Corona-Krise: Wenn der Schlachthof zur Rettungswache wird

Die Rettungsdienste der Stadt nehmen derzeit Behelfs-Rettungswachen in Betreib, um ihre Mitarbeiter vor dem Coronavirus zu schützen. Der ASB arbeitet jetzt auch vom Schlachthof aus und hat einiges zu tun.

Corona-Krise: Wenn der Schlachthof zur Rettungswache wird

Normalerweise gehen die Wiesbadener zum Feiern in den Schlachthof. Normal ist zurzeit allerdings so gut wie nichts mehr in Wiesbaden. Das Coronavirus hat das Leben in der Stadt auf den Kopf gestellt — der Schlachthof und andere Locations stehen leer. Und so sind im Kesselhaus jetzt keine feierwütigen Partygäste mehr zu finden, sondern ein Rettungswagen, der rund um die Uhr auf seinen Einsatz wartet. Denn der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hat am Montag eine Rettungswache im Backstagebereich des Kesselhauses eingerichtet.

Neue Rettungswache im Kesselhaus

„Da wir unser Haus gerade nicht für Veranstaltungen nutzen können, haben wir es für die Menschen zur Verfügung gestellt, die auch jetzt noch Tag und Nacht raus müssen, wo eigentlich zu Hause bleiben angesagt ist“, schreibt der Schlachthof dazu. In zwei Schichten pro Tag ist die neue Rettungswache jetzt mit je einem Rettungssanitäter und einem Notfallsanitäter oder Rettungsassistenten besetzt. Von dort aus können die Kräfte des ASB direkt zu Einsätzen fahren.

Behelfswachen als Schutz vor Ansteckung

Die Wache im Schlachthof ist nicht die einzige neue im Stadtgebiet. Auch in Bierstadt und Taunusstein nutzt der ASB derzeit die Räume als Rettungswachen, die er nicht mehr anderweitig nutzen kann. In Bierstadt sind es die Räume der ASB Tagespflege, in Taunusstein die des Autismuszentrums. Auch andere Rettungsdienste haben Behelfs-Rettungswachen in Betrieb genommen.

Der Grund dafür ist schnell erklärt. Wie Jeff Mertens, Bereichsleiter Rettungsdienst beim ASB gegenüber Merkurist mitteilt, wolle man dadurch bewirken, dass weniger Kollegen in einer Wache sitzen. Dadurch verringere sich die Ansteckungsgefahr und die Rettungskräfte könnten weiterhin im Einsatz bleiben. Das sei wichtig, denn zu tun sei derzeit mehr als genug.

Corona stellt ASB vor organisatorische und wirtschaftliche Herausforderungen

„Wir sind damit beschäftigt, benötigtes Material insbesondere Infektionsschutzartikel teilweise zu horrenden Preisen, sofern überhaupt noch verfügbar, zu erhalten.“ - Jeff Mertens, ASB

„In den Bereichen Rettungsdienst, Hausnotruf und ambulanter Pflege sind wir damit beschäftigt, benötigtes Material insbesondere Infektionsschutzartikel teilweise zu horrenden Preisen, sofern überhaupt noch verfügbar, zu erhalten“, so Mertens. „Dieses stellt uns neben den hohen Anforderungen an unser Personal und die Organisation aller Maßnahmen auch vor eine wirtschaftliche Herausforderung.“ Neben der Tagespflege und dem Autismuszentrum musste der ASB wegen des Coronavirus’ auch die Breitenausbildung einstellen. Andere Bereiche wie die Kindertagesstätten mussten die Verantwortlichen neu strukturieren, um die Notbetreuung aufrechtzuerhalten.

Stadt und Feuerwehr bitten auch weiterhin darum, den Notruf 112 nur in dringenden Fällen zu wählen. Fragen rund um das Coronavirus beantworten die Mitarbeiter des Infotelefons der Stadt täglich von 8 bis 20 Uhr unter der Nummer (0611) 318080. Unter (0800) 5554666 ist außerdem täglich von 8 bis 20 Uhr die hessenweite Hotline des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration erreichbar. (ts)

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