Linke verärgert über Leerstand am Bismarckring

Seit rund zehn Jahren verwaist das Wohngebäude am Bismarckring 23. Die Linke fordert jetzt ein Treffen mit dem Besitzer, der das Haus sanieren und die Wohnungen wieder vermieten soll.

Linke verärgert über Leerstand am Bismarckring

In zentraler Lage an der Ecke Bismarckring/Bleichstraße steht ein Haus, das auf acht Stockwerken den Klingelschildern zu urteilen Platz für rund 16 Wohnungen bietet. Mitten im Stadtteil Westend, in dem laut Amt für Statistik und Stadtforschung derzeit mehr als 27.000 Einwohner auf einer Fläche von gerade einmal 0,67 Quadratkilometern leben. Eigentlich ein wichtiger Standort in Zeiten, in denen in ganz Wiesbaden Wohnungsnot herrscht.

Haus zerfällt

Doch das Gebäude zerfällt und wird im Stadtteil von Bewohnern und Politikern als „Schandfleck“ bezeichnet. Auf der Treppe zur großen Eingangstür sammeln sich Müll, Zigarettenkippen und leere Flaschen. Die Wände sind beschmiert und zum Teil mit alten Plakaten beklebt. Durch die Fenster erkennt man nur noch an einzelnen Fenster Vorhänge, die von Mietern beim Auszug zurückgelassen wurden. Auch eine Arztpraxis im zweiten Obergeschoss ist ausgezogen. Nur im Erdgeschoss gibt es noch eine Filiale der Wiesbadener Volksbank.

Die Fraktion Linke-Westend ärgert sich über den Verfall des Hauses. Auf ihren Antrag hin wurde das Gebäude jetzt Thema im Ortsbeirat. Dort haben die Politiker beschlossen, den Eigentümer des Hauses, einen Immobilienmakler aus Frankfurt, in die Verantwortung zu nehmen. Er sollte nach Wiesbaden kommen und seine Pläne für die Zukunft des Hauses erklären.

Absage aus gesundheitlichen Gründen

Doch der Hauseigentümer versetzte die Wiesbadener. Aus gesundheitlichen Gründen ließ er sich entschuldigen. Der Zeitung „Mensch!Westend“ gegenüber hatte er zwar im Frühjahr angekündigt, bald mehrere Millionen Euro in die Sanierung des Hauses zu stecken, doch einen Starttermin für die Arbeiten ist er den Westendlern noch immer schuldig.

Um Druck auf den Immobilienmakler aufzubauen fordert die Linke jetzt einen erneuten Termin für ein Treffen — notfalls solle der Besitzer durch einen Verantwortlichen aus seiner Firma in Wiesbaden vertreten werden. Sollte er nicht in der Lage sein, das Gebäude zeitnah für neue Vermietungen in Schuss zu setzen, verlangt die Partei sogar eine Enteignung, um nach zehn Jahren den Leerstand zu beenden. Dabei bezieht sich die Partei in ihrem Antrag an den Ortsbeirat auf „die im Grundgesetz festgeschriebene Sozialbindung des Eigentums und die verfassungsrechtliche Möglichkeit der Enteignung, wie sie beispielsweise bei Straßenbaumaßnahmen in diesem Lande häufig praktiziert wird.“ (ts)

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