WiesPaten: Ein Projekt wächst

Unternehmen und studentische Lehrkräfte bilden den Kern des Programms WiesPaten. Mit gezielter Förderung und internationalem Austausch sollen sowohl schulische als auch soziale Kompetenzen der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen verbessert werden.

WiesPaten: Ein Projekt wächst

Schon seit 2009 gibt es in Wiesbaden das Programm WiesPaten. Die Initiative verfolgt einen in Deutschland bislang einmaligen Ansatz: Unternehmen engagieren sich und übernehmen Patenschaften, um Schülern mit Förderbedarf Kenntnisse aus verschiedensten Bereichen zu vermitteln. Was anfangs als eine Art Deutschkurs begann, richtet sich mittlerweile nicht mehr nur an Jugendliche mit Migrationshintergrund.

„Der Ursprung war ein Projekt der Mercator-Stiftung, das Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in verschiedenen Städten in Deutschland Förderunterricht zuteil werden ließ, um ihre Sprachkompetenz zu erhöhen“, erinnert sich Elisabeth Ganss. Sie hat seit sieben Jahren die Schirmherrschaft über das Projekt inne. Als die finanzielle Förderung durch die Stiftung auslief, nahm sich die Stadt dem Programm an und hauchte gemeinsam mit vier Pionierunternehmen WiesPaten neues Leben ein.

Unternehmen werden zu Paten

„Die Initiative baut auf dem Modell des Förderunterrichts auf.“ - Elisabeth Ganss

Inzwischen beteiligen sich 17 Patenunternehmen an dem Projekt. Auf der anderen Seite stehen rund 140 Jugendliche, die in 19 WiesPaten-Gruppen an zwölf Standorten aufgeteilt sind. „Die Initiative baut auf dem Modell des Förderunterrichts auf“, erklärt Ganss. Dieser wird von studentischen Lehrkräften gestaltet, die dadurch selbst in Bezug auf ihr Lehramtsstudium profitieren. Ein bis zwei Mal pro Woche setzen sich diese in kleinen Gruppen mit den Jugendlichen zusammen. Dabei hat sich das Projekt mittlerweile vom reinen Deutschunterricht gelöst und vermittelt auch Kenntnisse in anderen Bereichen, immer orientiert am Bedarf der Schüler.

In den mittlerweile acht Jahren, die das Projekt schon existiert, konnte bereits vieles erreicht werden. „Wir beobachten bei den Jugendlichen nicht nur die angestrebte Verbesserung schulischer Leistungen“, so Ganss. Auch Sozialkompetenz und Selbstbewusstsein der Teilnehmer erfahre durch WiesPaten einen deutlich erkennbaren Schub. Das freut nicht nur alle, die sich für das Projekt engagieren, sondern komme auch bei den teilnehmenden Jugendlichen gut an.

„Jugendliche erhalten die Möglichkeit, eine Woche im europäischen Ausland zu verbringen.“ - Elisabeth Ganss

Als Patenunternehmen sind beispielsweise die Soka-Bau, die R+V und die Naspa an Bord. „Die Patenunternehmen finanzieren mit ihrer jährlichen Spende die WiesPaten-Lehrkräfte und damit den regelmäßigen WiesPaten-Unterricht“, erklärt Karoline Deissner von WiesPaten das Engagement. Darüber hinaus organisieren sie aber auch andere Veranstaltungen wie etwa „WiesPaten International“. „Hier erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, eine Woche in den Herbst- oder Osterferien im europäischen Ausland zu verbringen und auch an Maßnahmen des internationalen Jugendaustauschs teilzunehmen“, erklärt Ganss.

In diesem Jahr gab es bereits vier internationale Projekte, Jugendbegegnungen mit Partnern in Spanien, Polen, Frankreich und Griechenland wurden bereits realisiert. „Ein Projekt besteht dabei aus einer Hin- und einer Rückbegegnung, also einmal trifft man sich für eine Woche beim Partner im Ausland – und die Jugendlichen von dort sind dann auch eine Woche in Wiesbaden zu Gast“, erläutert Deissner. An jedem Projekt nehmen zwei WiesPaten-Gruppen und - wenn möglich - jemand aus den Patenunternehmen teil.

Optimistisch in die Zukunft blicken

Anfang 2018 wird es ein Dankeschönfest im Mercure Hotel Wiesbaden City geben. Aber auch darüber hinaus blickt Deissner in eine positive Zukunft für das Projekt: „Ich denke, WiesPaten bleibt spannend und ein Gewinn für alle Beteiligten. Für die nahe und ferne Zukunft freuen wir uns natürlich über weitere Patenschaften, denn der Bedarf an Unterstützung ist riesengroß.“ Aus welchem Bereich das jeweilige Unternehmen kommt ist dabei egal. „Es muss nur Menschen geben, die neugierig sind auf die Jugendlichen und ihre Lebenswelt.“

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