Wie gut ist die Mischung der Läden in der Fußgängerzone?

Kleidung shoppen, Lebensmittel besorgen oder einfach nur einen Kaffee trinken gehen? Wir wollten wissen, ob das Angebot in Kirch- und Langgasse den Ansprüchen der Wiesbadener genügt.

Wie gut ist die Mischung der Läden in der Fußgängerzone?

Bis zu 7500 Besucher pro Stunde sind bei gutem Wetter zu den Geschäftszeiten in der Kirch- und Langgasse zum Einkaufen unterwegs. Das ergab eine Studie der Immobilienfirma Jones Lang Lasalle (JLL). Viele von ihnen sind Touristen, die Stadt schafft es auf mehr als eine Millionen Übernachtungsgäste jährlich. Aber auch die Wiesbadener selbst kommen immer wieder in die Stadt — aus ganz unterschiedlichen Gründen. Wir wollten wissen, bei welchen Einkäufen sie in der Innenstadt fündig werden, und was sie dort noch vermissen.

Viele Ketten

„Man kann hier gut einkaufen.“ - Sophia Emmert

Zum Shoppen kommt Sophia Emmert oft ins Stadtzentrum. „Man kann hier gut einkaufen. Man bekommt ja alles“, findet die 22-Jährige und zählt ein paar ihrer Lieblingsläden auf, die allesamt Filialen von größeren Ketten sind. Tatsächlich zeigt eine Studie von JLL, das bereits 2016 mehr als 85 Prozent aller Ladenlokale in Kirch- und Langgasse an Filialen von Ketten vermietet waren. In Mainz waren nur rund 80 Prozent. Trotzdem zeigt die Studie auch, dass eine gute Mischung an Produkten in Wiesbadens Schaufenstern zu finden ist.

Fast 15 Prozent aller Mieter waren 2016 keiner klassischen Branche wie „Elektronik“, Gesundheit“, „Schmuck“ oder „Schreibwaren“ zuzuordnen. Der Wert ist im Vergleich zu vielen anderem Städten recht hoch. Gemeint sind damit zum Beispiel Dienstleister, die ihre Büros in Geschäftshäusern haben, aber auch Antiquitätenhändler wie sie in der Taunusstraße zu finden sind. Genau diese empfiehlt auch eine Kundin in der Wiesbadener Innenstadt, die uns ihren Namen nicht verraten wollte. „Rund um den Kranzplatz gibt es in der Taunusstraße und in der Saalgasse noch immer viele kleine Läden. Aber viele wollen nicht so weit laufen und können oder wollen die Preise dort einfach nicht bezahlen.“ Sie selbst werde dort aber besonders häufig fündig, wenn sie nach ausgefallenen Geschenken oder Mitbringseln sucht.

Frisches auf dem Markt

Seit mehr als 40 Jahren kaufen die Konradis in der Innenstadt ein. Auf dem Wochenmarkt haben sich die beiden Wiesbadener am Mittwoch vor allem mit frischen Produkten aus der Region eingedeckt. „Früher gab es mehr Artikel des täglichen Bedarfs zu kaufen“, sagt Frau Konradi über die Innenstadt. Als Beispiel nennt sie Nähutensilien und auch Frischeläden wie Metzgereien. „Doch die Leute kaufen heute anders ein. Die meisten erledigen Lebensmitteleinkäufe nur noch einmal pro Woche in großen Märkten auf der grünen Wiese“, sieht ihr Mann einen Grund für die Veränderung. Zum Einkaufen kommen die beiden deshalb meistens mittwochs in die Innenstadt. „Dann ist Markt und man kann sich gut mit frischen Produkten eindecken.“

Konkurrenzstädte ausschalten

Regelmäßig nach Wiesbaden kommt auch Michaela Kwasny. „Heute treffe ich mich mit einer Freundin zum Brunch“, erzählt sie. „Besonders im Sommer kann man hier schön auf den Terrassen draußen sitzen“, findet sie. Laut der Studie machen Gastronomie-Angebote fast 17 Prozent aller Läden in der Fußgängerzone aus. In etwa jedem dritten Laden hingegen gibt es Kleidung zu kaufen. An diesem Angebot bedient sich auch Kwasny gerne, aber nur, wenn sie für sich selbst einkauft. „Als Frau kann ich in Wiesbaden gut einkaufen. Aber wenn es um Klamotten für meinen Mann oder meine Tochter geht, werden wir im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach oft besser fündig.“ Der Anfahrtsweg sei für ihre Familie vergleichbar wie der in die Wiesbadener Innenstadt.

„Die Fußgängerzone ist auch für mich ein großes Thema.“ - OB Gert-Uwe Mende

Dass nicht jeder Einkäufer im Einzugsgebiet zufrieden mit dem Angebot der Kirch- und Langgasse ist, weiß auch der Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD). „Die Fußgängerzone ist auch für mich ein großes Thema“, erzählte er im Gespräch mit Merkurist kurz vor seinem Amtsantritt. Er sehe vor allem Handlungsbedarf was die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt betrifft. „Die Beschlussvorlage für einen Citymanager ist da ein guter Anfang“, findet er. Bereits vor mehr als einem Jahr haben SPD und CDU den Vorschlag in der Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Ziel der neu zu schaffenden Stelle ist es dabei, einen Ansprechpartner für die Händler in der Innenstadt zu finden und langfristig die Aufenthaltsqualität in der Stadt durch sein Handeln zu steigern. (ts)

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