NATO probt in Wiesbaden den Kriegsfall

In Erbenheim probt die US-Armee mit NATO-Partnern den Ernstfall. Ein simulierter Angriff auf die Ostflanke soll die Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses auf die Probe stellen. Warum Wiesbaden dabei eine besondere Rolle spielt, lest ihr hier.

NATO probt in Wiesbaden den Kriegsfall

In der Army Base in Wiesbaden-Erbenheim sitzen Generäle aus den USA, Deutschland und anderen NATO-Staaten vor einer riesigen Europakarte und proben den Krieg. Rund 150 Militär-Mitglieder aus verschiedenen Staaten versammeln sich in der Kommandozentrale (COIC), in der das Szenario – ein möglicher Angriff auf das Bündnisgebiet – geprobt wird. Merkurist nahm am Freitag am Presserundgang im Hauptquartier teil und bekam seltene Einblicke in die Kommandozentrale.

Die Übung „Avenger Triad 26“, die vom 6. bis zum 15. Oktober an mehreren Standorten in Europa stattfindet, darunter in Deutschland, Frankreich, Polen und den Niederlanden wird in Wiesbaden koordiniert. Insgesamt nehmen rund 20.000 Soldaten im Feld, darunter 4000 US-Soldaten, an dem Manöver teil. Durchgespielt wird ein Szenario mit einer Million Soldaten auf jeder Konfliktseite.

Simulierter Groß-Angriff auf Ostflanke

Bei „Avenger Triad 26“ handelt es sich nicht um eine klassische Truppenübung, sondern um eine Simulation. Die Kommandostäbe der 32 NATO-Länder trainieren dabei die Führung gemeinsamer Militäroperationen in einem Krisenfall. Die Simulation läuft rund um die Uhr.

Ziel ist es, die Zusammenarbeit, den Informationsaustausch und die schnelle Entscheidungsfindung zu verbessern. Wiesbaden spielt dabei eine wichtige Rolle, da sich in Erbenheim das Hauptquartier der US Army Europe and Africa befindet. In der Kommandozentrale in Wiesbaden laufen alle Informationen zusammen. Auf einer großen Europakarte sind alle NATO-Stützpunkte und feindliche Positionen in Echtzeit abgebildet.

KI hilft Kommandozentrale in Wiesbaden

Ein zentrales Element der Übung ist es, die Reaktionszeit bei einem Angriff zu verkürzen – auch durch den Einsatz von KI. Im Ernstfall sollen die Verantwortlichen innerhalb von Sekunden ein vollständiges Lagebild erhalten, um darauf reagieren zu können. „Wir müssen die Informationstechnologie des 21. Jahrhunderts mit den militärischen Mitteln des 20. Jahrhunderts verbinden“, erklärt General Jez Bennet von der britischen Armee.

Dafür sollen künftig Daten aus Aufklärungsdrohnen, Bodensensoren, Radaren und Kameras in einem gemeinsamen Netzwerk zusammenlaufen. Das Maven smart system (MSS) ist das zentrale Informationssystem, das in Wiesbaden erprobt wird. Entwickelt wurde es vom US-Konzern Palantir.

Künstliche Intelligenz hilft bei Maven, großen Datenmengen schnell auszuwerten. „Früher musste der Feldherr auf den Boten auf dem Pferd warten, jetzt kommen die Informationen in Blitzgeschwindigkeit zu uns“, so Generalmajor Björn Schulz von der Bundeswehr.

Autonome Roboter Fahrzeuge und Drohnen

Auch Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine fließen in das Konzept ein. Die von Russland überfallene Nation habe Militärdrohnen schneller weiterentwickelt als jeder andere Staat, erklärte US-Major Ben Schiff.

Bei der Vorübung vergangene Woche in Wiesbaden wurden den Soldaten verschiedene neue Systeme präsentiert, darunter unbemannte Fahrzeuge zur Minenaufklärung und Drohnen zur Abwehr feindlicher Flugkörper. Ein Teil der Technologie wird direkt in Laboren am Standort Wiesbaden-Erbenheim erforscht und entwickelt.