Wo Fotografieren in Wiesbaden erlaubt ist und wo nicht

Nicht alle Motive, die Wiesbaden bietet, dürfen ohne Erlaubnis in sozialen Netzwerken geteilt werden. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.

Wo Fotografieren in Wiesbaden erlaubt ist und wo nicht

Mit ihren goldenen Türmen ist die russisch-orthodoxe Kirche auf dem Neroberg eines der beliebtesten Fotomotive der Wiesbadener. In den sozialen Netzwerken finden sich etliche Schnappschüsse und Hochglanzaufnahmen des Wahrzeichens. Doch wer die Marmorböden und die Fresken im Innern sehen will, muss sich selbst auf Weg zum Neroberg machen. Bildern aus dem Innern der Kirche findet man fast gar nicht. Der Grund: Das Fotografieren im Gotteshaus ist verboten — erst recht die Verbreitung der Aufnahmen. Nur mit Anmeldung und Genehmigung durch den Erzpriester dürfen ausgewählte Fotografen die heiligen Räume ablichten. Der Grund: Die Kirche soll ein Ort des Friedens und Glaubens sein und nicht zum Ausflugsziel von Hobby-Fotografen werden.

Opelbad

Auch im Freibad auf dem Hausberg dürfen sich Besucher nicht mit ihrer Kamera austoben. Das Mitbringen von Handys, die in der Regel Fotos und Videos aufnehmen können, ist dort zwar nicht verboten, doch in der Hausordnung des Bades steht eindeutig geschrieben: „Fotografieren und Filmen fremder Personen ist ohne deren Einwilligung rechtlich nicht gestattet.“ Wer im Opelbad auf den Auslöser drückt, sollte also gut darauf achten, dass kein Fremder durchs Bild läuft. Wer den Saunabereich besucht, muss sein Handy übrigens schon vorher abgeben. „Geräte, mit denen fotografiert und/oder gefilmt werden kann, dürfen in den textilfreien Bereich nicht mitgenommen werden.“

Kurhaus

Wenn keine Veranstaltungen stattfinden, ist das Foyer von Wiesbadens Wahrzeichen rund um die Uhr geöffnet. Wie eine Sprecherin bestätigt, dürfen dann auch jederzeit Fotos gemacht werden - sogar zu werblichen Zwecken, nur müssen letztere vorher angemeldet werden. Gleiches gelte für den Kurpark während seiner Öffnungszeiten. „Ein Großteil der Fotoshootings im Kurhaus sind Hochzeitsshootings“, sagt die Sprecherin. An manchen Samstagen seien es bis zu zehn Paare, die sich ablichten lassen. „Hier bitten wir darum, das Shooting im Foyer auf maximal 15 Minuten zu begrenzen, um allen die Möglichkeit zu geben, ein schönes Hochzeitsfoto zu bekommen.“ In allen Fälle gehen die Betreiber des Kurhauses davon aus, dass die Fotografen sich zuvor das Einverständnis der Personen eingeholt haben, die sie fotografieren. Die Regelungen während Konzerten hingegen legen die Veranstalter fest. „Darauf wir dann noch mal explizit auf der Eintrittskarte, im Programm, beim Einlass oder in einer Ansprache hingewiesen“, so die Kurhaus-Sprecherin.

Schloss Biebrich

Auch im Biebricher Schlosspark werden viele Bilder geschossen, etwa von der Mosburg. Am Weiher in der Sonne bietet sie sich für ein Panorama-Foto regelrecht an. Problematisch wird es hingegen rund um das Schloss, genauer gesagt im Schloss. Doch gerade zur Hochzeitssaison im Sommer wollen viele Besucher dort Erlebtes festhalten. „Fotografieren ist grundsätzlich erlaubt. Videoaufnahmen sind ausschließlich für private Zwecke gestattet“, steht für Brautpaare in der Hausordnung. Das Brautpaar darf während der Trauung also von seiner Familie in der Rotunde fotografiert und auch gefilmt werden — die Aufnahmen dürfen aber nicht für werbliche Zwecke, etwa als Szenen in einem Werbeclip, verwendet werden.

Auf die Perspektive kommt es an

Wer Landschafts- oder Stadtaufnahmen macht, kann sich in Deutschland über die herrschende Panoramafreiheit freuen. Sie ist als Paragraph 59 verankert und besagt, dass jeder „Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, durch Malerei, Foto oder Film zu vervielfältigen, zu verbreiten oder öffentlich wiedergeben [darf].“ Eine wichtige Einschränkung gibt es jedoch: Die Erlaubnis bezieht sich nur auf die Außenansicht, und gilt nicht für Innenräume, dort greift das Hausrecht des Eigentümers.

Auch wer aus der Luft fotografieren will, muss sich vorher genau kundig machen. Eine Drohne darf in Wiesbaden nicht einfach so abheben. Stattdessen muss bei der Stadt ein Antrag auf Drehgenehmigung eingereicht werden.

Zudem dürfen andere Personen nicht einfach ohne ihre Einwilligung abgelichtet werden. Sie haben ein „Recht aufs eigene Bild“ und können von einem Fotografen verlangen, dass er das Fotos löscht, auf dem sie zu erkennen sind. Davor schützen können sich Fotografen nur, indem sie alle abgelichteten Personen um ihre Erlaubnis fragen, einen anderen Bildausschnitt wählen oder zu einem späteren Zeitpunkt noch mal kommen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Bilder für eine Veröffentlichung bei Facebook oder Instagram gemacht werden. (lp)

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