Nach Unfall: Ärger um tiefes Loch auf neuem Radweg

Vor wenigen Wochen stürzte der Wiesbadener David auf dem neuen Radweg an der Saarstraße - wegen einem tiefen Loch im Asphalt. Die Bilanz: eine gebrochene Nase und mehrere Wunden im Gesicht. War die Stelle nicht deutlich genug abgesperrt?

Nach Unfall: Ärger um tiefes Loch auf neuem Radweg

Es ist der 21. Juni, ein Sonntag, kurz nach Mitternacht, als der Wiesbadener David mit seinem Fahrrad entlang der Saarstraße stadteinwärts unterwegs ist. Die Stadt baut hier seit einigen Monaten einen neuen Fahrradweg — und diesen befährt der 18-Jährige an diesem Abend. Nahe der Alten Schmelze, kurz vor der Eisenbahnbrücke, passiert es dann: David stürzt — er ist mit seinem Fahrrad in ein rund 22 Zentimeter tiefes Loch auf dem neu asphaltierten Weg gefahren. Mit einer gebrochenen Nase und mehreren Platzwunden im Gesicht muss er ins Krankenhaus.

Stelle nicht deutlich genug abgesperrt?

Das Loch im Boden war für David im Dunkeln nicht erkennbar. Zwar hätten am Anfang des Radweges ein bis zwei Leitbaken mit Lichtern gestanden. Ein Schild, das darüber hinaus auf die Baustelle oder darauf, dass der Weg noch nicht genutzt werden darf, hinweist, habe er allerdings nicht gesehen. „Würde da stehen ‘Achtung Baustelle’, würde ich erst gar nicht da lang fahren“, stellt David klar. „Man konnte nicht davon ausgehen, dass sich dort so ein Loch befindet und genauso empört war auch die Rettungswagenbesatzung, die dann schließlich die Polizei hinzugerufen hat.“

Auf Nachfrage bestätigt auch die Wiesbadener Polizei, dass es in der Nacht gegen 0:15 Uhr zu einem Unfall mit einem verletzten Radfahrer gekommen ist. Eine Polizeistreife habe den Unfall aufgenommen. Für die Polizei war die Situation vor Ort allerdings klar: „Der Baustellenbereich, in dem sich der Unfall zugetragen hat, war zum Unfallzeitpunkt durch Warnbaken abgesperrt und somit weder für Fußgänger noch für Fahrradfahrer freigegeben“, so ein Pressesprecher der Polizei gegenüber Merkurist.

Tatsächlich hatte David die Leitbaken an dem Abend seines Unfalls gesehen — die waren ihm zufolge allerdings nur am Anfang des Weges aufgestellt. „Ich dachte, das liegt an dem noch nicht asphaltierten Stück“, sagt David. Schon wenige Meter später, auf dem Abschnitt Richtung Bahnunterführung, sah das laut ihm anders aus: „Dann kam der asphaltierte Weg, deswegen dachte ich, der Weg ist fertig“, so David.

Leitbaken auf Geh- und Radwegen nicht zulässig

Grundsätzlich ist es problematisch, Baustellen auf Geh- und Radwege nur mit Leitbaken abzusperren — das zumindest geht aus den „Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen“ (RSA) hervor, einem technischen Regelwerk, das Teil der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung (StVO) ist. Darin steht: „Leitbaken dienen nur der Verkehrsführung auf der Fahrbahn. Auf Geh- und Radwegen ist ihr Einsatz unzulässig.“ Stattdessen werden zur Absperrung von Baustellen oder Hindernissen auf Geh- und Radwegen in der Regel Absperrschranken empfohlen — das fordert zum Beispiel auch der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband.

An welcher Stelle und wie die Leitbaken zum Zeitpunkt des Unfalls in der Saarstraße konkret standen, lässt sich im Nachgang schwer herausfinden — bereits am Folgetag war der gesamte Weg mit mehreren Leitbaken und teils auch mit Absperrband gesichert. Mittlerweile ist die Baustelle an der Stelle gänzlich abgebaut und der Abschnitt des Radwegs fertig.

Das teilt auch die Stadt mit. „Die Arbeiten an dem zum Unfallzeitpunkt gesperrten Gehweg wurden kurze Zeit nach dem Vorfall fertiggestellt und der Weg wieder für den Verkehr freigegeben“, so ein Sprecher des Verkehrsdezernats. „Den Vorfall bedauert die Stadt sehr, kann aber hierzu aufgrund des noch laufenden Verfahrens keine weiteren Informationen geben.“ Wegen des laufenden Verfahrens könne sich die Stadt weder zur Absperrung des Loches zum Unfallzeitpunkt, noch zu möglichen Konsequenzen aus dem Unfall äußern. (js)

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