Hier zocken Wiesbadens Profi-Gamer

E-Sports wird in Deutschland immer beliebter. Das E-Sports Wiesbaden ist das einzige Center in Deutschland, dass nicht nur Profi-Gamer unterstützt, sondern auch Hobby-Gamer einen Treffpunkt bietet.

Hier zocken Wiesbadens Profi-Gamer

Sie sitzen stundenlang vor dem Bildschirm, steuern ihre Figuren mit präzisen Befehlen und versuchen mit einer gemeinsamen Taktik andere Teams zu schlagen: Für E-Sportler wie Murat Doymus sind Computerspiele keine bloße Zockerei, sondern eine ernstzunehmende Sportart. Alleine im Rhein-Main-Gebiet gebe es 256.000 E-Sportler, erklärt Doymus. Live-Streams von Online-Spielen werden geschaut, wie fernsehen, und die Szene wächst stetig weiter. In Frankreich und Belgien ist E-Sports, der sogenannte elektronische Sport, bereits als offizielle Sportart anerkannt und es gibt professionelle Ligen, in denen die Profi-Spieler richtig Geld verdienen können.

„Es gab keine Anlaufstelle für Jugendliche außerhalb ihrer Zimmer. Sie bekommen oft keine Aufmerksamkeit“ - Murat Doymus, Geschäftsführer E-Sports Wiesbaden

Vor rund zwei Jahren hatte Murat Doymus aus Mainz die Idee einen Ort für Gamer zu schaffen, um sie zu fördern und zu unterstützen. Der ehemalige Fußballprofi gründete den Verein eSports Wiesbaden in 2015 und eröffnete das dazugehörende Center im Juli 2016. „Es gab keine Anlaufstelle für Jugendliche außerhalb ihrer Zimmer. Sie bekommen oft keine Aufmerksamkeit“, sagt Doymus. „Es ist dabei, wie im Sport. Man muss trainieren, um gut zu werden. Und man muss gefördert werden. Wir beschäftigen uns hier mit den Menschen und kennen unsere Kunden, wissen was sie machen. Wir kümmern uns um die Jugendlichen und führen auch Gespräche mit den Eltern darüber.“ Das Team des E-Sports trage eine Verantwortung, der sie auch nachkommen würden, so Doymus.

Treffpunkt und Anlaufstelle

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Seit rund einem Jahr treffen sich Gamer aus dem Rhein-Main-Gebiet im Laden in der Münchener Straße 6 in Delkenheim. Das 300 Quadratmeter große Center solle wie ein Wohnzimmer für die Gamer sein, so Doymus. An Playstation, X-Box oder der Nintendo 64 kann man nachmittags ab 17 Uhr an sieben Tagen in der Woche seine Zeit vertreiben. Flachbildschirme, Konsolen, Sofas und Sessel. Rund 40 Leute finden im Center platz. Die Gamer sollen sich wohlfühlen, erklärt auch Daniel Portz, Leiter des Eventbereichs und Profi im Call-of-Duty-Team. Das Prinzip des Centers sei einzigartig in Deutschland. „Es gibt einige E-Sports-Läden. Zum Beispiel in München. Aber diese Center sind nur für die Profi-Gamer und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

„Für mich war das Spielen zuhause immer das Gleiche. Als ich von Murats Laden gehört habe, bin ich direkt vorbeigegangen und habe mich vorgestellt“, sagt Portz, dessen Gamer-Name „iTAGX-„ lautet. „Ich bin ins Call-of-Duty-Team eingestiegen arbeite nun auch für Murat im Bereich Eventmanagement. Natürlich alles ehrenamtlich.“ Das Besondere am Center sei, dass sich Profis und Hobby-Spieler treffen und austauschen, betont Portz. Obwohl man sich teilweise nur online kenne, sei direkt eine Vertrautheit mit den anderen Spielern da.

Training und Wettbewerbe

Aktuell betreut der Verein rund 35 Personen in acht Teams, die unter dem Vereinsnamen bei Wettbewerben antreten, erklärt Florian „Hyt3cfl0w`“ Knichel, der E-Sports-Bereichsleiter im E-Sports Wiesbaden. Es gibt genau wie im Sport verschiedene Disziplinen, hier die verschiedenen Konsolen-Spiele. Ob Fifa17, Call of Duty oder Counter Strike – für jedes Spiel gibt es ein Team. Malermeister Tim „mortesso“ Schäfer investierte früher viel Zeit in das Gaming. „Irgendwann stellte ich mir Frage was ich daraus mache. Das ganze Spielen muss doch für irgendwas gut sein. Dann habe ich Murat kennen gelernt und spiele nun im Counter-Strike-Team“, sagt er.

„Es geht dabei auch gar nicht ums Schießen mit einer Waffe an sich. Die könnten sich auch mit Wattebauschen bewerfen. Es geht alleine um den Wettbewerb“ - Tim Schäfer

Zwei mal die Woche würden erst die persönlichen Fähigkeiten, wie Genauigkeit und Schnelligkeit, von jedem selbst trainiert, erklärt Schäfer. Danach folge ein Team-Training in dem Abläufe gespielt werden. Die Spiele würden aufgezeichnet und im Nachgang gemeinsam besprochen, um Fehler zu optimieren. Am Wochendene folgten sogenannte Match-Tage. „Es geht dabei auch gar nicht ums Schießen mit einer Waffe an sich. Die könnten sich auch mit Wattebauschen bewerfen. Es geht alleine um den Wettbewerb“, so Schäfer.

Die Teams fahren auf sogenannte Offline-Events, bei denen das Niveau höher liege als bei Online-Events. „Teams, die wissen, dass sie nicht so gut sind, nehmen den Weg oft nicht auf sich. Der finanzielle Verlust ist dabei einfach zu hoch“, erklärt Portz. „Zu den Offline-Events kommen deswegen oft nur die Spitzen-Teams, die gesponsert werden und sich die Anreise leisten können.“

Zukunft des Sports

Da der E-Sport in Deutschland nicht anerkannt sei, ist das natürlich ein Problem, sagt Portz. Aber die Verantwortlichen des Landes würden die Hintergründe nicht erkennen. Man lerne viel dazu: Teamfähigkeit, Disziplin, motorische Fähigkeiten und Taktik. Auch Loyalität und Zugehörigkeitsgefühl zählen zu den positiven Aspekten der Sportart. „Die Anonymität des Internets ist hier im Laden nicht gegeben“, sagt Doymus. „Die Leute verhalten sich einfach anders. Und gerade als Teamspieler trägt man eine Verantwortung, da man den Verein repräsentiert. Und alles was Online passiert, sei es ein Tweet oder ein Spiel, fällt auf den Verein zurück.“ Es sei wichtig den Weg für diese Sportart zu ebnen und die Politik darauf aufmerksam zu machen

Wer im E-Sports Wiesbaden gerne mal an den Konsolen spielen möchte, sollte einen Platz reservieren. Seit September ist der Laden täglich ausgelastet. Weitere Informationen bekommt ihr hier.

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