Gibt es zu wenige verkaufsoffene Sonntage in Wiesbaden?

Eigentlich dürfte Wiesbaden laut Gesetz bis zu vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr anbieten, die Stadt nutzt diese Möglichkeit nicht vollends aus. Die FDP fordert jetzt, dass die Geschäfte an mehr Wochenendterminen öffnen.

Gibt es zu wenige verkaufsoffene Sonntage in Wiesbaden?

Den Spaziergang am Sonntagnachmittag mit einer kleinen Shoppingtour verbinden — das bieten verkaufsoffene Sonntage. An jedem Wochenende öffnen in zahlreichen hessischen Innenstädten die Geschäfte. Wer jedoch in Wiesbaden auch am Sonntag einkaufen will, hat nicht viel Auswahl: In der Landeshauptstadt gibt es mit dem Ostermarkt und dem Stadtfest lediglich zwei Termine pro Kalenderjahr.

FDP-Vorschlag

„Die um ihre Existenz kämpfenden Einzelhändler in der City würde es uns danken.“ - Lukas Schwalbach, FDP

Das soll sich aber bald ändern, wenn es nach den Wünschen der Wiesbadener FDP geht. „Wir könnten uns vorstellen, populäre Veranstaltungen wie den City-Biathlon künftig mit einem verkaufsoffenen Sonntag zu verbinden. Die um ihre Existenz kämpfenden Einzelhändler in der City würde es uns danken“, sagte der Wiesbadener FDP-Abgeordnete Lukas Schwalbach vergangene Woche in der „Frankfurter Rundschau.“

Rechtlich wären weitere Verkaufssonntage in Wiesbaden durchaus möglich, da in Hessen jede Stadt pro Jahr bis zu vier davon ausrichten darf. Die FDP beruft sich bei ihren Forderungen auf eine Umfrage, die die Stadt Wiesbaden in diesem Frühjahr durchführen ließ: Beim bisher letzten verkaufsoffenen Sonntag während des Ostermarkts im April wurden mehr als 1000 Passanten zu ihrem Einkaufsverhalten in der Innenstadt befragt.

Das Ergebnis: Viele der Besucher freuten sich über den verkaufsoffenen Sonntag. Die Befragten gaben an, hauptsächlich wegen des Ostermarktes und zum Bummeln und Flanieren in die Stadt gekommen zu sein. Außerdem stellte die Stadt fest, dass durch die Veranstaltung viele neue Kunden für die Innenstadt gewonnen werden konnten, weil auch Besucher von außerhalb angelockt wurden.

Konsumwut

Der Vorschlag der FDP wurde jedoch schon nach kurzer Zeit von der Fraktion der Linken und Piraten aus Wiesbaden scharf kritisiert. „Es kann nicht sein, dass auch noch der der letzte Tag der Woche dem Konsumdrang der FDP zum Opfer fällt! Das ist ein absolutes „No-Go“ für die Bürger unserer Stadt“, kommentiert der sozialpolitische Sprecher der Fraktion Ingo von Seemen den Vorstoß.

Der Sonntag müsse laut von Seemen ein Tag der Erholung bleiben, der den Menschen Raum für die Pflege sozialer Kontakte lassen solle. Er weist auf den im Grundgesetz festgeschriebenen Sonntagsschutz hin: „Auch wenn das mittlerweile aufgeweicht worden ist und Wiesbaden rechtlich vier verkaufsoffene Sonntag anbieten darf, muss man das den Arbeitnehmern in Wiesbaden nicht automatisch antun.“ (js)

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