Kranker Balou sucht noch immer ein Zuhause

Der Wiesbadener Tierheimhund Balou sucht dringend eine Pflegeperson, die ihn nach einer Operation aufnimmt - sonst muss er eingeschläfert werden. Trotz mehrerer Medienberichte hat sich aber noch keine geeignete Person gefunden.

Kranker Balou sucht noch immer ein Zuhause

Die Geschichte des kranken Schäferhund-Mix Balou aus dem Tierheim Wiesbaden hat in den vergangenen zwei Wochen tausende Menschen berührt. Viele lokale und überregionale Medien berichteten über den fünf Jahre alten Schäferhund-Mix und seine ungewisse Zukunft. Facebook-Posts, die sich um ihn drehten, wurden tausende Male geteilt, viele Nutzer hinterließen emotionale Kommentare, nahmen Anteil und hofften auf ein Happy End.

Balou sucht weiterhin dringend eine Pflegeperson

Denn Balou lebt im Wiesbadener Tierheim und sucht dringend eine Pflegefamilie. Er hat vor Kurzem seinen zweiten Bandscheibenvorfall erlitten und muss deshalb operiert werden. Das Tierheim kann die Therapie nach dem Eingriff allerdings nicht leisten, weshalb sie jetzt nach jemandem sucht, der den Hund bei sich aufnimmt. Findet sich niemand, muss der lebensfrohe Balou eingeschläfert werden (wir berichteten).

„Allerdings konnte sich leider keiner für Balou entscheiden und einmal auch Balou nicht für die Leute.“ - Henriette Hackl, Tierschutzverein

Bisher ist das Happy End allerdings noch nicht in Sicht. Trotz der vielen Berichte, der großen Anteilnahme in sozialen Netzwerken und vieler Anrufe im Tierheim hat sich noch kein passender menschlicher Begleiter für den jungen Hund gefunden. „Realistische Bewerbungen gab es bisher drei Stück“, erzählt Henriette Hackl, Vorsitzende des Wiesbadener Tierschutzvereins. „Allerdings konnte sich leider keiner für Balou entscheiden und einmal auch Balou nicht für die Leute.“

Richtige Person ist schwer zu finden

Denn die richtige Pflegeperson zu finden ist keine leichte Aufgabe. Das zeigt sich beispielsweise an der Bewerbung einer Merkurist-Leserin. Sie kannte Balou schon von Besuchen im Tierheim und hatte gehofft, ihn als neuen Lebensbegleiter bei sich aufnehmen zu können. Eigentlich gute Voraussetzungen. Allerdings wohnt die junge Frau im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses und müsste den Hund somit mithilfe einer Rampe in ihre Wohnung bringen. „Balou lässt sich nicht gerne anheben und das mit der Rampe ist in einem Mehrfamilienhaus nicht ganz praktisch vor allem wegen den bösen Nachbarn“, erzählte sie.

Ähnlich sehe es bei vielen anderen Bewerbern aus, erzählt Hackl. Viele Anrufer seien nicht als Pflegeplatz geeignet, sei es wegen ihrer Wohnsituation, ihrer Erfahrung mit Hunden oder Zeitmangel. Denn Balou wird ein spezielles Umfeld brauchen, um ein gutes Leben führen zu können. Eine Wohnung im Erdgeschoss, oder ein Haus mit Garten wären optimal.

Damit er genug Ruhe bekommt, sollte in dem Haushalt außerdem kein anderes Tier und am besten auch keine kleinen Kinder leben. Wer ihn bei sich aufnimmt, muss außerdem mit seinem territorialen Verhalten umgehen können, erklärt Hackl. Das heißt, er will sein Revier besonders schützen. Seine Vorbesitzer waren deshalb mit ihm überfordert und gaben ihn in ein Tierheim — insgesamt lebte er in seinem kurzen Leben schon in drei Heimen. Das alles mache es nicht einfacher, ihn zu vermitteln, so Hackl.

Kritik an Tierheim

„Wir tun momentan alles, dass Balou einen Platz findet und eben nicht eingeschläfert werden muss.“ - Henriette Hackl

Der Tierschutzverein gibt aber nicht auf. „Wir tun momentan alles, dass Balou einen Platz findet und eben nicht eingeschläfert werden muss“, betont sie. Denn unter den vielen Anrufern und E-Mail-Schreibern, die sich in den letzten Wochen an sie gewendet haben, waren auch Menschen, die das Tierheim kritisiert haben. Einige Menschen waren entsetzt, weil der Verein ankündigte, Balou einschläfern zu müssen, sollte sich keine Pflegeperson finden. „Niemand möchte Balou töten, im Interesse von Balou müssen wir aber irgendwann mit den Tierärzten zusammen entscheiden, ob die Schmerzen für Balou noch erträglich sind, oder wir ihn erlösen müssen“, sagt Hackl. Es ginge darum, sein Leben lebenswert und tiergerecht zu gestalten. Und das könne nur eine geeignete Pflegeperson leisten.

Tierschutzverein übernimmt Kosten

Wenn sich jemand findet, kann der Tierschutzverein Balou am 10. Dezember operieren lassen. Nach der Operation wäre Balou für eine Woche in der Tierklinik und danach drei Wochen lang bei seiner Physiotherapeutin untergebracht. Die Pflegeperson müsste ihn dann erst nach den Weihnachtsfeiertagen bei sich aufnehmen. Die Kosten für Operation und Therapie übernimmt der Verein selbst. Allein erste Untersuchungen kosteten fast 1000 Euro, die Operation wird sich auf zwischen 2000 und 3000 Euro belaufen. Genauso viel zahlte der Verein bereits für Balous erste Operation im Jahr 2018.

Wer sich vorstellen kann, Balou aufzunehmen und alle Voraussetzungen mitbringt, kann sich an den Tierschutzverein wenden. Entweder unter der Nummer 0611/74516 oder der E-Mail-Adresse hunde-info@tierheim-wiesbaden.de. Der Tierschutzverein bittet außerdem um Spenden, um die Kosten der Operation tragen zu können. (nl)

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