Hessen ist eines der ersten Bundesländer, in denen am kommenden Montag das neue Schuljahr beginnt. Das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen hat nun einige Maßnahmen und Projekte für den Schuljahresstart beschlossen. Armin Schwarz, Bildungsminister (CDU), berichtete bei einer Pressekonferenz in Wiesbaden über die neuen Änderungen.
Rechtsanspruch im Ganztag
So gilt seit dem 1. August ein Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung für Kinder in der ersten Klasse. Für ein umfassendes Ganztagsangebot bringt das Land 370 zusätzliche Lehrkräftestellen zum kommenden Schuljahr ein. 96 Prozent der öffentlichen Schulen in Hessen können so Ganztagsangebote anbieten, das sind neun Prozent mehr als im Vorjahr. „Jedes Kind, das einen Ganztagsplatz braucht, kann auch einen zur Verfügung gestellt bekommen“, so Schwarz.
Dabei sollen im Ganztag nicht nur die Kernkompetenzen in Mathematik und Deutsch, sondern auch Themen wie Medienbildung und KI, Wertevermittlung, Gesundheit und Wohlbefinden vermittelt werden. „Medienbildung ist ein Querschnittsthema. In jedem einzelnen Unterrichtsfach muss Medienbildung ein Stück weit kultiviert sein“, so Schwarz. Daher werde auch das Pilotprojekt „Digitale Welt“ ab dem neuen Schuljahr in den Ganztag überführt.
Pilotprojekt an hessischen Schulen wird fortgesetzt
Ein zentraler Aspekt der neuen Maßnahmen ist ein Pilotprojekt, das im Frühjahr bereits an 30 Schulen erprobt wurde und jetzt an insgesamt 60 Schulen umgesetzt wird. Bei diesem Projekt werden an den Schulen fünf, statt wie bisher zwei, verpflichtende Lehrstandserhebungen über mehrere Klassenstufen hinweg durchgeführt. Der Schwerpunkt liegt dabei im Fach Mathematik. Ziel sei es, Daten zu erheben, die als Grundlage für individuelle Fördermaßnahmen und zur Weiterentwicklung von Schulen genutzt werden können.
Den teilnehmenden Schulen stünden dafür digitale Geräte bereit, auch Qualifizierungen in der Datennutzung für Lehrkräfte sind vorgesehen. Die Umsetzung der sogenannten „datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung“ ist seit dem 1. August im Schulgesetz verankert. Bis Ende des Schuljahres 2026/2027 läuft das Projekt, das nach einer begleitenden Evaluation in die geplante Ausweitung gehen soll, erklärte Armin Schwarz.
Stärkung von Mathematik- und Deutschkompetenzen
Das Lernsystem „bettermarks“, das auch den Schulen des Pilotprojekts zur Verfügung gestellt wird, wird für das Fach Mathematik ausgeweitet und ermöglicht nun auch Erhebungen zum Lernstand. Die Plattform biete, so Schwarz, passende Aufgaben für jeden Lernstand und kann flexibel in den Unterrichtsphasen eingesetzt werden.
Zudem wird eine Lesezeit in den dritten und vierten Klassen der Grundschulen eingeführt. In anderen Bundesländern gibt es bereits ähnliche Maßnahmen, jetzt zieht Hessen nach. An 100 Grundschulen soll eine feste tägliche Lesezeit von 20 bis 25 Minuten stattfinden. Armin Schwarz erläuterte: „Wir versprechen uns dadurch, dass die Begeisterung fürs Lesen gefördert wird. Lesen ist die Grundlage.“ Daher könne die beschlossene Lesezeit auch fachunabhängig durchgeführt werden.
Was passiert noch im neuen Schuljahr?
An den ersten Schulen beginnt mit dem Schuljahresbeginn auch der neue konfessionell-kooperative Religionsunterricht, bei dem evangelische und katholische Schüler gemeinsam lernen. Und das neue Schulgesundheitsmobil wird Lehrkräfte direkt vor Ort mit Angeboten zu mentaler Gesundheit, Bewegung und Ernährung unterstützen. Fortgesetzt werden Maßnahmen wie der Wiederbelebungsunterricht, Angebote der Bundeswehr-Jugendoffiziere und der Kulturbus, der den Schulen kostenfreie Fahrten zu kulturellen Einrichtungen in Hessen ermöglicht.
Unterrichtsversorgung und neues Bildungspaket
Der Fachkräftebedarf unterscheide sich in Hessen von der Situation in anderen Bundesländern, sagte Armin Schwarz. Fast 67.000 Lehrkräfte würden im neuen Schuljahr an den Schulen in Hessen arbeiten. Die Investitionen in Bildung sei um 370 Millionen Euro gestiegen. Auch Quereinstiegs- und Weiterbildungsprogramme würden umgesetzt und ermöglichten 820 neue Lehrkräftestellen für das kommende Schuljahr.
Armin Schwarz resümierte: „Die Tatsache, dass wir jetzt das Land mit den wenigsten Schulabbrechern sind, bestätigt unsere klaren Kurs und Kompass.“
Aktuell stimmt die Landesregierung noch das angekündigte Bildungspaket ab, das in der zweiten Hälfte der Legislatur und darüber hinaus weitere Schwerpunkte in der Bildungspolitik setzen soll. Schwarz kündigte an, dass trotz der „angespannten Haushaltslage“ mehr Geld für Bildung ausgegeben werden solle. Er erklärte: „Wir setzen für die Bildung unserer Kinder alle Hebel in Bewegung.“