Wo Hunde ohne Leine toben dürfen

Auf einer Wiese in Mainz-Kastel können sich Hunde frei bewegen. Das ermöglicht ein Verein, der das Gelände seit nunmehr fünf Jahren betreut.

Wo Hunde ohne Leine toben dürfen

Auf einem rund 6000 Quadratmeter großen Grundstück spielen kleine und große Hunde während die Hundebesitzer untereinander ins Gespräch kommen und auch mal Tipps zur Hundeerziehung austauschen. Neben einigen Sitzgelegenheiten und einem kleinen Unterstand aus Holz gibt es auf dem komplett eingezäunten Gelände hauptsächlich eines: viel Wiese zum Toben und Schnüffeln. Das ist in Wiesbaden etwas Besonderes, da die Hundespielwiese einmalig ist. Weitere eingezäunte Freilaufflächen für den Vierbeiner gibt es in Wiesbaden viel zu wenig, wie Hundehalter wissen.

Offen für alle

Die Hundespielwiese in Mainz-Kastel ist öffentlich zugänglich und kann von jedem genutzt werden. Die Kernöffnungszeiten sind zwischen 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends. Doch auf der Wiese gibt es klare Regeln: So muss das Tier gesund, geimpft und versichert sein. Für Hunde, die nur schlecht mit anderen Artgenossen auskommen, gibt es abgetrennte Bereiche, wo die Besitzer die Möglichkeit haben, ungestört mit ihrem Vierbeiner zu trainieren oder zu spielen. In jedem Bereich stehen Wassernäpfe, die mit frischem Wasser aus einem Tank befüllt werden können. Spielzeug gibt es zwar keins auf der Wiese, kann aber von Herrchen und Frauchen mitgebracht werden. Die Nutzung von Ball und Co. ist jedoch nur in den abgetrennten Bereichen gestattet, oder wenn keine anderen Hunde anwesend sind, um Streit unter den Vierbeinern zu vermeiden.

Von Verein getragen

Der Verein Stadthunde Mainz-Wiesbaden ist zuständig für den Betrieb und die Instandhaltung der Wiese. Dass sich ein Verein um eine Wiesbadener Hundefreilauffläche kümmert, ist einmalig. Rund 30 Personen sorgen regelmäßig für Sauberkeit und Ordnung. So findet zum Beispiel zweimal im Jahr ein Helfertag statt, an dem die Hecken gestutzt, Unterstände gebaut oder Löcher im Zaun geschlossen werden.

„Wir erfüllen den Auftrag der Gemeinnützigkeit. Es ist ein öffentliches Anliegen, dass Hunde in einem eingezäunten Bereich freilaufen können“, sagt Dagmar Reschke, Vorstandsmitglied des Vereins. Es gibt nicht viele Möglichkeiten für Wiesbadener Hundehalter, ihre Vierbeiner unangeleint toben zu lassen. Daher wünscht sich der Verein mehr Unterstützung für gemeinnütziges Anliegen. „Unser Topf ist ziemlich leer und wir könnten gut einen finanziellen Zuschuss vertragen“, erklärt Reschke. Nur so könne die Wiese für Mensch und Hund ansprechend und sicher erhalten bleiben.

Start mit Testphase

Dass es die Wiese heute gibt, ist einem Beschluss des Stadtparlaments von Ende 2012 zu verdanken. „Der Parlamentsbeschluss besagte, dass es zukünftig mehr Freilaufflächen für Hunde in Wiesbaden geben soll. Mit diesem gab die Stadtverordnetenversammlung dem Magistrat die Aufgabe, nach passenden Freilaufflächen zu suchen“, erklärt Birgit Zeimetz, ehemalige Ordnungsdezernentin Wiesbadens.

Daraufhin haben die Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW) die Grünfläche des ehemaligen Klärwerks vorgeschlagen: Verwaltet von den ELW, Eigentum der Stadt Mainz. Schnell war klar, dass nur ein Trägerverein die Pflege, Verantwortung und Haftung tragen könne. Nach dreimonatiger Testphase gründete sich der Verein, der von da an für die Wiese zuständig war.

Jubiläum

Nutzer, Vereinsmitglieder und Wiesbadener Hundebesitzer kamen am vergangenen Sonntag zur Jubiläumsfeier auf der Hundespielwiese zusammen. Rund 150 Besucher tummelten sich um die zahlreichen Verkaufsstände rund um den Vierbeiner. Auch ein Programm mit offizieller Feierstunde und einem Vortrag eines Hundetrainers zum Thema Beziehung zwischen Mensch und Hund gab es.
„Wir kommen oft mit unserem Hund hierher und sind sehr froh, dass es die Wiese gibt. Hier kann er ungestört mit anderen Hunden spielen und hat viel Freude“, erzählt ein Besucher.

„Politik ist nicht alles, um ein Projekt erfolgreich umzusetzen." - Jutta Deusser-Bettin, Ortsbeirat Kastel

Auch Jutta Deusser-Bettin (FDP), Mitglied im Ortsbeirat Kastel, kennt die Wiese von Anfang an. Sie hatte damals in einem Antrag im Ortbeirat angeregt, eine Hundespielwiese im Stadtteil Kastel entstehen zu lassen, der einstimmig angenommen wurde. „Politik ist nicht alles, um ein Projekt erfolgreich umzusetzen. Dies erfordert viel ehrenamtliches Engagement“, sagt Deusser-Bettin.

Weitere Wiesen

„Es müsste viel mehr Hundeauslaufflächen in Wiesbaden geben." - Mario Bohrmann

Im Wellritztal gibt es eine weitere, eingezäunte Hundefreilauffläche. Sie wurde nach einem Vorschlag der Initiative „Miteinander im Wellritztal“ im Oktober 2017 eröffnet. Die Initiative und Nutzer der Fläche pflegen das Gelände. „Es müsste viel mehr Hundeauslaufflächen in Wiesbaden geben“, sagt Mario Bohrmann, Gründungsvorstand der Stadthunde Mainz-Wiesbaden. „Die Hundesteuer wurde verdoppelt, die Einnahmen jedoch leider nicht in den Ausbau weiterer Hundewiesen in Wiesbaden gesteckt“, so Bohrmann. Auch Reschke spricht sich für den Ausbau weiterer Wiesen aus, gerne auch im Namen des Vereins. „Allerdings müssten dann weitere Menschen gefunden werden, die die Wiesen betreuen und eine Finanzierung für den Anfang von der Stadt zugesichert werden“, sagt Reschke.

Die Hundespielwiese befindet sich in der Biebricher Straße 1a in 55252 Mainz-Kastel. Auch außerhalb der Kernöffnungszeiten ist die Wiese öffentlich zugänglich, allerdings sollte in dieser Zeit aus Rücksicht auf die Nachbarn laute Gespräche und übermäßiges Bellen der Hunde vermieden werden.

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