Diese drei Wiesbadener Kult-Lokale haben 2021 ihr Aus bekanntgegeben

Drei traditionsreiche Lokale haben 2021 bekanntgegeben, dass sie schließen werden. Eines davon hat bereits dicht gemacht. Ein trauriger Jahresrückblick.

Diese drei Wiesbadener Kult-Lokale haben 2021 ihr Aus bekanntgegeben

Sie waren feste Institutionen in der Stadt, gehörten seit Jahrzehnten zu den Lieblingslokalen vieler Wiesbadener – doch jetzt ist für sie Schluss. Drei Wiesbadener Kult-Gastronomien gaben 2021 ihr Aus bekannt und das nicht wegen Corona.

Winzerstübchen

Das „Winzerstübchen“ schloss bereits am 3. Dezember seine Tür. Das Haus in der Arndtstraße, in dem das Lokal seit 1988 ansässig war, wurde verkauft. Gespräche über einen Weiterbetrieb mit den neuen Eigentümern aus Frankfurt scheiterten. Wirtin Beate Arthen, die das Traditionslokal 2017 von der mittlerweile verstorbenen ehemaligen Chefin Ursel Schittler übernahm und in ihrem Stil weiterführte, zog also aus.

„Ich bin todunglücklich. Das Winzerstübchen war und ist für das Viertel so wichtig“ - Winzerstübchen-Gast

Die Stammgäste des Lokals macht das traurig und wütend, wie man in den vielen Kommentaren auf der „Winzerstübchen“-Facebookseite lesen kann. „Ich bin todunglücklich. Das ‘Winzerstübchen’ war und ist für das Viertel so wichtig“, schreibt ein Gast. Beate Arthen will das Lokal deshalb auch nicht aufgeben, wie sie im Sommer gegenüber dem Sensor erklärte. Sie sucht nach einem neuen Standort „am liebsten hier im Dichterviertel, vielleicht mit einem etwas anderen Konzept, aber der Mittagstisch als Markenzeichen muss bleiben“.

Finale

Seit 1989 gilt das „Finale“ in der Emser Straße als Szenekneipe in Wiesbaden. Seit Jahrzehnten wird dort gegessen, getrunken und gefeiert. In diesem Jahr stand dann fest, dass das in Zukunft vorbei sein wird. „Das Finale sagt tschüss“, heißt es auf der Webseite. Am 31. Dezember soll noch einmal unter Corona-Bedingungen gefeiert werden, dann schließt die Kneipe im Westend. Grund seien Mietrückstände des Betreibers, der das Finale 2010 übernommen hatte, erklärte die Hausbesitzerin gegenüber dem Wiesbadener Kurier. In Zukunft wird in die Räume wohl ein Gewerbe einziehen. Ob das Finale an anderer Stelle wiedereröffnen wird, ist nicht bekannt.

Sherry & Port

Das Team des „Sherry & Port“ blickt auf eine über 40 Jahre lange Geschichte zurück – und beendet sie am Jahrestag. Am 1. April 1980 eröffnete das Lokal in der Adolfsallee und am 1. April 2022 wird es schließen. Das teilten die Betreiber Ende September in einem emotionalen Statement mit. Der Grund für das Aus sei, dass ein jahrzehntelanger Mietvertrag auslaufe und „das Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter nicht schlechter sein könnte“. Neue Verhandlungen zu einer möglichen Vertragsverlängerung seien nach unzähligen Streitereien ausgeschlossen.

„Und ohne zu viel zu verraten, da kommt noch was und da kommt noch mehr…“ - Sherry & Port-Team

Den 42. Geburtstag am 1. April 2022 wolle man aber noch feiern und auch eine gute Nachricht konnte das Team verkünden: Sowohl der Caspar Garten nebenan als auch das Château Nero auf dem Neroberg wird es weiterhin geben. Damit die Fans des Lokals in Zukunft nicht auf die Sherry-Küche verzichten müssen, bietet die „Futterlogistik“, die während der Corona Zeit als To-Go-Geschäft entstand, auch weiterhin ihre Dienste an. „Und ohne zu viel zu verraten, da kommt noch was und da kommt noch mehr“, kündigte das Team an.

Gewerkschaft und Politik beschäftigen sich mit Kneipensterben

Diese drei Schließungen können Grund zur Sorge geben. Bereits im Sommer, als fast klar war, dass das „Winzerstübchen“ schließen wird, meldeten sich der Deutsche Gewerkschafsbund (DGB) und die Initiative „Gemeinwohl hat Vorfahrt“ zu Wort. Sascha Schmidt, Vorsitzender des DGB Wiesbaden Rheingau-Taunus forderte flächendeckende Erhaltungssatzungen für die Innenstadtquartiere. „Als Eignerin von Liegenschaften kann und muss die Stadt Wiesbaden die Mieten für Wohn- und Gewerbeimmobilien auf erträglichem Niveau deckeln. Das wirkt der Abwanderung von Bewohner*innen, Einzelhandel und Gastronomie, die nicht so zahlungskräftig sind, entgegen und setzt keine Fehlanreize wie die nachträgliche Mietbezuschussung.“ Auch die Rathausfraktionen von Grünen, SPD, Linke und Volt forderten die Stadt auf, Lösungen zu finden, um dem Kneipensterben entgegenzuwirken.

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