Gefährliches Atemwegsvirus bringt Kinderstationen derzeit an ihre Grenzen

Überdurchschnittlich viele Kinder sind derzeit an gefährlichen Atemwegsinfektionen erkrankt. Sowohl das RS-Virus als auch die Influenza bringen die Kliniken an den Rand ihrer Kapazitäten. Wie ist die Situation in Wiesbaden?

Gefährliches Atemwegsvirus bringt Kinderstationen derzeit an ihre Grenzen

Kinderkliniken sind kurz vor dem Kollaps, Kinderärzte schlagen Alarm: Das seit Wochen grassierende Respiratorische Synzytial-Virus (RS-Virus) bringt die Mediziner derzeit deutschlandweit an ihre Grenzen. Hinzu kommen ungewöhnlich viele Fälle der Influenza und anderer Viren sowie bakterielle Infektionen. Vor allem die Grippewelle startete sehr früh in dieser Saison. Normalerweise, so Fachleute, beginnt sie im Februar oder März.

Das RS-Virus ist für Kleinkinder und Säuglinge besonders gefährlich. Es kann zu akuter Bronchitis oder Lungenentzündung führen, Fieber und Atemnot auslösen. Der Erreger ist weltweit stark verbreitet und befällt die oberen und unteren Atemwege. Die ersten Symptome ähneln einer Erkältung: Husten, Schnupfen, Halsweh und Fieber.

Planbare Eingriffe werden verschoben

Viele Kinderstationen haben angesichts der hohen Krankenzahlen zwischenzeitlich einen Aufnahmestopp verhängt, sie versorgen dann nur noch Notfälle. Denn da das RS-Virus hoch ansteckend ist, müssen infektiöse Patienten immer isoliert behandelt werden.

Auch die Kinderstation der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden nimmt seit einigen Wochen viele Kinder mit dem RS-Virus, aber auch anderen respiratorischen Viruserkrankungen, auf, berichtet Helios-Pressesprecherin Anja Dörner gegenüber Merkurist. Die Zahl der Kinder, die derzeit auf der Intensivstation behandeln werden, ändere sich derzeit schnell. „Wir können aber davon ausgehen, dass sich ca. 50 bis 75 Prozent der Kinder auf Normalstation derzeit aufgrund einer viralen Erkrankung der Atemwege in stationärer Krankenhausbehandlung befinden“, so Dörner. Doch seien nur wenige von ihnen so schwer erkrankt, dass eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig sei. Eine maschinelle Beatmung sei bisher nur in einem Fall notwendig geworden.

Dennoch müssten planbare, nicht dringende Eingriffe verschoben werden, um so zusätzliche Aufnahmekapazitäten für akut erkrankte Kinder zu schaffen. „Dringliche und notfällige Eingriffe werden weiterhin durchgeführt“, so Dörner. Indem zudem die Betten aufgestockt und bei positivem Virusnachweis die Kinder in Gruppen isoliert werden, konnten fast alle Kinder, die in die Notaufnahme kamen und stationäre Behandlung brauchten, auch aufgenommen werden.

Corona-Schutzmaßnahmen als Ursache

Ein Grund für die Atemwegserkrankungen sind wohl die Corona-Schutzmaßnahmen. Dadurch hatten die Kinder wenig Kontakt mit Keimen, wodurch ihr Immunsystem keine Abwehr aufbauen konnte. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet, dass doppelt so viele Babys und Kleinkinder mit schweren Atemwegsinfektionen ins Krankenhaus eingeliefert wurden wie zum gleichen Zeitpunkt vor der Pandemie. Das RS-Virus machte bereits im September zwei Drittel der Fälle aus (wir berichteten).„Durch das RS-Virus werden die Kinder, verglichen mit anderen Infektionserregern, die die Atemwege betreffen, eher schwerer krank“, sagte Lukas Schnabel von der Universitätsmedizin gegenüber Merkurist. „Dies kann bis hin zur Notwendigkeit der Beatmung auf der Intensivstation führen.“

Vorbeugen kann man dem Virus am besten mit einer guten Hygiene, mit regelmäßigem Händewaschen etwa. Babys sollten zudem von Menschen mit Erkältung ferngehalten werden. Weisen gerade Säuglinge starken Husten, Atemnot, Fieber und große Müdigkeit auf, sollten die Eltern umgehend einen Kinderarzt aufsuchen.

Logo