Auch im vermeintlich reichen Wiesbaden gehören Obdachlose seit Jahren zum Stadtbild dazu. Besonders häufig sind die Wohnungslosen rund um den Wiesbadener Hauptbahnhof anzutreffen. Dort belegen sie hin und wieder die Sitzplätze an den Bushaltestellen (wir berichteten) und „richten sich häuslich ein“, wie es manche Beobachter vor Ort beschreiben. Doch dass sich die Obdachlosen rund um den Bahnhof niederlassen, gefällt nicht allen Bürgern:
Wie die Stadt die Situation bewertet
Doch was kann die Stadt in diesem Fall überhaupt machen? Tatsächlich können Obdachlose aufgefordert werden, den Platz dort zu verlassen. Wie die Verwaltung auf Anfrage mitteilt, könnten das Amt für Straßenverkehr und die Stadtpolizei temporäre Platzverweise aussprechen. Sollten „Lager“ vor Ort eingerichtet sein, könnten diese auch geräumt werden. Die persönlichen Gegenstände der Menschen dürften dabei jedoch nicht mitgenommen werden.
Dass sich nun aktuell besonders viele Obdachlose rund um den Hauptbahnhof ansiedeln, wie es einige Leser beschreiben, kann die Verwaltung nicht nachvollziehen. „Insgesamt können die Streetworker von der Teestube und von der Sozialen Arbeit keine untypischen Veränderungen wahrnehmen, eine Zunahme in Form von Belagerungen ist derzeit nicht festzustellen“, so eine Sprecherin. Zwar seien nachmittags und in den Abendstunden vermehrt Obdachlose am Hauptbahnhof anzutreffen. Dies sei im Sommer allerdings immer so. „Unsere Streetworker suchen den Hauptbahnhof regelmäßig auf, mindestens dreimal in der Woche.“ Hierbei gehe es vordergründig darum, mit den obdachlosen Menschen in Kontakt zu treten und ihnen Hilfs- und Übernachtungsangebote zukommen zu lassen.
Hilfsangebote für Obdachlose
So biete die Landeshauptstadt Wiesbaden auch viele weitere Angebote für Wohnungslose. Dazu gehöre beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft #WOHiN, die sich um wohnsitzlose Personen im öffentlichen Raum kümmert. Ziel sei es, Obdachlosen dabei zu helfen, die eigenen Lebensumstände zu verbessern. Nicht nur der Bereich des Hauptbahnhofs, sondern auch die Reisinger-Anlagen, das Gelände des Kulturzentrums Schlachthof und weitere Plätze, die von Wohnungslosen genutzt werden, würden regelmäßig von städtischen Streetworkern besucht, so die Sprecherin.
Zusätzlich zum Angebot von #WOHIN könnten mittellose Menschen im Männerwohnheim der Heilsarmee in der Schwarzenbergstraße kostenlos übernachten. Insgesamt stünden hier 70 Plätze bereit. Für Frauen halte man eigens zwölf Plätze in einer gesonderten Unterkunft bereit. Mitarbeiter der Straßensozialarbeit sowie der Polizei- und Ordnungsbehörden würden die Übernachtungsmöglichkeiten kennen und diese auch offensiv gegenüber betroffenen Menschen kommunizieren, so die Sprecherin.
Ferner stünden für die Unterbringung wohnungsloser Menschen derzeit 21 Notunterkünfte mit insgesamt 508 Plätzen sowie mehrere vollmöblierte Appartements mit weiteren 27 Plätzen zur Verfügung. Alle diese Sammelunterkünfte würden sozialdienstlich betreut, erklärt die Sprecherin. Insgesamt gibt es also viele Möglichkeiten für Obdachlose.