Wildwuchs an Leichenfundort verärgert Anwohner

Mehrere Tage lang lag eine Leiche unentdeckt in einem Gestrüpp in Biebrich. Dass es so lange gedauert hat, bis sie entdeckt wurde, wundert die Bewohner der nahe gelegenen Wohnungen nicht.

Wildwuchs an Leichenfundort verärgert Anwohner

„Ich hab das schon jahrelang prophezeit, dass da mal sowas passieren wird“, sagt Horst Nowak aufgebracht. Der 69-jährige Rentner lebt seit 40 Jahren in dem Haus in der Pörtschacher Straße, neben dem am vergangenen Donnerstag ein lebloser Körper in einem Gebüsch gefunden wurde. Passanten fanden die Leiche zufällig — vermutlich ein Mann ohne Obdach, der auf dem dicht bewachsenen Gelände Unterschlupf gesucht hatte.

Laut Polizei lag die Leiche des Mannes dort über mehrere Tage unentdeckt — und das trotz der Nähe zu den Wohnhäusern, der angrenzenden Bodelschwingh-Schule und der freien evangelischen Gemeinde direkt gegenüber. Horst Nowak überrascht das überhaupt nicht. Schon seit Jahren klagt er darüber, dass die Fläche zwischen Wohnhäusern, Schule und Pflegeheim unkontrolliert zuwuchert.

„Das ist ein Dschungel“, sagt er und deutet in das dicht bewachsene Waldstück direkt vor seinem Balkon im Erdgeschoss. Die Äste der Bäume ragen in Richtung Wohnung, Büsche breiten sich langsam aus. Was die einen womöglich als schön und naturnah wahrnehmen, stellt für Horst Nowak eine Gefahr dar. Denn was sich hinter den Büschen verbirgt, kann man nicht erkennen. Und genau das sei das Problem. Vor allem in der Dunkelheit sei der „Dschungel“ hinter dem Haus eine Einladung für Einbrecher. „Hier im Haus wurde schon mehrfach versucht einzubrechen“, sagt der 69-Jährige. „Und die Stadt macht nichts.“

Anwohner sind verärgert

Die Situation macht dem Rentner Angst. „Wenn meine Frau abends mit dem Hund mal länger als sonst weg ist, mache ich mir schon Gedanken“, erzählt er. Seinen Nachbarn geht es ähnlich. Bei Murat* und seiner Familie, die in der Wohnung nebenan ebenfalls im Erdgeschoss wohnen, wurde bereits zwei Mal versucht einzubrechen.

„Hätte ich gewusst, dass es so gefährlich ist, hätte ich die Wohnung im Erdgeschoss erst gar nicht gekauft.“ - Murat, Anwohner

„Seitdem haben wir eine Alarmanlage“, erzählt er. „Meine Frau hat vor allem Angst um unsere kleine Tochter. Hätte ich gewusst, dass es so gefährlich ist, hätte ich die Wohnung im Erdgeschoss erst gar nicht gekauft.“

Sowohl Horst als auch Murat und seine Familie wünschen sich jetzt, dass die Bäume zumindest soweit zurückgeschnitten werden, dass wieder mehr Einsicht herrscht. Der Vermieter kümmere sich nicht und auch das Grünflächenamt habe auf seine Anfrage hin nichts verändert, sagt Horst. „Ich mag ja die Natur und ich verstehe es auch wenn man sich dort Unterschlupf sucht, aber es geht so einfach nicht weiter“, sagt der Rentner. „Die Stadt macht einfach nichts.“

Ortstermin geplant

Tatsächlich scheint seit Jahren weder der Rasen gemäht, noch die Bäume zurückgeschnitten worden sein. Eigentlich kümmert sich das Wiesbadener Grünflächenamt darum, öffentliche Grünflächen zu pflegen.

„Das betroffene Gelände ist Teil des Schulgrundstückes der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule“, klärt Ralf Munser, Sprecher der Stadt, auf. Dementsprechend entscheide diese auch, was damit geschieht. Ein Teil des Grundstücks sei als Erweiterungsfläche für die Schule vorgesehen, so Munser. „Teilweise laufen gerade Vorabstimmungen mit dem Amt für soziale Arbeit über die Möglichkeit zur Errichtung einer sozialen Einrichtung.“

Von Horst Nowaks Beschwerde wisse Ralf Munser zwar nichts, trotzdem habe sich das Schulamt bereits Gedanken darüber gemacht, wie man das Grundstück einsehbarer gestalten könnte: „Das Schulamt wird einen Ortstermin im Hinblick auf den Bewuchs der Fläche durchführen“, sagt er.

„Denkbar wäre ein Rückschnitt an den Grenzen zu den bebauten Nachbargrundstücken oder eine sogenannte Durchforstung des Grundstücks.“ - Ralf Munser, Stadt Wiesbaden

„Denkbar wäre zum Beispiel ein Rückschnitt an den Grenzen zu den bebauten Nachbargrundstücken oder eine sogenannte Durchforstung des Grundstücks, mit der eine bessere Einsicht des Grundstückes erreicht würde“, sagt Munser. Bis etwas an dem Grundstück verändert werden kann, müssen sich Horst Nowak und seine Nachbarn aber noch gedulden. „Aufgrund der Brut- und Setzzeit ist dies aber erst ab dem 1. Oktober 2019 zulässig.“

*Name aus persönlichen Gründen von der Redaktion geändert

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