Altenpfleger aus Syrien sollte wegen Rechenfehler abgeschoben werden

Sami kam 2013 mit einem Visum aus Syrien nach Deutschland. Er ist im zweiten Lehrjahr als Altenpfleger beschäftigt und bei seinen Kollegen sehr beliebt. Doch nun soll er anscheinend abgeschoben werden.

Altenpfleger aus Syrien sollte wegen Rechenfehler abgeschoben werden

Sami war entsetzt, als er den Brief des Amtes für Integration und Zuwanderung aus Wiesbaden öffnete: 30 Tage gab man ihm Zeit, das Land zu verlassen. Sonst werde er abgeschoben. Der Syrer kam 2013 mit einem Visum nach Deutschland, gemeinsam mit seiner Ehefrau zog es ihn nach Wiesbaden.

Kaum angekommen, begann er, die deutsche Sprache zu erlernen und bemühte sich um einen Ausbildungsplatz. Fündig wurde er im Wiesbadener Kapellenstift, wo er sich aktuell im zweiten Lehrjahr zum Altenpfleger befindet. Nebenbei übt er außerdem noch einen Minijob aus, um den Lebensunterhalt für sich und seine Frau zu sichern. Um so bestürzter sind er und seine Kollegen nun über den Brief aus dem Integrationsamt.

Petition gestartet

Seine Kollegen wollten aber nicht nur schockiert zusehen, sondern starteten eine Online-Petition, die bereits von knapp 2000 Unterstützern unterzeichnet wurde. Unter dem Hashtag #samibleibthier wollen sie für ihren Kollegen kämpfen. „Wir dachten, damit wird alles gut. Der Aufenthalt von ihm und seiner Ehefrau sei gesichert, der Mangel an Pflegefachkräften in Deutschland nicht behoben, aber wenigstens in einer Einrichtung auf einem Wohnbereich etwas gemildert. Doch wir täuschten uns“, schreiben die Initiatoren.

Laut dem Bescheid reiche Samis Einkommen nicht, um den Lebensunterhalt zu sichern. 308,99 Euro fehlen ihm, um bleiben zu können. Das Gesetz sieht in solchen Fällen vor, dass die Aufenthaltsgenehmigung untersagt wird.

Der Syrer habe sich bestens im Kollegenkreis integriert, man schätze seine hilfsbereite und kompetente Art im mitfühlenden Umgang mit den Bewohnern, so die Mitarbeiter im Kapellenstift. „Wir empfinden die drohende Abschiebung nicht nur aus fachlicher und menschlicher Sicht, sondern auch aus ökonomischer Perspektive absolut widersinnig.“

Wird alles gut?

„Es gibt keine Abschiebung.“ - Sozialdezernent Christoph Manjura

Wiesbadens Sozialdezernent Christoph Manjura (SPD) ist der Fall bekannt. Doch er kann beruhigen: „Es gibt keine Abschiebung.“ Man habe den Inhalt des Schreibens missverstanden. Derzeit werde niemand nach Syrien abgeschoben. „Nur wenn es wieder zu Abschiebungen nach Syrien käme, blieben ihm 30 Tage Zeit zur Ausreise“, klärt er auf Nachfrage von Merkurist auf.

Da Sami mit einem Visum eingereist sei, gebe es diese Einkommensgrenze nunmal. „Er hat aber noch immer die Möglichkeit, Asyl zu beantragen.“ Die Chancen, dadurch eine Bleibeperspektive zu erhalten, schätzt er als „sehr gut“ ein. Im Falle des Syrers, so Manjura, habe dieser aber bewusst keinen solchen Antrag gestellt. „Er wollte es aus eigenem Antrieb schaffen, er ist stolz, es ohne Asyl geschafft zu haben.“ Eine Einstellung, die auch Manjura Respekt abverlangt.

Berechnungsfehler

Nur kurze Zeit nach dem Gespräch mit Manjura, klingelt bei Merkurist erneut das Telefon. „Die Geschichte hat eine neue Wendung bekommen.“ Es ist wieder Manjura am anderen Ende der Leitung. „Eine positive“, sagt er.

„Brutto und Netto wurden vertauscht.“ - Christoph Manjura

Denn bei der Berechnung des Einkommens von Sami habe sich ein Fehler eingeschlichen, „Brutto und Netto wurden vertauscht.“ Nach der neuen Berechnung liegt Samis Einkommen nicht mehr unter der festgesetzten Grenze. „Die Aufenthaltserlaubnis bleibt also bestehen“, sagt Manjura. Ein neuer Bescheid diesbezüglich sei bereits auf dem Weg zu Sami, auch wurde er schon mündlich darüber informiert. Somit bleibt er seinen Kollegen und den Bewohnern des Kapellenstiftes nun doch erhalten. (js)

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