Warum die Gassen rund um die Bonifatiuskirche nicht verschönert werden

Seit Jahren verkommt die Gasse „Kirchenreulchen“ neben der Bonifatiuskirche. Plakate und Graffitis prägen das Bild. Doch für eine Umgestaltung müssten die Betreiber der Geschäfte in der Kirchgasse mitanpacken.

Warum die Gassen rund um die Bonifatiuskirche nicht verschönert werden

Als eine „No-Go-Area“ bezeichnet Merkurist-Leser Jan die Straßen rund um die Bonifatiuskirche in der Wiesbadener Innenstadt. Und damit ist er nicht alleine. Auch andere Leser erzählten in den vergangenen Wochen, dass sie nur ungern die kleinen Gassen entlanglaufen. Sie berichten von Obdachlosen, die sich niederlassen und zum Teil unter Alkoholeinfluss Passanten anpöbeln. Zudem wurden Uringeruch und Vermüllung genannt. Leser Friedrich findet die Situation ärgerlich — schließlich liegen die betroffenen Straßen, wie das „Kirchenreulchen“, mitten in der Fußgängerzone. In einem Snip hat er deshalb gefragt, ob die Stadt dort Verschönerungen plant.

Thema im Rathaus

Tatsächlich war die Gegend schon im vergangenen Spätsommer Thema im Ortsbeirat Mitte. Im Frühjahr 2019 kamen die Beschwerden in einer Stadtverordnetenversammlung noch einmal auf den Tisch. Seit März 2019 liegt dem Dezernat für Stadtentwicklung und Bau ein Beschluss vor. Er besagt, dass die Ecke als „Problemzone“ gilt. Doch eine Lösung zu finden, scheint nicht so einfach.

„Was den Eindruck der Vernachlässigung dieser Bereiche betrifft, stimme ich zu.“, Hans-Martin Kessler (CDU)

„Was den Eindruck der Vernachlässigung dieser Bereiche betrifft, stimme ich Ihnen zu“, antwortete Stadtentwicklungsdezernent Hans-Martin Kessler (CDU) auf den Antrag des Ortsbeirates. Er beschrieb die Problemlage ähnlich wie in der Wagemannstraße: Statt Schaufenster und Eingänge zu Geschäften, liegen im Kirchenreulchen nur die Rückseiten der Läden. Für die Ladenbesitzer scheint sich zwischen Notausgängen und Müllcontainern eine Aufwertung nicht zu lohnen, stattdessen sind die Fenster zum Teil mit Plakaten und Stickern beklebt. Die Mitarbeiter selbst halten sich in den Bereichen nur für Botengänge auf.

Aufgabe für den City-Manager?

„Bei der Gestaltung von Schaufenstern und Rückseiten von Geschäftshäusern oder wohngenutzten Gebäuden sind den Bauämtern zum großen Teil die Hände gebunden“, sagt Kesseler. Der Gesetzgeber gehe von der Eigenverantwortung des Eigentümers aus. Die sogenannte „Gestaltungssatzung“, die in Wiesbaden regelt, wie Fassaden in der Innenstadt zu pflegen sind, stamme noch aus dem Jahr 1979 und sehe keine Vorgaben für die Rückseiten der Geschäfte vor, erklärt er weiter.

Kessler hofft stattdessen, dass die Betreiber der Geschäfte von sich aus ein Interesse daran entwickeln, ihre Häuser rundum zu pflegen. „Verhandlungen mit dem Betreiber der Geschäfte könnten eventuell erfolgversprechend sein. Wir hoffen, dass sich der zukünftige City-Manager einer solchen Aufgabe stellen wird.“ (ts)

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