Ladenleerstände mit 48 deutlich niedriger war als im Dezember 2020“, sagte Bürgermeister und Wirtschaftsdezernent Dr. Oliver Franz dazu. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts seien jetzt eine gute wissenschaftliche Grundlage und Ergänzung zum Masterplan Innenstadt.

Für das Forschungsprojekt „Wiesbadener Innenstadt im Wandel“ arbeitete das Amt für Statistik und Stadtforschung mit dem Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zusammen. Von Juni bis August 2021 haben Studenten der Uni dafür insgesamt rund 1600 Wiesbadener Passanten interviewt, circa 130 Gespräche mit Gastronomen geführt und den Status Quo der Wiesbadener Innenstadt in Karten und Fotografien dokumentiert. Hinzu kam eine Online-Befragung des Amts für Statistik, an der sich 106 Einzelhändler beteiligten.

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