Wahrheit oder Mythos? Geschichten aus Wiesbaden

In Sagen und Märchen sind Zeit und Ort meist unbekannt. Jedoch gibt es Sagen, die sich in Wiesbaden zugetragen haben sollen. Glaubt Ihr, sie sind tatsächlich passiert?

Wahrheit oder Mythos? Geschichten aus Wiesbaden

Jeder kennt die Märchen, wie Rumpelstilzchen oder Rotkäppchen, die uns als Kinder regelmäßig erzählt wurden. Solche Geschichten aus der Umgebung werden seit Jahren auch in Wiesbaden erzählt. Und manche davon spielen sogar in Wiesbaden. Vielleicht habt Ihr ja schon davon gehört?

Grunsels Börnchen

Störche, die nach Babys fischen

Der Storch gilt meist als Symbol für den Kindersegen. Mit einem weißen Tuch im Schnabel bringt er den Frauen ihre Babys. Aber woher nimmt der Storch die Kinder? Eine Erklärung dafür soll es im Wiesbadener Stadtteil Schierstein geben: Zwischen Frauenstein und Schierstein steht Grunsels Börnchen, eine Quelle, die in den Lindenbach mündet. Dort sollen die Störche nachts nach Babys fischen, die in einem unterirdischen Reich unterhalb der Quelle darauf warten, von einem Storch gefunden und zu ihren Familien gebracht zu werden.

Das Wunder von Grunsels Börnchen

Vor langer Zeit soll dort lediglich eine Heiligenfigur der Jungfrau Maria gestanden haben. Eine Quelle existierte noch nicht. Eines Tages kam eine Frau zu der Stelle, um zu beten. Sie war verzweifelt, denn nach sieben Jahren Ehe hatte sie noch immer kein Kind und ihre Familie wartete auf einen Erben. Gerade als sie nach ihrem Gebet gehen wollte, entsprang aus der Erde vor ihr plötzlich ein heller Wasserstrahl und floss in den Lindenbach. Überwältigt von dem Wunder, betete sie vor der Quelle und trank daraus, bevor sie sich auf dem Heimweg machte. Ein Jahr später kam ihr Sohn auf die Welt und sie kehrte mit ihm zu der Quelle zurück, um der Gottesmutter zu danken.

Die Geschichte verbreitete sich schnell und viele junge Frauen gingen zu der Quelle und tranken daraus. Später erzählte man, dass Störche aus den Rheinauen zur Quelle flogen und die Kinder auf die Welt holten.

Das Kreuz über der Quelle

Ein Wallufer Lehrer stellte Chroniken zufolge im April 1713 ein Wegkreuz an Stelle der Heiligenfigur und segnete es. Eines Tages verschwand das Kreuz dann spurlos und die Quelle sprudelte weiter ohne Heiligensymbol. Erst im Frühjahr 1994 spendete ein Schiersteiner Ehepaar ein neues Kreuz aus rotem Sandstein, das auch heute noch direkt über Grunsels Börnchen steht. Über der Quelle sieht man auch heute noch oft die Schiersteiner Störche kreisen.

Die Sonnenberger Burg

Die Zwergen-Sage

Schon lange Zeit erzählte man sich in Sonnenberg, dass im Burgberg Zwergen leben, die enorme Schätze wie Gold, Silber und Edelsteine hüten. Sie sollen einst ein wunderschönes Mädchen gefangen genommen haben, das seither nicht mehr altert und Tag und Nacht feines Leinen für die Zwerge spinnen muss. Alle sieben Jahre darf sie den dunklen Berg für einen Tag verlassen. Nur dann kann sie aus dem Zwergenbann erlöst werden.

Der Fluch der Zwerge

Eines Tages lief ein Hirte mit seiner Ziegenherde zum Sonnenberger Burgberg, als plötzlich das wunderschöne Mädchen vor ihm stand. Sie signalisierte ihm, ihr zu folgen. Dabei fiel ihr eine süßlich duftende Blume aus dem Haar, die der Hirte aufhob und sie sich an den Hut steckte. Er folgte ihr an die Burg vor ein dichtes Mauergebüsch, wo sie ihm ein geheimes Törchen zeigte. Sofort war ihm klar, worum es sich handeln musste, denn auch er hatte einige Male nach der sagenumwobenen Pforte gesucht.

Sie gingen durch das Tor tief hinein in den Berg, bis sie zu einer riesigen Schatzkammer gelangten. Die Schätze funkelten dem Hirten entgegen und das Mädchen bedeutete ihm, sich von allem zu nehmen. Als er nach den Reichtümern griff, fiel ihm die Blume vom Hut. „Vergiss das Beste nicht“, sagte das Mädchen und der Hirte nahm sich mehr Edelsteine. Wieder mahnte sie „Vergiss das Beste nicht“ und der Hirte griff nach den Goldmünzen. Nun drängte sie unter Tränen ein drittes Mal, als der Hirte ein tiefes Grummeln aus den Tiefen des Berges hörte.

Verängstigt rannte er mit den Reichtümern zurück und durch die Pforte hinaus. Zunächst erleichtert schaute er in seine Taschen. Doch er fand nichts als welkes Laub. Die Pforte in der Mauer war verschwunden und ihm wurde bewusst, was passiert war. Statt den Schätzen hätte er nur die Blume mitnehmen sollen, um das Mädchen zu erlösen. Verzweifelt suchte er immer wieder nach der Pforte und rief nach dem Mädchen, aber es half nichts. Von den Zwergen verflucht, dauerte es nicht lange bis er starb.

Es gibt noch mehr

Grunsels Börnchen und die Sonnenberger Burg sind nicht die einzigen sagenumwobenen Orte in Wiesbaden. Gespenstische Geschichten rund um das Biebricher Schloss, die Geschichte des Grorother Hofes sowie die der Heiligen Klara im Kloster Klarenthal und die Sage um das Eisenmännchen aus Frauenstein warten nur darauf erzählt zu werden. Kennt Ihr sie schon? Oder kennt Ihr noch andere Sagen? Schreibt uns in den Kommentaren! (ts)

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