Burg Sonnenberg: Ein Mammutprojekt voller Überraschungen

Seit April läuft der sogenannte Masterplan zur Sanierung der rund 800 Jahre alten Burg Sonnenberg. Doch die alte Ruine entpuppt sich immer mehr als Mammutprojekt, das für einige Überraschungen gut ist.

Burg Sonnenberg: Ein Mammutprojekt voller Überraschungen

Dort, wo noch vor wenigen Monaten Touristen durch den steinernen Torbogen auf das Burggelände gelaufen sind, steht heute eine großer Bauzaun. „Betreten der Baustelle verboten“ steht in dicken, schwarzen Buchstaben auf einem gelben Schild, während drin Handwerker mit Schutzhelmen an einer der Mauern werkeln. An ihnen vorbei schlängelt sich der Weg nach oben. Bisher war dort das Restaurant Gollners. Jetzt wäre das alte Lokal aber längst nicht mehr zu erreichen. Denn in der kleinen Straße klafft ein ziemlich großes Loch.

Neben Steinen, Dreck und Schutt liegen dort nagelneue Rohre, denn unter dem Weg sollen bis Oktober 2020 alle wichtigen Leitungen liegen, die die Burgruine und ihre Gebäude mit Strom, Wasser, Gas und Co. versorgen. Das sind aber nicht die einzigen Arbeiten, die aktuell mit dem sogenannten Masterplan zur Sanierung der Burg Sonnenberg anstehen.

Stück für Stück

Auch der westliche Mauerschluss zum Gastronomiegebäude ist geplant, das alte Restaurant soll saniert und ein weiterer Fluchtweg eingerichtet werden. Dazu kommen Arbeiten an den Stützmauern, Fassaden und Dächern. Doch das stellt die Verantwortlichen rund um Projektleiterin Beate Sand vom Hochbauamt, den Amtsleiter Peter Maurer und Baudezernent Hans-Martin Kessler tagtäglich vor neue Herausforderungen.

Der Grund: Die Burg blickt auf eine etwa 800 Jahre lange Geschichte zurück. „Wir mussten im Vorfeld viel eruieren, was wir den Bauteilen statisch zumuten können“, erklärt Sand am Donnerstag vor Ort auf der Burg. „Wir können teilweise noch nicht abschätzen, was uns bei der Substanz erwartet.“ Mit dem Bagger können die Verantwortlichen hier also nicht einfach loslegen. Stattdessen müssen sie sich vorarbeiten - Stück für Stück und Stein für Stein.

„Wir müssen tagtäglich mit Überraschungen rechnen.“ - Peter Maurer, Leiter Hochbauamt

Und das ist manchmal gar nicht so einfach. „Wir müssen tagtäglich mit Überraschungen rechnen“, sagt Maurer vom Hochbauamt. Denn wirklich viele gesicherte Informationen darüber, wie die Burg früher aufgebaut war, gibt es nicht. „Sobald wir auf eine neue Mauer stoßen, kommt der Archäologe mit dem Pinsel.“ Gefunden wurden bisher schon verschiedenste Mauern aus dem Mittelalter, alte Bauhölzer, Keramik, eine Münze und sogar ein alter Backofen. Zumindest letzterer soll aufbereitet und restauriert werden, damit auch Burgbesucher ihn sich künftig ansehen können.

„Dem Verfall preisgegeben“

Gebaut wurde die Burg Sonnenberg wohl zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert. Damals gehörte sie den Mainzer Erzbischöfen, wurde schließlich von den Nassauern und zum Ende des 13. Jahrhunderts von den Eppsteinern in Beschlag genommen - und mit der Zeit stark zerstört. In den Jahrhunderten danach wohnten immer wieder Könige und Grafen in der Burg, investierten in den Aufbau. „Dann wurde die Burg dem Verfall preisgegeben“, erzählt Kessler.

Nachdem die Steine der Burg im Dreißigjährigen Krieg geplündert wurden, um Häuser wieder aufzubauen, entdeckten Wiesbadener Kurgäste die Burg Sonnenburg Anfang des 19. Jahrhunderts als spannendes Ausflugsziel. 1875 kaufte die Stadt Wiesbaden die Burg, und das, obwohl Sonnenberg damals noch gar nicht zu Wiesbaden gehörte. Seitdem wird immer wieder an der Burg gewerkelt. Nachdem seit 2007 bereits der Bergfried und und die Nord- und Westmauern der Oberburg saniert wurden, ist jetzt der nächste Teil der alten Gemäuer dran.

Der Zeitplan kann sich jeden Tag ändern

„Die Mauer hat sich selbstständig gemacht.“ - Hans-Martin Kessler, Baudezernent

Dabei wird auch die Südmauer restauriert, und das, obwohl sie für den aktuellen Bauabschnitt gar nicht eingeplant war. „Die Mauer hat sich selbstständig gemacht“, sagt Baudezernent Kessler. Ein Stück von etwa drei auf vier Metern ist vor kurzem halbkreisförmig abgebrochen und nach unten gestürzt. Jetzt hängt über dem Loch eine weiße Plane, die Mauer selbst ist mit Draht gesichert, damit keine weiteren Mauerstücke herunterfallen können. Weil die Mauer eine Stützfunktion hat, kümmern sich die Arbeiter schon jetzt um sie.

Die Mauer ist ein gutes Beispiel für die Überraschungen, die die Verantwortlichen auf der Baustelle am Sonnenberg immer wieder erwarten. Und diese könnten auch der Grund dafür sein, dass sich die Arbeiten verzögern. „Im Moment sind wir im Zeitplan“, sagt Amtsleiter Maurer. Doch das könne sich schnell ändern - denn auf dem Berg entstehe keine neue Schule oder ein Mehrfamilienhaus. Stattdessen werden an einem alten Bauwerk mit viel Geschichte gearbeitet. „Sie sehen ja, wie komplex das ist“, so Maurer.

„Bis wir fertig sind, liegen wir sicher in einem zweistelligen Millionenbereich.“ - Hans-Martin Kessler, Baudezernent

Nachdem aktuell noch an der Zufahrt und den Leitungen gearbeitet wird, starten im Herbst die Arbeiten an der Südmauer, den Fassaden und der Gastronomie. Wenn alles gut geht, soll die Burg Sonnenberg, zumindest im ersten Teil, bis Oktober 2020 fertig werden. 350.000 Euro haben Bund und Land dazugegeben, insgesamt rund 5,4 Millionen Euro nehmen Kultur- und Liegenschaftsamt für die Sanierung in die Hand - Stand jetzt. Denn wie Kessler klar macht, kann das Projekt noch deutlich teurer werden, eben weil auf der Burg nicht vorhersehbar ist, was noch alles auf die Arbeiter zukommt. „Bis wir fertig sind, liegen wir sicher in einem zweistelligen Millionenbereich“, sagt Kessler. (nl)

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