Dreck und Urin: Anwohner beklagen Zustand von Wiesbadener Passage

Anwohner und Ladenbesitzer rund um die Schellenbergpassage ärgern sich seit vielen Jahren über Dreck, Urin und Lärm. Der Stadtpolizei war das Ausmaß bisher nicht bekannt.

Dreck und Urin: Anwohner beklagen Zustand von Wiesbadener Passage

Mit Urin bespritzte Passagenwände und Schaufenster, leere Alkoholflaschen und anderer Müll — Die Schellenbergpassage, die unmittelbar an den Drei-Lilien-Platz grenzt, gibt kein schönes Bild ab. Einzelhändler und Anwohner klagen schon seit längerer Zeit über die Zustände vor ihren Läden und Wohnhäusern. Laut der Anwohner ist die Schellenbergpassage ein beliebter Treffpunkt für die meist jungen Erwachsenen, die auf den Treppenstufen oder dort angebrachten Fahrradständern, meist abends, überwiegend am Wochenende, „campieren“.

Das sagen die Betroffenen

„Das sind unmögliche Zustände hier. Es wird gesoffen, alles vollgepisst, laut Musik gespielt und Müll hinterlassen“, erzählt eine verärgerte Bewohnerin des Wohnhauses am Drei-Lilien-Platz 1. Das Verhalten der jungen Leute wird auch als eher unangenehm beschrieben, oft blockieren sie die Eingangstür der Anwohner, indem sie sich vor die Tür stellen und dort auf den Eingangstreppen niederlassen. Ein weiterer Bewohner des Hauses am Drei-Lilien-Platz 1 wurde kürzlich verbal belästigt, nachdem er die jungen Erwachsenen aufforderte die Passage zu verlassen.

„Dass ich hier regelmäßig mit der Kanne herumrenne, bezahlt mir auch keiner.“ - Besitzerin des Beautypoints

Auch die Besitzerin des Kosmetikstudios Beautypoint klagt über das Treiben rund um die Passage. „Das ist ein Dauerzustand, nicht nur während Großveranstaltungen und Straßenfesten. Ein Anruf beim Ordnungsamt hilft nur bedingt, am nächsten Tag sieht es doch wieder genauso aus. Dass ich hier regelmäßig mit der Kanne herumrenne, bezahlt mir auch keiner“, so die Inhaberin. In dem Bereich um den Beautysalon sei es außerdem schon öfter zu Vandalismus und Schlägereien gekommen.

Hans-Peter Erkel, dem Leiter der Stadtpolizei waren diese Zustände in diesem Ausmaß jedoch bisher nicht bekannt. „Die Schützenhofstraße, die Theaterkolonnaden und weitere Plätze in Wiesbaden sind uns als problematische Ecken bekannt. Aber, dass das in der Schellenbergpassage so schlimm und ungesittet zugeht, das wusste ich nicht“, so Erkel. Darüber können vor allem die Ladenbesitzer nur schmunzeln, da dieses Thema über die Jahre hinweg mehrfach beim Ordnungsamt angesprochen wurde.

Für die Buchhandlung Vaternahm, den Kiosk und die Modeboutique Livenza ist die fehlende Sauberkeit des Platzes ein Problem. „Das ist ne Partymeile, oder das ewig vernachlässigte Stiefkind“, lacht der Boutique-Besitzer sarkastisch. „Die Kehrmaschinen, fahren oft einfach vorbei. Nur, wenn ich die herwinke, kommt der“, so der Inhaber. Laut des Pressesprechers der ELW Frank Fischer, fährt die Kehrmaschine sieben Mal die Woche diesen Bereich ab: „Hierbei handelt es sich um eine normale Straßenreinigung, trocken, keine Nassreinigung. In Sonderfällen kann auch eine Nassreinigung veranlasst werden“, so Fischer. „Diese ist allerdings nicht Bestandteil der Satzungsreinigung, diese entsorgt lediglich lose Abfälle und muss dann in den meisten Fällen von den Betroffenen selbst getragen werden.“, so Abteilungsleiter Frank Maier von der Stadtreinigung Wiesbaden.

Um für bessere Zustände zu sorgen, hatten sich mehrere Ladenbesitzer zusammen getan und ein Gespräch mit der IHK hinsichtlich der Zustände rund um die Schellenbergpassage geführt. „Ein bisschen was wurde umgesetzt, aber nicht viel“, so der Boutique-Besitzer. Insgesamt sind sich alle Beteiligten einig, dass durch regelmäßige, konsequente Kontrollen und ordnungsgemäße Reinigung die Probleme beseitigt werden könnten.

Die Stadt reagiert mit Maßnahmen

Das Ordnungsamt hatte nach der Anfrage von Merkurist seit letztem Dienstag, den 3. März bis zur Nacht zum 9. März, präventive Streifgänge in der Zone rund um den Drei-Lilien-Platz durchgeführt. Allerdings wurden laut Erkel keine unangenehm auffallenden Jugendlichen vorgefunden. „Zukünftig werden wir definitiv ein Augenmerk auf diese Ecke werfen, aber nicht mehr so frequentiert. Sollten erneut Beschwerden gemeldet werden, werden wir die Kontrolldichte wieder hoch fahren“, so Erkel. (nl)

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