Plakate mit Nazi-Ästhetik sorgen für Empörung in Wiesbaden

Ein an ein NS-Propagandaplakat erinnerndes Werbeposter einer Hochschule sorgte für Aufsehen in Wiesbaden. Zwar ließ die Hochschule die Plakate Anfang Juni entfernen, jetzt sind sie aber wieder aufgetaucht.

Plakate mit Nazi-Ästhetik sorgen für Empörung in Wiesbaden

Ein junger Mann mit blondem Scheitel blickt konzentriert zur Seite. Darunter ist in großer Schrift zu lesen „DU liegst schon im Studium in Führung“. Mit diesem Plakat wirbt der Verband „SRH Hochschulen“, zu der auch die EBS im Rheingau gehört, auf Wiesbadener Wänden für neue Studenten. Eigentlich keine große Sache, aber das Motiv sorgt für Empörung, da es an ein Propgandaplakat aus der NS-Zeit erinnert.

Ähnlichkeit zu NS-Propaganda

„Jugend dient dem Führer. Alle Zehnjährigen in die HJ.“ — Mit diesem Propagandaspruch wollte das NS-Regime 1939 Kinder und Jugendliche auf ihr Leben in der Diktatur einschwören. Das Plakat zeigt deutliche Ähnlichkeiten zu dem umstritten Werbebanner der Hochschule. Auch hier blickt ein blonder junger Mann mit Scheitel nach rechts aus dem Bild, die Perspektive der beiden Poster ist fast identisch. In einem ähnlichen Propagandaplakat werden die Kinder direkt mit „Auch DU gehörst dem Führer“ angesprochen, ähnlich der Formulierung der Werbeplakate.

Mehrere Historiker hatten in dem Werbeposter klare Ähnlichkeiten zum NS-Stil gesehen. „Das ist eindeutig NS-Ästhetik. Es verwundert sehr, dass das niemand von den Verantwortlichen gemerkt haben soll“, sagte Dr. Heinrich Schwendemann von der Universität Freiburg in der „Rhein-Neckar-Zeitung“.

Hochschule distanziert sich

Verantwortlich für die Plakate war die Hamburger Werbeagentur „Jung von Matt“, die Anfang des Jahres mit einem Werbespot für Edeka für Empörung gesorgt hatte. Sie hatte die Kampagne gemeinsam mit SRH entwickelt, so waren die Personen auf den Plakaten allesamt Studierende der Hochschule. Die Empörung, die die Plakate verursachte, sei von der Hochschule so aber nicht beabsichtigt gewesen. „Die Bedeutung, die dem Motiv durch die Berichterstattung gegeben wurde, war von uns in keiner Weise beabsichtigt und widerspricht unseren Werten“, erklärt Elena Fischer, Sprecherin von SRH.

Die Hochschule hatte nach der ersten Berichterstattung Anfang Juni gleich reagiert und die Plakate sowohl am Hauptstandort in Heidelberg als auch in Wiesbaden wieder abhängen lassen. Eigentlich schien das Thema also erledigt, doch tauchten die Plakate Anfang der Woche in Wiesbaden wieder auf, so etwa in der Äppelallee. Dies sei jedoch von SRH nicht beabsichtigt gewesen, wie Fischer mitteilt: „Es muss sich hier um ein Versehen bei der Verteilung der Plakate auf lokaler Ebene handeln.“ SRH entschuldigt sich für den Fehler und will die Plakate umgehend entfernen lassen. (ts)

Update: Das Plakat in der Äpelallee wurde mittlerweile entfernt.

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