So sah und sieht Wiesbaden aus

Wie die Stadt an vielen Ecken einmal ausschaute und heute daherkommt, belegen die Fotografien von Erika Noack. Teile ihrer umfangreichen Sammlung gibt es ab Samstag kostenfrei im Rathaus zu sehen. Merkurist erzählte sie von ihrem Hobby.

So sah und sieht Wiesbaden aus

„Stadt im Aufbruch – gestern und heute“: So heißt die Ausstellung von Erika Noack, die am Dienstag im Foyer des Rathauses Eröffnung feiert. Doch schon ab Samstag kann dort jeder kostenfrei durchlaufen.

Erika Noack ist Hobby-Fotografin und lichtet die Stadt sei vielen Jahren aus unterschiedlichsten Blickwinkeln ab. Viele ihrer Aufnahmen zeigen bauliche Entwicklungen von Gebäuden und Straßen. Noack knipst nicht nur für den Moment, sie dokumentiert den Aufbruch der Stadt in Bilderserien. Mit Merkurist sprach sie über ihre Fotografie und ihre Stadt.

Merkurist: Sie besitzen eine Fülle an Fotos, die Wiesbaden zeigen. Warum?
Erika Noack: Eigentlich wollte ich nur ein paar Schnappschüsse für meine Kunden machen. Ich betreibe hier ein Immobilienbüro. Mein Ziel war es, den Leuten aus anderen Städten zu zeigen, wie schön die Stadt ist.

Und dann wurden es immer mehr?
Mir fiel einfach auf, die Stadt kann man nicht in ein paar wenigen Bildern einfangen. Wie gesagt, dafür ist sie zu schön. So kamen über die letzten zehn Jahre hinweg Tausende von Fotos zusammen. Irgendwann habe ich dann eine Website angelegt, damit jeder Zugang zu meinen Bildern hat.

Aus dem Ziel, Fotos für Kunden zu machen, entstand also ein richtiges Hobby?
Ja, aus der Idee hat sich viel mehr entwickelt, als gedacht. Die Fotos sind inzwischen nicht mehr nur für meine Kundschaft gedacht, sondern weltweit für alle. Viele verkaufe ich sogar. Fragt ein Paar aber zum Beispiel an, ob es eines für ein Kinderzimmer haben kann, dann gebe ich es ihm auch gerne so.

Wenn Sie weltweit sagen, was genau heißt das?
Unter den Besuchern meiner Website sind auch Menschen aus Amerika oder Afrika. Manche davon schreiben mir: „Es ist toll, dass ich auf ihrer Seite Fotos meiner Heimat finde und mitverfolgen kann, was in der Stadt passiert.“

Sie wohnen in Wiesbaden, sind Sie auch hier geboren?
Nein, ich kam erst 1994 hierher. Durch einen Zufall bin ich damals durch die Stadt gefahren und hatte mich sofort in sie verliebt, vor allem in das historische Stadtbild. Mich erinnerte Wiesbaden an Hamburg - nur kleiner und ruhiger. Man hat hier alles, was man braucht, und doch ist es keine Großstadt.

Nun wohnen Sie hier schon viele Jahre und fotografieren die Stadt aus etlichen Perspektiven. Was fällt Ihnen auf?
Hier tut sich viel, nimmt man zum Beispiel das Kureck oder die Wilhelmstraße 1. Auch die Mainzer Straße hat sich gemausert. Sie war lange Zeit ein Schandfleck, hat sich aber stark verändert. Hier steht nicht nur ein Klotz neben dem nächsten. Viele Neubauten machen die Straße attraktiver. Der Platz der Deutschen Einheit hat sich ebenfalls zum Positiven gewandelt. Ich bin gespannt, wann dort der „Stadtplatz“ endlich realisiert wird.

Worauf sind Sie in der Stadt am meisten gespannt?
Auf die City-Passage. Da steht ja einiges auf dem Plan, soweit ich weiß, unter anderem eine Begrünung der Dachfläche. Auf jeden Fall kann sie nur schöner werden (lacht).

Und was sehen Sie negativ?
Fehlende Fahrradwege, für Radfahrer und Autofahrer gleichermaßen. Alle leiden darunter. Dann müsste das Carsharing ausgebaut und mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Die Neubaufläche in Wiesbaden ist zu knapp. Als Maßnahme könnte man mehr Bestandsimmobilien aufstocken, sprich eine weitere Etage auf die alten Gebäude draufsetzen.

Nun zu Ihrer Ausstellung, die am Samstag startet. War das die Idee der Stadt?
Nein, das war meine. Man vergisst einfach viel zu schnell, wie Wiesbaden einmal ausgesehen hat. Da dachte ich mir, es wäre toll, es den Wiesbadenern zu präsentieren, und fragte im Rathaus nach.

Dort werden Ihre Fotografien im Foyer zu sehen sein. Wie viele sind es?
So um die 150. Aber immer in Serien mit jeweils vier bis 20 Fotos. Es sind alles bauliche Fotos.

Baulich heißt in dem Fall, Sie fotografieren Baustellen?
Unter anderem, zum Beispiel von einem Kran oder einer Feuerleiter herunter. Natürlich hole ich mir dafür immer eine Genehmigung ein. Meistens knipse ich aber aus der Luft. Dann buche ich eine kleine Maschine mit Piloten und der bringt mich in Position. Viele wissen gar nicht, was sich in den Hinterhöfen und Ecken, die sich nicht sehen können, alles so verbirgt. Das ist wirklich faszinierend.

Mehr Bilder gibt es in Erika Noacks Fotosammlung zu sehen.

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