Wiesbaden bekommt einen neuen „Unverpackt“-Laden

Loses Müsli, Reis aus dem Spender und Olivenöl zum Selbstabfüllen: Der Trend zum Einkauf ohne Verpackungsmüll wird immer größer. Auch in Wiesbaden steigt die Nachfrage — und ein Unternehmer aus Mainz will Abhilfe schaffen.

Wiesbaden bekommt einen neuen „Unverpackt“-Laden

„Einen Laden in Wiesbaden zu eröffnen, das ist jetzt unser Auftrag“, sagt Abdelmajid Hamdaoui, während er an seinem Schreibtisch sitzt und auf eine Liste zeigt. Rund zwei Wochen lang hat der Inhaber von „Unverpackt Mainz“ die Postleitzahlen seiner Kunden gesammelt, um zu erfahren, woher sie kommen. Und hat dabei festgestellt: Ziemlich viele von ihnen fahren extra aus Wiesbaden nach Mainz. „Oft kommen die Kunden dann sogar nur für eine Sache“, sagt Hamdaoui, „und dann auch noch teilweise mit dem Auto.“

„Wenn alles glattgeht, starten wir am 19., spätestens aber am 26. Oktober.“ - Abdelmajid Hamdaoui, Inhaber

Für ihn war die Sache damit klar: Ein zweiter Laden muss her, und zwar schnell. Fündig wurde Hamdaoui in der Wiesbadener Saalgasse. In den Räumen befand sich bis Ende 2018 eine Postfiliale. Wenn alles klappt, sollen schon ab Herbst statt Briefmarken und Päckchen unverpackte Müslis, Nudeln oder Kosmetik über den Tresen gehen. „Wenn alles glattgeht, starten wir am 19., spätestens aber am 26. Oktober“, sagt Hamdaoui.

90 Quadratmeter mit unverpackten Waren

„In Wiesbaden wird sich zeigen, was die Leute dort gerne wollen und was nicht.“ - Abdelmajid Hamdaoui, Inhaber

Bis dahin müssen noch Businessplan und Finanzierung geklärt und kleinere Renovierungsarbeiten erledigt werden. Der Laden selbst soll auf rund 90 Quadratmetern größtenteils das bieten, was es auch in Mainz gibt: viele Lebensmittel, Öle, Kosmetikprodukte und Reinigungsmittel ohne Verpackung und aus Spendern. „Ansonsten wird sich in Wiesbaden zeigen, was die Leute dort gerne wollen und was nicht“, sagt Hamdaoui. Er entwickle sich seit fast vier Jahren mit seinen Kunden und nehme ihre Wünsche ernst.

Deshalb gibt es jetzt beispielsweise wiederverwendbare Geschenkbeutel aus Stoff — so soll der Müll wegfallen, der beim Geschenke verpacken entsteht. Auch das hatten Kunden angeregt. „Für solche Dinge arbeite ich sehr gerne mit kleinen Manufakturen und Behindertenwerkstätten zusammen“, erzählt Hamdaoui. Ob neue Produkte wie die Geschenkverpackungen gut angenommen werden, wisse man vorher nie — er probiere es aber gerne aus.

Gemeinsam mit einer festangestellten Mitarbeiterin aus Mainz und vier weiteren Mitarbeitern will Hamdaoui im „Unverpackt Wiesbaden“ in der Saalgasse starten. Wenn sich Wiesbaden gut entwickelt, hat er weitere Pläne. Dann könnte schon bald der nächste Laden folgen — vielleicht in Frankfurt oder in Ingelheim. Jetzt steht aber erstmal die Eröffnung in Wiesbaden an. „Es geht mir darum, dass das Konzept größer wird“, sagt Hamdaoui, „und wir den Discountern ein bisschen den Wind aus den Segeln nehmen.“ (ts)

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