Glatteis-Chaos in Wiesbaden: Stadt zieht Bilanz

Kraftakt von Rettungskräften und Stadtbetrieben

Glatteis-Chaos in Wiesbaden: Stadt zieht Bilanz

In der Nacht von Sonntag auf Montag hat auch in Wiesbaden gefrierender Regen mit Glatteis eingesetzt. Rettungsdienste, die Feuerwehr, die Entsorgungsbetriebe ELW und weitere Kräfte waren im Einsatz. Der Busverkehr musste laut Angaben der Stadt vorrübergehend eingestellt werden. Städtische Einrichtungen wurden geschlossen oder öffneten später als gewohnt.

Rettungsdienst und Feuerwehr waren in Wiesbaden seit dem frühen Vormittag stark gefordert. Bis 12 Uhr bearbeitete der Rettungsdienst etwa 200 Einsätze. Insbesondere Verstauchungen, Knochenbrüche oder Platzwunden durch Stürze mussten behandelt werden. Die Zentrale Leitstelle sei extra personell verstärkt worden, um die Masse an Fällen bewältigen zu können. Zum Vergleich: An einem normalen Werktag seien bis 12 Uhr in der Regel etwa 80 Einsätze abzuarbeiten.

Krankentransport mit Löschfahrzeug

Bedingt durch die hohe Auslastung seien die Rettungswagen der Hilfsorganisationen fast ununterbrochen im Einsatz gewesen, so die Stadt. Einige Fahrzeuge konnten nicht rechtzeitig in Dienst gehen. Die Besatzungen konnten ihre Arbeitsstelle aufgrund der Straßenverhältnisse nicht erreichen. Zusätzlich wurden deshalb Löschfahrzeuge der Berufsfeuerwehr als „First Responder“ bei medizinischen Notfällen eingesetzt. In einem Fall wurde ein Patient mit einem Löschfahrzeug in ein Krankenhaus gefahren, weil ein freier Rettungswagen nicht zur Verfügung stand.

Außerdem konnten mit Unterstützung von Notfallsanitätern der Berufsfeuerwehr zusätzliche Rettungswagen der Hilfsorganisationen in Dienst genommen werden. Feuerwehr und Rettungsdienst hatten sich bereits in der Nacht auf die angekündigte Wetterlage vorbereitet und einzelne Fahrzeuge mit Schneeketten ausgestattet, so dass auch Einsatzstellen an stark vereisten Straßen erreicht werden konnten.

Winterdienst im Dauereinsatz

Der Winterdienst der ELW war seit Sonntag, 22 Uhr, im Einsatz. Zwei Winterdienstfahrzeuge haben bis Montag, 2 Uhr, vorgestreut. Seit 2 Uhr waren 21 Räum- und Streufahrzeuge unterwegs. Sie fuhren die A-Pläne ab, das heißt die Hauptverkehrsadern, Busstrecken und Zufahrten zu Krankenhäusern, Feuerwehr, Rettungsdiensten und Polizei. Teilweise mussten die Pläne bis zu dreimal abgefahren werden, da es in einigen Stadtteilen und Vororten immer wieder Glätte auf der Straße durch frierenden Regen gab. Seit etwa 12 Uhr ist ein Teil der Räum- und Streufahrzeuge in den B-Plänen unterwegs, das sind Steilstrecken ohne Busverkehr.

Teilweise fahren die Fahrzeuge noch A-Pläne ab, wo es Meldungen über eisglatte Fahrbahnen gab. C-Pläne, das heißt reine Wohnstraßen, werden aktuell nicht angefahren. „Der Winterdienst geschieht nach Prioritäten, die mit der Polizei, Feuerwehr und den Rettungsdiensten sowie ESWE-Verkehr abgestimmt sind. Die ELW-Kolleginnen und Kollegen geben ihr Bestes, können aber nicht überall zur gleichen Zeit sein“, sagt Frank Fischer, Pressesprecher der ELW.

Müllabfuhr nur eingeschränkt unterwegs

Die Müllabfuhr konnten wegen des Wetters, obwohl die Mitarbeiter vor Ort waren, nicht wie gewohnt um 6 Uhr starten. Die Müllabfuhr benötigt nicht nur gestreute Straßen, sondern auch gestreute Gehwege. Um 6 Uhr waren die meisten Gehwege jedoch noch nicht gestreut. Dafür sind die jeweiligen Grundstückseigentümer verantwortlich. Seit etwa 10 Uhr ist die Müllabfuhr im Einsatz und leert überall dort die Tonnen, wo es möglich ist, also Straßen befahrbar sind und die Gehwege sowie Zugänge zu Abfallbehälterstandplätzen gestreut sind. „Wir können wegen den Auswirkungen des Wetters am Montag nicht alle Touren komplett fahren. Alles, was heute nicht geleert werden kann, wird in den nächsten Tagen nachgeholt. Das gilt auch für Sperrmülltermine“, sagt Fischer.

Auch bei der Verkehrspolizei kam es zu erheblichen Einschränkungen, da viele Mitarbeiter die Dienststelle nicht erreichen konnten. Die Fußstreifen in der Parkraumüberwachung mussten vormittags wegen Glätte ausgesetzt werden, da insbesondere Gehwege noch nicht gestreut waren.

Auch ESWE Verkehr muss umdenken

Wiesbadens Mobilitätsdienstleister ESWE Verkehr musste wegen des Glatteises am Montagmorgen den Busbetrieb vorrübergehend einstellen. Zwischen 3 und 6:30 Uhr konnten keine ESWE-Busse ausrücken. Seit 6:30 Uhr konnten dank des Einsatzes der Streudienste die ersten Fahrzeuge den Betrieb wieder aufnehmen“, fasst ESWE-Verkehr-Pressesprecher Micha Spannaus die morgendliche Lage zusammen.

Wegen des Wetters mussten weitere Einrichtungen vormittags schließen, unter anderem die Friedhöfe. Der Sternschnuppenmarkt auf dem Schlossplatz, der Kindersternschnuppenmarkt auf dem Luisenplatz und die Winterstubb auf dem Mauritiusplatz bleiben bis 15 Uhr geschlossen. Aufgrund der aktuellen Situation sind außerdem alle Sportplätze in Wiesbaden bis auf weiteres gesperrt. Die Stadtpolizei und das Ordnungsamt waren wie gewohnt im Einsatz.

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