Brand in der Rheingoldhalle - ein Jahr danach

Dichter Qualm, Brandgeruch in der gesamten Mainzer Altstadt: Am 16. Mai 2019 brannte es in der Mainzer Rheingoldhalle so stark, dass man es bis Wiesbaden sehen konnte. Merkurist blickt zurück.

Brand in der Rheingoldhalle - ein Jahr danach

Es ist etwa 6:30 Uhr, als die Erstmeldung am Donnerstagmorgen, 16. Mai 2019, durch die lokalen Medien geht: Es brennt in der Mainzer Altstadt. Aus der Tiefgarage des „Hilton“-Hotels dringt Qualm, der beißende Brandgeruch ist bis in die Oberstadt und Weisenau wahrnehmbar. Nur wenige Minuten später wird klar: Es ist nicht das „Hilton“, das brennt, sondern die Rheingoldhalle.

Zahlreiche Einsatzkräfte machen sich auf den Weg in die Rheinstraße. Das Dach der Halle, die zu diesem Zeitpunkt umfangreich saniert wird, steht in Flammen. An den Brandherd zu gelangen, erweist sich als schwierig. „Der Zugang gestaltet sich als aufwändiger wegen der Begebenheiten in der Dachkonstruktion“, sagt Stadtsprecher Marc André Glöckner gegen 11 Uhr an diesem Tag.

Wenige Minuten später wird klar, ein Teil der Dachkonstruktion ist eingestürzt. „Die tragende Betondecke des Dachs steht noch“, berichtet Glöckner. Das mache die Löscharbeiten schwieriger, weil das Dach nicht mehr zu betreten sei. „Die Glutnester, die im eingestürzten Bereich sind, sind nicht zugänglich.“

Gegen 12:30 Uhr ist das Feuer schließlich unter Kontrolle. Die erlösende Nachricht folgt am frühen Nachmittag: Der Brand ist gelöscht. Dennoch beobachten die Einsatzkräfte am Abend und in der Nacht das Geschehen an der Rheingoldhalle.

Erstes Aufatmen nach dem Brand

Am nächsten Tag können die Verantwortlichen nochmals aufatmen: Der angrenzende, neue Teil des Kongresszentrums und die Büros sind verschont geblieben. Geplante Veranstaltungen können stattfinden. Dennoch ist der Schaden an der Halle groß, die Einsatzkräfte schätzen ihn auf mehrere Hunderttausend Euro.

Das gesamte Ausmaß wird einige Tage später deutlich. Bei einem Rundgang verschafft man sich einen Überblick, steigt auf das Dach der Rheingoldhalle, inspiziert auch die darunter liegenden Räume. Tausende Liter Löschwasser sind in den Innenraum eingedrungen, der Boden ist aufgeweicht, auch die Wände haben einiges abbekommen. Auf dem Dach Rußspuren und abgebranntes Holz.

Fünf Tage nach dem Brand steht fest, was die Ursache gewesen ist. Das Feuer lässt sich laut Polizei mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf Bauarbeiten im Kongresssaal zurückführen. Es brach wohl in einer Mauerfuge zwischen der Nord- und der Ostwand aus. Später stellt sich heraus: Die Ursache ist Funkenflug, der bei Schweißarbeiten entstanden ist. Ein Ermittlungsverfahren wegen Brandstiftung wird im Januar 2020 eingestellt.

Wie geht es weiter?

Bis heute dauern die Sanierungsarbeiten an. Aufräumarbeiten und der Fund von Asbest verkomplizierten zunächst das Vorgehen. Offenbar war der giftige Baustoff in Teilen des Gebäudes verbaut, die von der Feuerwehr während der Löscharbeiten eingerissen werden mussten.

Eine erste Prognose wagt Günter Beck, Aufsichtsratsvorsitzender der Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG), im Februar 2020. Die Arbeiten im Kongress-Saal werden umfangreicher ausfallen als geplant. Somit verzögern sich die Sanierungsarbeiten und damit auch die Eröffnung der Rheingoldhalle. Einen genauen Termin für den Abschluss der Bauarbeiten könne man noch nicht nennen, so Beck. Damit ist auch noch unklar, ob die Saalfastnacht im nächsten Jahr gefährdet ist. Außerdem unklar ist, ob das Parkett im Kongresssaal ausgetauscht werden muss. Hier gibt es offenbar größere Schimmel-Schäden.

Insgesamt belaufen sich die Kosten für die Sanierung der Halle inzwischen auf 29,1 Millionen Euro. Beck erklärt: „Ohne den Brand hätten wir die Arbeiten natürlich deutlich stressfreier abwickeln können.“ (pk)

Logo