Wiesbadener Dezernent überraschend abgesetzt

Die SPD-Spitze in Wiesbaden hat entschieden: Hendrik Schmehl soll sein Dezernat verlieren. Stattdessen soll eine Parteikollegin den Posten übernehmen, den die SPD behalten konnte – trotz neuer Maracuja-Koalition.

Wiesbadener Dezernent überraschend abgesetzt

Obwohl die neue „Maracuja-Koalition“ in Wiesbaden der SPD überraschend das Schul- und Kulturdezernat überlässt, soll der bisherige Amtsinhaber Hendrik Schmehl (SPD) gehen. Das berichtet der Wiesbadener Kurier. An seiner Stelle solle künftig die bisherige Sozialdezernentin Patricia Becher (ebenfalls SPD) das Amt übernehmen.

SPD-Spitze sägt Dezernenten ab

Die beiden SPD-Vorsitzenden Alexander Hofmann und Susanne Hoffmann-Fessner hätten diese Entscheidung getroffen. Die neue Regierungskoalition aus CDU, Grünen, FDP und Volt hatte der SPD das Dezernat angeboten, obwohl die Sozialdemokraten nicht Teil des sogenannten Maracuja-Bündnisses sind. Zuvor hatte die neue Mehrheit in einer ersten Abstimmung alle amtierenden Dezernenten abgewählt. Der zweite und entscheidende Wahlgang soll in der kommenden Woche am 27. August stattfinden.

Parteivorsitzender Alexander Hofmann begründe die Entscheidung für Becher und gegen Schmehl mit der Frauenförderung. Da der Oberbürgermeister, der Landtagsabgeordnete und der Fraktionsvorsitzende Männer seien, habe man sich für Patricia Becher im Magistrat entschieden. Es sei eine Entscheidung für jemanden und keinesfalls gegen Hendrik Schmehl gewesen, habe Hofmann betont.

Wirbel in der SPD

Die Entscheidung wird innerhalb der Wiesbadener SPD kontrovers diskutiert. Schmehl war von 2019 bis 2023 SPD-Fraktionsvorsitzender im Wiesbadener Rathaus und seit September 2023 Dezernent – schul- und kulturpolitische Themen gelten als sein Fachgebiet.

Patricia Becher ist promovierte Biologin und Pädagogin. Die 42-Jährige war von 2019 bis 2023 Vorsitzende der Wiesbadener SPD und hatte Schmehl bereits vertreten, als dieser krankheitsbedingt ausfiel. Sowohl Hendrik Schmehl als auch Patricia Becher hätten sehr kurzfristig von der Entscheidung erfahren und möchten sich bisher noch nicht öffentlich äußern.