„Straßenschlacht in Biebrich“ - Video sorgt noch immer für Diskussionen

Ein Video von einer Auseinandersetzung zwischen rund 20 Personen in Biebrich sorgte im August für großes Aufsehen im Netz. Anschließend wurden Tatsachen verdreht und die Aufnahme verwendet, um Stimmung gegen Minderheiten zu machen.

„Straßenschlacht in Biebrich“ - Video sorgt noch immer für Diskussionen

Am 1. August haben sich zwei Gruppen von insgesamt 20 Personen eine Auseinandersetzung in Wiesbaden-Biebrich geliefert. Auf einem Video, das das Aufeinandertreffen der Gruppen dokumentiert, sind Schreie zu hören und Drohgesten zu sehen. Auch sind einige der Männer mit Eishockeyschlägern, Stühlen und Stöcken bewaffnet, eine Scheibe geht zu Bruch.

Was die Polizei in einer Pressemeldung nüchtern und sachlich als „Streitigkeiten eskaliert“ überschreibt, nutzen andere, um gegen Flüchtlinge zu hetzen. Denn weil ein Anwohner die Situation aus seinem Fenster filmte und das Video anschließend mehrere Tausend Mal geteilt wurde, fühlten sich viele berufen, einen Kommentar dazu abzugeben.

Tatsachen verdreht?

Dass ein Großteil der Kommentare schlichtweg falsch ist, stört scheinbar nur die wenigsten. Doch immer wenn massenhaft geteilte Postings mit Halbwahrheiten in der Öffentlichkeit diskutiert werden, schalten sich auch Internetseiten wie „Mimikama“ oder „Correctiv“ ein. Das Biebrich-Video brachte sogar beide Plattformen dazu, einen Faktencheck zu betreiben.

So veröffentlichte „Mimikama“ erst am Freitag einen Artikel, der sich auf die „Straßenschlacht“ bezog. Denn anscheinend wird der Ausschnitt auch in anderen Städten dazu missbraucht, gegen Minderheiten zu hetzen. Die Redaktion bekam mehrere Screenshots zugespielt, in denen etwa behauptet wird, die Szenen hätten sich im Kölner Stadtteil Kalk abgespielt. Eine Behauptung, die durch die vorherige Berichterstattung und eine Nachfrage bei der Polizei recht einfach zu widerlegen war.

Kein Zusammenhang zu Flüchtlingen

Das Recherchenetzwerk „Correctiv“ geht noch einen Schritt weiter und widmet sich unter anderem der Videobeschreibung, die im Originalpost zu lesen war. Dort schreibt der Verfasser „Das ist nicht Tripolis oder Aleppo - das ist Wiesbaden. Migrantengangs lieferten sich gestern Nacht eine Straßenschlacht“. Weiter heißt es: „Die Deutschen sind nur noch in ihren Wohnungen sicher, von denen aus sie verängstigt den Untergang ihrer Heimat mitfilmen…“

Entsprechende Kommentare über Flüchtlinge und die Deutsche Flüchtlingspolitik ließen nicht lange auf sich warten. Der Haken dabei: Die Personen stammen weder aus Aleppo, Tripolis oder überhaupt aus Syrien oder dem Libyen. Wie die Polizei Westhessen bestätigte, handelt es sich bei den Menschen um rumänische Staatsangehörige. Der Auseinandersetzung war außerdem ein Streit an einem anderen Tag vorausgegangen. Also keine spontane „Straßenschlacht“ und keine Bedrohung für „verängstigte Deutsche“. Zwar ist der Vorfall weder herunterzuspielen noch zu leugnen, doch so wie er dargestellt und tausendfach geteilt und kommentiert wurde, hat er sich tatsächlich aber gar nicht ereignet.

Weiterhin wird behauptet, dass weit und breit keine Polizei zu sehen gewesen wäre. Zwar sind auf dem Video auch tatsächlich keine Beamten zu sehen, doch das heißt noch lange nicht, dass die Polizei nicht ausgerückt ist. Denn wie die Polizei Westhessen mitteilt, seien nach dem Eintreffen der Beamten „die Personalien mehrere mutmaßlicher Beteiligter festgestellt“ worden. Anzeige habe niemand erstattet, ermittelt wurde aber trotzdem. Bei der „Straßenschlacht“ wurden außerdem keine Personen verletzt. (js)

Logo