Geflüchtete wollen Fastnacht feiern und brauchen Unterstützung der Wiesbadener

Die Familien einer Geflüchtetenunterkunft in Delkenheim haben seit Weihnachten großen Gefallen an deutschen Festen gefunden. Jetzt wollen sie auch die Fastnacht feiern, dazu sind sie aber auf die Hilfsbereitschaft der Wiesbadener angewiesen.

Geflüchtete wollen Fastnacht feiern und brauchen Unterstützung der Wiesbadener

Eine fünfzeilige Kurzmeldung der evangelischen Kirche in Wiesbaden hatte in den sozialen Medien am Dienstagabend für einen Shitstorm gesorgt. „Macht doch lieber etwas für Obdachlose“, „Die bekommen doch schon genug Geld vom Staat“, waren noch die harmloseren Kommentare. Bei der Diskussion geht es um Geflüchtete. Denn die evangelische Kirche hatte dazu aufgerufen, für Familien in der Delkenheimer Gemeinschaftsunterkunft Fastnachtskostüme zu spenden.

Begeisterung für deutsche Feste

Petra Tietjen, die in Delkenheim für die Kirche die Elternbegleitung leitet, ist nach dem Shitstorm sehr betrübt: „Wir waren entsetzt über die Reaktionen der Leute. Die Bewohner der Unterkunft bekommen das auch mit und sind sehr betroffen.“ Dabei sei die Fastnachtsfeier doch ein deutliches Zeichen für den Integrationswillen der Geflüchteten, meint Tietjen: „Sie sind total begeistert von deutschen Festen.“

Die Begeisterung begann Ende des vergangenen Jahres, als Tietjen anregte, eine Weihnachtsfeier in der Unterkunft auszurichten. „Zwar gibt es auch einige christliche Bewohner, die meisten haben aber einen muslimischen Hintergrund.“ Die Mütter seien vom Plätzchenbacken sehr begeistert gewesen und die Kinder hätten sich über die Geschenke und das Schmücken ihrer Einrichtung gefreut. Danach habe man beschlossen, weitere Feste zu feiern, als nächstes eben die Fastnacht.

„Viele der hiesigen Kinder besuchen die örtlichen Kitas und Schulen, dort gibt es um die Fastnacht immer Feiern mit Verkleidung.“ Da sich aber viele der Familien kein Kostüm leisten können, bitte man nun um Kleiderspenden. „Wir sind für Kostüme in allen Größen dankbar, vom Neugeborenen bis zum 18-jährigen Jugendlichen ist bei uns alles vertreten“, erzählt Tietjen.

Außerdem freue sich die Unterkunft über Kreppel-Spenden, da dies ja auch ein wichtiger Teil der deutschen Fastnachtskultur sei und die Kinder sich über alles Süße sehr freuen. „Kreppel sind leider nicht ganz billig und eine örtliche Bäckerei hat uns nur einen Rabatt von zehn Prozent angeboten.“ Tietjen hofft, dass bis zur großen Fastnachtsfeier Ende Februar genügend Kostüme in der Unterkunft ankommen. „Wenn es ihnen gut gefällt, könnte man sich überlegen, mit den Familien den Umzug am Fastnachtssonntag zu besuchen“, sagt sie.

Für geflüchtete Familien in der Gemeinschaftsunterkunft in Delkenheim sucht die Evangelische Familienbildung gebrauchte oder neue Kinder- und Erwachsenenkostüme sowie kleine Geldspenden für eine Fastnachtsfeier. Verkleidungen, Kinderschminke und Ähnliches können bis einschließlich Montag, 26. Februar, in der Evangelischen Familienbildung, Haus an der Marktkirche, Schlossplatz 4, 65183 Wiesbaden, abgegeben werden. (ts/js/lp)

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