Verstorbene kontaktiert, sinnlos gemahnt: Chaos beim Zensus

Tote werden angeschrieben, Menschen erhalten sinnlose Mahnungen: Die seit Mitte Mai laufende Bevölkerungserhebung, der Zensus, droht aktuell zu scheitern. Einige Kommunen drohen schon mit einer Klagewelle. Wie ist der Stand in Wiesbaden?

Verstorbene kontaktiert, sinnlos gemahnt: Chaos beim Zensus

Seit zwei Monaten wird in ganz Deutschland gezählt, denn zum ersten Mal seit 2011 läuft aktuell der Zensus. Das heißt: Ausgewählte Menschen werden von Erhebungsbeauftragten befragt. Geklärt werden soll dann etwa, wie viele Menschen in Wiesbaden leben, wie sie wohnen und arbeiten. Hinzu kommt eine Gebäude- und Wohnungszählung, die vom Statistischen Landesamt per Post an die Wohnungseigentümer geschickt wird (wir berichteten).

Doch nun warnen einige kommunale Spitzenverbände, dass der Zensus zu scheitern drohe. Denn die Software des Statistischen Bundesamts scheint unlösbare Probleme zu machen, vor allem sei sie nicht ausreichend funktionstüchtig. Tote erhalten die Aufforderung, Auskünfte zu erteilen, viele andere bekommen Fragen, die gar nicht zu ihnen passen. Einige Kommunen kündigten bereits an, bei unzureichenden Ergebnissen den Bund zu verklagen. So heißt es in einem Brief des Deutschen Städtetags und des Landkreistages: „Gegenwärtig erreicht uns eine Vielzahl von Problemanzeigen aus verschiedenen Bundesländern zur Durchführung des Zensus 2022.“

Klagt die Stadt Wiesbaden?

In Wiesbaden laufe der Zensus „bisher planmäßig und gut“, meldet Ralf Munser, Pressesprecher der Stadt Wiesbaden, auf Anfrage. Dennoch mache die fehlerhafte Software auch hier einige Probleme „– wenn auch nicht in demselben Ausmaß wie in vielen anderen Städten bundesweit“.

150 ehrenamtliche Erhebungsbeauftragte sind in Wiesbaden unterwegs zu den Haustüren und befragen die Menschen per Telefon. Insgesamt sei die Rückmeldung gut, nur etwa ein Prozent würden sich verweigern. In Wiesbaden habe man sich auf die Situation eingestellt. So wurde beispielsweise erst jetzt mit dem Erinnerungs- und Mahnverfahren begonnen. Negative Folgen wie in vielen anderen Städten befürchte man nicht, „nach derzeitigem Stand“, so Munser. Daher kann auch noch nicht beurteilt werden, ob Wiesbaden an einem Klageverfahren teilnehmen werde. „Eine abschließende Entscheidung kann erst nach Veröffentlichung der Einwohnerzahlen getroffen werden“, erklärt der Pressesprecher.

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