Wie Chefs in Wiesbaden den neuen Mindestlohn umgehen könnten

Seit 1. Januar gilt der neue Mindestlohn von 13,90 Euro. Doch kommt er auch bei den rund 29.800 Minijobber in Wiesbaden an? Die Gewerkschaft NGG warnt vor Tricksereien.

Wie Chefs in Wiesbaden den neuen Mindestlohn umgehen könnten

Seit dem 1. Januar ist der gesetzliche Mindestlohn auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen. Auch die meisten der rund 29.800 Minijobber in Wiesbaden sollten profitieren. „Ob alle Chefs in Wiesbaden tatsächlich 1,08 Euro beim Stundenlohn im Januar draufzahlen, das ist die große Frage“, sagt Hendrik Hallier. Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Rhein-Main befürchtet, dass nicht alle Arbeitgeber den höheren Lohn zahlen werden.

Arbeitnehmer sollten daher ihre Lohnabrechnung für Januar, die im Februar kommt, genau prüfen. Eine gängige Methode sei es, die Arbeitszeit auf dem Papier zu reduzieren, um den Stundenlohn rechnerisch anzupassen. Ein solches Vorgehen sei ein klarer Gesetzesverstoß. „Die Zahl der tatsächlich geleisteten Stunden muss stimmen“, betont Hallier. Beschäftigte aus der Lebensmittelherstellung oder Gastronomie in Wiesbaden können sich bei der NGG Hilfe holen.

Zu geringes Risiko für Mindestlohn-Betrüger

Für die Gewerkschaft ist klar: die Zahl der staatlichen Kontrollen sei viel zu niedrig. „Das Risiko für Mindestlohnbetrüger, erwischt zu werden, ist auch in der Landeshauptstadt viel zu gering“, kritisiert der Gewerkschafter.

Deshalb richtet die NGG einen klaren Appell an die Politik. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls müsse personell aufgestockt werden, um den Kontrolldruck auf die Betriebe in Wiesbaden zu erhöhen. Die Forderung der Gewerkschaft richte sich an den Bundesfinanzminister sowie an die Bundestagsabgeordneten der Region.

Mindestlohn nur ein „Trostpflaster“

Grundsätzlich macht Hallier deutlich, dass der gesetzliche Mindestlohn nur eine unterste Haltelinie sein könne. „Wirklich fair ist nur der Tariflohn. Der Mindestlohn ist immer nur die Notlösung – ein ‚Trostpflaster‘ bei der Bezahlung“, erklärt er. Aus diesem Grund fordert die NGG die Abgeordneten von CDU und SPD auf, sich für ein Bundestariftreuegesetz starkzumachen.