So kam die große Kuckucksuhr nach Wiesbaden

Den Titel "Größte Kuckucksuhr der Welt" musste Wiesbaden zwar an den Schwarzwald abgeben, doch die Holzuhr in der Innenstadt zieht noch immer viele Besucher an. Seit 1946 kommen Touristen aus der ganzen Welt zur Sehenswürdigkeit am Souvenirladen.

So kam die große Kuckucksuhr nach Wiesbaden

Mitten in der Wiesbadener Altstadt, zwischen Kurhaus und Thermalquellen, springt den Touristen plötzlich ein Stück Schwarzwald-Tradition entgegen - ein ziemlich großes sogar: Die ehemals "größte Kuckucksuhr der Welt" steht an der Kreuzung zwischen Burgstraße und An den Quellen.

Bereits 1946 fand die Uhr ihren Weg aus einer Schnitzerei im Odenwald in die hessische Landeshauptstadt. Der Souvenirhändler Emil Kronenberger gab die Uhr kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Auftrag. Dafür investierte er staatliche Gelder, die er als Wiedergutmachung für Kriegsschäden erhalten hatte. Sein Ziel war es, Touristen anzulocken und das Stadtbild mit einem für damalige Verhältnisse teuren Luxusartikel zu prägen.

Rekorduhr

Der Zusatztitel "Größte Kuckucksuhr der Welt" steht seit 1953 in goldenen Buchstaben über dem Ziffernblatt mit rund zwei Metern Durchmesser. Auch das Souvernirgeschäft existiert noch heute. "Wir sind eines der ältesten Geschäfte der Stadt - und auch nach 70 Jahren noch immer ein Familienbetrieb", sagt Inhaber Zeev Stern. Die große Kuckucksuhr am Schaufenster sei der ganze Stolz des Ladens, besonders, wenn sich zu jeder vollen und halben Stunde zwischen acht und 20 Uhr die Tür öffnet und der Kuckuck erscheint.

"Gerade Familien mit Kindern fragen gezielt nach dem Kuckuck." - Zeev Stern

"Es kommen noch immer jeden Tag viele Besucher her. Gerade Familien mit Kindern fragen gezielt nach dem Kuckuck. Manchmal kommen sie später am Tag wieder, um ihn sehen zu können", so Stern. Auch in den meisten Städteführern sei die Uhr als Sehenswürdigkeit erwähnt. In den letzten Jahren habe der Andrang aber leicht nachgelassen. Ein Grund dafür könnte sein, dass die "größte Kuckucksuhr der Welt" Konkurrenz aus dem Schwarzwald bekommen hat.

Im Baden-württembergischen Triberg wurde vor 16 Jahren eine Uhr gebaut, die laut Guinness-Buch der Rekorde nun offiziell als "weltweit größte" geführt wird. Für Zeev Stern sind die beiden Uhren aber nicht miteinander vergleichbar. "Die Uhr im Schwarzwald ist wesentlich moderner gebaut. Sie hat keine Handschnitzereien wie unsere Wiesbadener", sagt er.

"Traditionelle Uhrmacher haben bestätigt, dass die Uhr von Wiesbaden authentisch ist." - Zeev Stern

Während die Wiesbadener Uhr von echter Handwerkskunst zeuge, habe man im Schwarzwald nur versucht eine Touristenattraktion zu schaffen. "Das Uhrwerk in Triberg ist in einem Haus verbaut. Die Mechanik ist nicht traditionell, stattdessen hat man nur versucht, die Uhr so groß wie möglich zu bauen", so Stern. "Bei Reparaturen haben schon viele traditionelle Uhrmacher bestätigt, dass die Uhr von Wiesbaden authentisch ist", sagt Zeev Stern.

750.000 Kuckucksuhren aus Wiesbaden

Unter den Touristen in Wiesbaden, die zum Teil extra wegen des Holz-Kuckucks den Souvenirladen aufsuchen, sei der Großteil ausländische Besucher. Vor allem bei asiatischen Touristen seien Souvenirs wie Räuchermännchen, Nussknacker und Holzpyramiden noch immer beliebte Andenken an eine Deutschlandreise, so Zeev Stern. "In unserem Laden wurde seit der Gründung etwa eine Dreiviertel Millionen Kuckucksuhren verkauft. Das sind 750.000 Stück", bestätigt Stern auch den Werbeeffekt der großen Uhr an der Hausfront.

Und auch wenn der Titel "Größte Kuckucksuhr der Welt" an den Schwarzwald abgegeben werden musste, so haben sich die Inhaber des Ladens doch auf einem Schild am Ausgang einen neuen Titel selbst verliehen. Dort steht: "You are leaving the best known and most photographed store in Europe."

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